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Ost und West · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. Seite 281 - 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Die Findung Moses [Illustration]
Date
1909-05-01
Page
Seite 281 - 282 (sequence 1)
Language
German
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281 282 JAN VICTORS. Die Findung Moses. DRESDEN. MOSES IN DER BILDENDEN KUNST. Von G. Kutna. Nachdruck verboten. In grossem Schattenriss steht Moses vor den Augen der Geschlechter, seine Gestalt beschattet eines Volkes Dasein, und sein Werk formt das Schicksal einer Nation. Er hat die Struktur einer eigen 'gewachsenen Persönlichkeit, doch begrenzt das Persönliche nicht seine Erscheinung, und nicht umrahmt die Familie sein Leben. Er erscheint unmittelbarer als jeder andere Stammesheros der Bibel als der Träger und Gestalter des Volksgeschicks, und seine persönlichen Eigenschaften haben ihre Wirkung in der ganzen Gemeinschaft. Bei den Stammvätern der Genesis hat man das Bild persönlichen Daseins, Moses hat andere Dimensionen. Das Intime hört auf, und Gewaltiges formt die Phantasie. Seine Kindheit hat noch eine fassliche, wenn auch wunderbare individuelle Realität, in der die Bedeutsamkeit seines Daseins fühlbar zu werden beginnt. Dann spinnt sich das weiter, und die persönlichen Erlebnisse lassen die grossen, weittragenden Folgen vermuten. In den Höhepunkten seines Lebens, der Errettung des Volkes und der Gesetzgebung, spannt sich sein Wesen über die Peripherie der Einzelpersönlichkeit immer mehr ins Weite, bis zu dem unbegreiflichen, unbegrenzten Strahlen schein und der gewaltigen Elegie seines mythischen Todes. Moses ist zu einem Symbol geworden, er ist das Bindeglied zwischen Niederung und Höhe, zwischen Erdensehnen und göttlichem Ideal. Auch was als Menschliches bei ihm hervortritt, seine Rechtsliebe und sein Mitleid, seine Milde und Bescheidenheit, sein Jähzorn und Ungestüm, hat keine vertrauten, psychologisch deutbaren Formen, sondern erscheint übermässig: als ein elementares seelisches Phänomen. Bei allen Einwirkungen und Ursachen tritt er in bedingungsloser Phänomenalität hervor, und die Wunder und Wunderwerke sind wie eine natürliche Emanation seiner gotterfüllten Persönlichkeit Seine Worte sind wie Donnergetön, seine Leidenschaft wie Sturmgebraus, sein Antlitz wie Sonnenlicht, und er selbst wie ein Berg. Aber die Theologie hat ihn verwässert. Sie machte aus dem Wunderbaren kleine Wunder, aus dem Er-

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