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Ost und West · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. Seite 295 - 296

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Rebb Mosche Aphikomon und der Prophet Eliahu
Date
1909-05-01
Page
Seite 295 - 296 (sequence 2)
Language
German
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295 Dr. J. Niemiro wer- Jassv: Rebb Mosche Aphikomon und der Prophet Eliahu. 296 An den Pessachabenden ist es im Hause des Rebb Mosche sehr feierlich; er und seine Frau thronen wie König und Königin; das Haus ist schön geschmückt und hell beleuchtet. Die Gäste sind lustig, singen chassidäische Lieder und erzählen interessante Geschichten. Laut und feierlich wird die Hagada verlesen und die Speisen werden in Wein ertränkt. Die Feier erhält ihren Höhepunkt in dem Momente, in dem Rebb Mosche in eigener Person, in Begeisterung die Türe öffnet und „seinen" Propheten Eliahu mit bewegter Stimme bittet, ihn „wieder" zu besuchen. Alle Anwesenden erheben sich und lesen in froher Stimmung die Hagada zu Ende. Diesem feierlichen Akte war eine dramatische Szene vorangegangen. Als Reb Mosche den versteckten Aphikomon unter dem Kissen vergebens gesucht, fragt er: Wer ist der Ganew? Sein reizendes Töchterlein Sima gesteht den Diebstahl ein. Lustig fragt Rebb Mosche: Was willst du, Simale, für den Aphikomon? Was sie will? meint die Mutter, eine Brillantbrosche! Sima aber schaut zu dem in ihrer Nähe sitzenden jungen Chassid — als wenn sie diesen als Preis für den Aphikomon bei ihrem Vater erbitten möchte. Sie sucht nach Worten, scheint sie aber nicht zu finden, schaut wieder zum jungen Chassid und wird feuerrot! Sie reicht dem Vater den Aphikomon und sagt: Damit du wissen kannst, was ich will, musst du auch ein Prophet Eliahu sein. „Sage mir, mein süsses Kind, was du doch willst!" Ich kann nicht, antwortet sie, den Blick nach unten gesenkt. Erzähle du zuerst deine Geschichte vom Propheten Eliahu, und dann werde ich sprechen. Rebb Mosche legt den Aphikomon aus der Hand, schaut auf ihn ernst und spricht wie folgt- „Juden 1 Brüder! Gott hat mir Reichtum geschenkt. Es waren Reichere als ich — zum Beispiel Korach, es sind Reichere vorhanden — zum Beispiel Rothschild, Montefiore; ich habe aber auch genug. Gott hat mir Gesundheit geschenkt. Schimschon hagibor*) war stärker; ich bin aber auch zufrieden. Eine Frau hat man mir vom Himmel geschenkt, die Esthers Chen**) hat. Kinder hat mir der „Oberster" geschenkt, die Diamanten, Brillanten, Perlen sind. Engel bringen mir alles, was mein Herz begehrt: Ein schönes Haus auf dieser Welt und die Hoffnung auf die andere Welt. Ich fahre nicht nach Lemberg oder Wien, um grosse Paläste zu sehen, sondern nach Beiz und Siditeov, um grosse Menschen zu bewundern. So lange der alte RebbeiBgdlebti'ix^- $%üm AMeafcen^de& Gerechten wird zoamöÄe&BRf /^uttnSefaiigeiMsJ*^ &Ü> jedem Pessach bei ihm."-- Welches Glück! ruft ein alter Chassidti-jH <* *) Held Simson. **) Lieblichkeit. „An einem Ssder-Abend sprach der heilige Eabbi vom Propheten Eliahu; er sagte: „Es ist nicht genug, wenn man einen Becher füllt und von Eliahu spricht; jeder Jude muss immer den Propheten vor Augen haben, gleich ihm Gutes tun und den Armen helfen. Eliahu zeigt sich in verschiedenen Gestalten. Der eine sieht ihn als Rabbi, der jüdische Seelen rsttet, der andere als friedenstiftenden Rabbiner. In jedem Juden findet sich ein Funken von Eliahu hanowi, im Gabbe wie im Schammes, auch im Soldaten, der trefe isst," endete der heilige Rabbi seine Lehre. Diese vom heiligen Rabbi begeistert gesprochenen Worte versetzten mich in die himmlische Welt; die Sehnsucht, Eliahu hanowi zu sprechen, bemächtigte sich meiner. In diesem Augenblicke fiel die Aphikomon- Mazzo des Rabbi aus dem Kissen, und da ich die Ehre hatte, in des Rabbi Nähe zu sitzen, hob ich sie auf. Ich soll die Mazzo des Rabbi in der Hand halten! — ich, ein kleiner Mensch, ein Zwerg, eine Fliege im Vergleich zum Rabbi! Soll ich sie ihm zurückgeben oder soll ich ihn von seinen hohen Gedanken nicht stören? Mit einem Male schrie der Rabbi. Wer hat den Aphikomon? Der Ganew ins Gehinom! Zitternd sagte ich: Mein heiliger Rabbi, ich bin nicht ein Ganew. Mit freundlichem Tone antwortete er: Ach Du, Moschele! Gib mir den Aphikomon zurück und wa; dein Herz begehrt, sollst Du haben.14 — Welches Glück! ruft einer der Tischgenossen. — „Was sollte ich verlangen, fährt Rebb Mosche fort, in dem Augenblicke,«in dem sich mir der Himmel geöffnet!" — „Hundert Millionen," meint einer der Tiscrgenossen. — „Im Gan Eden neben dem Rabbi zr; sitzen," meint der Zweite. — „Einen grossen Schiduch durchzuführen," sagt der Dritte. — „In Erez Israel z sterben," behauptet der Vierte. — „Die Macht übe. Geister und Gespenster/4 meint der Fünfte. — Eh- Sechster sagt: „Ein grosser Rabbi zu werden." ~- Die Frauen aber rufen: „Den Propheten Eliahu z sehen." Auch ich, setzt Rebb Mosche fort, habe EiiaL hanowi verlangt, der Rabbi aber sagte: Willst D r Eliahu hanowi sehen, merkedir die Tora, die ici heute verkündet." Alle Anwesenden lauschen auf die Erzählung de* Rebb Mosche, auch diejenigen, die sie schon oft gehört. Rebb Mosche spricht weiter: „Auf dem Heimwege, beschloss ich, niemand vom Versprechen des heiligen Rabbi zu berichten, auch meiner Fran nicht; meine gute Etel wäre böse gewesen, da ich nicht auch für sie beim Rabbi erwirkt, Eliahu zu sehen." Sima unterbricht: Es war auch ein Unrecht! Etel ruft dazwischen: Ich habe ihn doch gesehen; mdi SÜwßiftlxjBdi^reigtl-sagt, Rebb Mosche. idoisVieteiöfchres^ d»&ffia£to[in dBrfiUliiig^ er gekommen. Wer? Wer? fragen die Gäste.

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