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Ost und West · 1909-07-01 · Heft 7 (Juli 1909) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 7 (Juli 1909)
Date
1909-07-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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A osr^gfesr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 7. Juli 1909. IX. Jahrg. DER ELFTE DEUTSCH-ISRAELITISCHE GEMEINDETAO. Von M. A. Klausner. II. Es ist nicht meine Absicht, an der von der Organisationskommission des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes geleisteten Arbeit, die ich in dem vorigen Heft dieser Monatsschrift skizziert habe, Kritik zu üben. Die Arbeit, ich erkenne es unumwunden an, ist sehr schwer, die Kritik ist leicht. Freilich darf mich das nicht hindern, mein Urteil dahin abzugeben, dass die Vorlage verfehlt ist. Nicht weil die mitwirkenden Kräfte unzulänglich gewesen wären, sondern weil man sich iu der ganzen Anlage vergriffen hat. Das ist geschehen aus mangelnder Vertrautheit mit jüdischem Leben, mit jüdischen Vorstellungen, mit jüdischer Geschichte uud mit jüdisch-religiöser Gesinnung. Es ist nicht nötig, dass orthodoxe Anschauungen teilt, wer über die Einrichtung von Gemeinden bestimmen will, in denen der Orthodoxe wie der Liberale sieh soll behagen und mindestens ungestört leben können. Wohl aber ist nötig, dass er die Forderungen der Orthodoxie nach Ursprung und Bedeutung versteht. Solches Verständnis ist nicht sehr verbreitet, es ist nicht einmal bei allen denen zu finden, die in ihrer Lebensführung sich orthodox betätigen, geschweige d^nn bei denen, die durch Erziehung, Gewöhnung, Umgebung dem traditionellen Vorstellungskreis innerlich mehr noch als äusserlich entfremdet worden sind. Ohne solches Verständnis kann es wohl den besten Willen zur Gerechtigkeit geben, doch dem Willen bleibt die Möglichkeit der Ausführung versagt. Die Verfasser der Vorlage haben vielleicht keine ganz deutliche Vorstellung gehabt von der Gefahr des Schisma, in der wir schweben. Nicht bloss wir Juden in Preussen. Anderwärts, in Ungarn, ist sie grösser gewesen, und es hat unendliche Mühe gekostet, sie zu beschwören. Wir dürfen die Gefahr nicht leicht nehmen. Ich empfinde keine Neigung, dem lärmenden Fanatismus Zugeständnisse zu machen, aber reizen möchte ich ihn auch nicht. Ich sehe im Schisma schweres Unglück, das zu verhüten schon ein Opfer wert ist. Auf welcher Eichtling das Unglück drückender lasten würde, lasse ich dahingestellt; ich möchte es jedenfalls auch von der Richtung fernhalten, der ich persönlich mich nicht anschliesse. Diese Stimmung setze ich bei der weit überwiegenden Zahl der Glaubensgenossen, setze ich bei allen Mitarbeitern an der Vorlage für eine Gesamt-Organisation der preussischen Judenheit voraus. Das Austrittsgesetz von 1876 hat ein Ventil geöffnet, indem es die Bildung von Sondergemeinden ermöglichte. Ich beklage jeden einzelnen Fall, in dem von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, ohne dass immer wieder aufs neue versucht wird, in der natürlichen Gemeinde-Zusammengehörigkeit friedlich und verträglich zu verharren. Denn namentlich in jeder grösseren Gemeinde ist die Möglichkeit vorhanden, allen billigen Anforderungen unter Vermeidung der Trennung zu genügen. Gleichwohl mag es gut gewesen sein, dass man das Ventil angebracht hat; ich will mich

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