Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Moses in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-06-01
- Page
- Seite 353 - 354 (sequence 1)
- Language
- German
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353 354 P. DE GREBBER. Die Findung Moses» DRESDEN". MOSES IN DER BILDENDEN KUNST. Von G. Kutna. IL Nachdruck verboten. Der Auszug aus Aegypten und der Durchzug durchs rote Meer werden als sittenbildliche Massenszenen behandelt, in denen Moses eine bevorzugte, doch •veine dominierende Stellung gegeben ist. So ist es in ien Hagaden und anderen Miniaturen und so auch in den meisten Darstellungen der Malerei. Die Italiener (Rafaelschule, A. Previtali, Ant. Tempesta X a.) betonen das Gewühl des ertrinkenden Heeres in lern Wellengebrause der See, die Niederländer und Deutschen (Jordaens, Fr. Francken IL, Cranach) renrehaftes Volkstreiben der geretteten Israeliten. In ien verschiedenen, ähnlich komponierten Bildern von (V. Francken II. (Braunschweig, Karlsruhe) ist der -reöffnete Sarg Josefs, dessen Gebeine die Kinder Israel aus Aegypten mitnehmen, zum Mittelpunkt der phantastischen, vielgestaltigen Szenerie gemacht; sonst ist die Mitnahme der Gebeine Josefs in Miniaturen der Eagaden und Bibeliliustrationen (Add. 15277, Brit. Mus.) hervorgehoben. Zu allerlei Phantastik gab das öebernatüriiehe des Vorgangs und die Wolkensäule Veranlassung. Auf altchristlichen Sarkophagen ist das rote Meer als eine mythologische Figur unter dem Reiterbilde Pharaos symbolisiert, in den Homilien des Gregor von Nazianz und anderen griechischen Handschriften (Bibl. Nat.) erscheinen der Abgrund, die Nacht, das Meer durch einen Mann oder eine Nymphe personifiziert, die Pharao und sein Heer in die Tiefe ziehen. Aelfrics Pen täte uch hat ein Menschenantlitz, das aus der Höhe über das Meer bläst, ein unbekannter Meister des 15. Jahrhunderts (München) zwei geflügelte Ungeheuer, die im Vordergrunde aufeinander losfahren. Die Expositiö lib. Vet. etNovi Test, des Brit. Mus. geht auch an dieser Stelle mit dem Symbolisieren bis ins Unsinnige: ein Engel hält eine baumförmige Säule (— gratia Christi) über Israel, Pharao sitzt mit seinem ganzen Heer (als Gegenbild zu einer Gruppe von Teufeln) in einem Wagen, und Moses spaltet das Heer, wie die boni prelati das Volk Gottes durch Lehre der Macht des Teufels entreissen. Viel lebendiger ist der in der Form so rohe Ashburnham Pentatench, der die Darstellung menschlicher Affekte bevorzugt; er hat neben dem Untergang Pharaos die murrenden Israeliten, die Moses mit Gesten der Angst und Wut Vorwürfe machen, dass er sie aus Aegypten geführt hat. Eine Beziehung eigener Art hat das von Cosimo Rosselli in Gemeinschaft mit seinem Schüler Piero di Cosimo gemalte Fresko in der Sixtinischen Kapelle. Es sollte der Verherrlichung des für Sixtus IV. so glücklichen Sieges von Campo Morto dienen, durch den Rom und die Kirche einer grossen Gefahr entgingen. Die Helden dieser Schlacht stehen neben Moses am Rande des Meeres, in dessen Fluten der Feind vergeblich mit dem Tode ringt. Moses schaut auf den versinkenden Tross,