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Ost und West · 1909-07-01 · Heft 7 (Juli 1909) · p. Seite 457 - 458

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 7 (Juli 1909)
Article
Hebräische Gedichte. Dr. A. Kaminka / Rezension
Date
1909-07-01
Page
Seite 457 - 458 (sequence 2)
Language
German
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457 Literarische Rundschau. 458 Gedichte von Dr. A. Kaminka aus voller Ueberzeugimg das Gegenteil sagen. Das sind echte hebräische Melodien, hervorgequollen aus einer wirklichen Dichterbrust, reich an erhebenden Gedanken und schwungvoll und edel im Ausdruck. Kaminka ist ein Meister der Sprache und versteht es, sie zum Ausdrucksmittel einer reichen geistigen Innenwelt zu machen. Geschichtliche Stoffe führt er mit dramatischer Lebendigkeit und packender Gewalt vor Augen. Wir verweisen in dieser Beziehung nur auf das dialogische Gedicht: Elischa ben Abu ja (genannt Acher) und R. Meir. Beide Persönlichkeiten sind in ihrer gegensätzlichen Geistesrichtung in scharfen Konten gezeichnet, und wir verfolgen mit Spannung <ra Schicksal der faustischen Natur. Aber auch ullr bibelgeschichtlichen Szenen wie „Die Sintflut", „Sp dem Libanon ist Schweigen", „Die Spaltung des ScSilfmeeres" ruht dichterischer Hauch und ernste Seelenstimmung; es sind Ergüsse, die alle Fasern imslies Innenlebens ergreifen und die Ereignisse und Situationen in ihrer religionsgeschichtlichen Bedeutung vor die Seele treten lassen. Nicht minder verdienen kleinere Gedichte, wie: „Sie und ich", „Im Sommer", „Des Jahres Segen", „Siehe, sie weinen" als nach Form und Inhalt wohlgelungen hervorgehoben zu werden. Kein Kenner der hebräischen Sprache wird daher Kaminkas Gedichte ohne Befriedigung aus der Hand legen; jeder wird etwas finden, was seinen Geist, sein Herz und Gemüt anspricht, ihn über die Alltäglichkeit des Lebens hinaus, in eine höhere Welt frommer und heiliger Erinnerungen und Gefühle versetzt. Die Gedichtssammlung sei wärmstens empfohlen! Professor D. Dr. Aug. Wünsche. * . * * Ewige Weisheit, Spruchpoesie des Talmud. Uebersetzt von Max Weinberg. (Verlag von Otto Hendel, Halle a. Saale.) Das Buch, an dem der Verfasser, wie er im Vorwort erzählte, die Mussestunden eines Menschenalters verwendet hat, ist die poetische Bearbeitung eines erheblichen Teils der im Talmud und der rabbinischen Literatur sich vorfindenden Sprichwörter und Sinnsprüche, deren sich die Talmudisten gern bedienten, um eine vöraufgegangene Auseinandersetzung noch einmal kurz zusammenzufassen, oder einen ausgeführten Gedanken zu belegen. Sie

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