Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Eine Kundgebung in Smyrna
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 201 - 202 (sequence 2)
- Language
- German
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201 Mitteilungen der Allianee. Israelite Universelle: Eine Kundgebung in Smvrml. 202 schallender Stimme: „Wenn Sie dem Central- Comite schreiben, bitten wir Sie, ihm erneut von den Gefühlen der Dankbarkeit zu melden, die der Verwaltungsrat der Israeliten von Smyrna der Allianee gegenüber empfindet." Selbstverständlich wurde nach diesen einmütigen Kundgebungen der Bevölkerung der Verwaltüngsrat in seiner seitherigen Zusammensetzung wiedergewählt. — Niemals hat man in §myrna eine ähnliche Kundgebung gesehen. Es war im Gegenteil weit eher Brauch, dass man sich über den Rücktritt eines Verwaltungsrats freute in der oft getäuschten Hoffnung, es werde ein fähigerer an seine Stelle treten. Hundertjahrfeier des ttadischen Oberrats der Israeliten, Am 13. Januar, dem Tage hundertjährigen Bestehens des Grossherzoglich Badischen Oberrats der Israeliten, ging nachstehendes Telegramm nach Karlsruhe: „Durch hundert Jahre hat der Badische Oberrat zum Besten der Glaubensgenossen segensreich und vielfach vorbildlich gewirkt. Wir bringen ihm am heutigen Gedenktage in voller Würdigung und Anerkennung die herzlichsten Glückwünsche für weiteres gedeihliches Schaffen dar. Die Deutsche Conferenz- Gemeinschaft der Allianee Israelite Universeile. Der Präsident Der Geschäftsführer Ludwig Max Goldberger. M. A. Klausner." Hierauf ist folgendes Schreiben bei dem Deutschen Bureau in.Berlin eingegangen: „Karlsruhe, 25. Januar 1909. Für die aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Oberratsorganisation uns gewidmeten Worte der Anerkennung und Beglückwünschung beehren wir uns herzlichsten Dank auszusprechen. Wir erwidern dieselben mit den besten Wünschen für die Erhaltung und Mehrung des alten und wohlbegründeten Ruhmes der Allianee Israelite Universelle. Der Ministerialkommissär Becherer." Marokkanische Justiz. Aus Marrakesch, 11. Januar, schreibt der dortige Vertieter der Allianee, Herr S. Falcon: Am vorigen Donnerstag hielt sich ein armer jüdischer Hausierer in der Kasbah auf. Gerade applizierten Soldaten einem jungen Sklaven des Pascha Hussein, Bruders von Glaui, der beschuldigt war, seinem Herrn einen Ring gestohlen zu haben, die Bastonade. Plötzlich bat der Neger, dass man die Züchtigung einstelle. Er zeigte mit dem Finger auf den unglücklichen Joden und sagte: „Diesem Juden habe ich den Ring für 5 Pesetas verkauft." Ohne jede Art prozessualen Verfahrens wurde der Jude an Stelle des Sklaven gebracht. Man gab ihm fast 800 Stockschläge; den Misshandelten steckte man ins Gefängnis und legte ihn in Ketten. Sobald ich von dem Vorkommnis gehört hatte, begab ich mich zum Grosswesir. Er war im Begriff, sich zum Gebet zu begeben, und bat mich deshalb, anderen Tags wiederzukehren. Ich liess ihn wissen, dass es sich um einen dringlichen Fall handele und dass ich ihn bäte, mich auf der Stelle zu empfangen. Ich wurde vorgelassen und setzte dem Minister die Ursache meines Kommens auseinander. Entrüstet schickte er seinen Caid zu seinem Bruder, um ihn wissen zu lassen, yie sehr seine Art, Justiz zu üben, ihm missfalle, und ihm sofortige Freilassung des Juden anzuempfehlen. — Eine Stunde später war der Unglückliche bei mir, sich für meine Intervention zu bedanken. * .;. * Brandunglück in Konstantinopel-Galata. Aus Konstantinopel wird uns berichtet, dass in Galata am 14. Februar ein Brand stattgefunden hat, dem zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind, hauptsächlich russische Juden, auch Frauen und Kinder. Die einen kamen in den Flammen um, andere zogen sich tötliche Verletzungen zu, indem sie aus den Fenstern sprangen. Die Zahl der Verunglückten wird auf zwanzig angegeben. Bleicherode. Aus Bleicherode erhalten wir von Herrn Lehrer L. Stein folgenden Bericht: „Am 31. Januar hat Herr Prediger Meyer aus Eisenach einen Vortrag über die Ziele und Bestrebungen der Allianee Israelite Universelle gehalten. Von der Entstehungsgeschichte dieser grossen Institution ausgehend, wies er nach, dass die Allianee nicht blos eine gute und hervorragende, sondern eine überaus notwendige Einrichtung ist, dass, wäre sie nicht vorhanden, sie heute gegründet werden müsste. Denn die traurige soziale, politische und geistige Not, in der sich noch Tausende unserer Glaubensgenossen befinden, erfordert die Vereinigung aller Kräfte in allen Ländern. Nur dadurch wird es möglich, etwas grosses zu erreichen und nennenswerte Erfolge zu erzielen. Hat doch gerade in den letzten Jahren die A. I. U. durch ihr energisches Eingreifen und vermöge ihres Ansehens manches Unheil verhütet oder gemildert. — Durch ihre vorzüglich geleiteten Schulen ermöglicht sie vielen Juden des Orients, sich eine menschenwürdige Existenz zu schaffen. — Den fast iy2 stündigen Ausführungen des Eedners folgten die Hörer mit grosstem Interesse. Fast alle Mitglieder der hiesigen Gemeinde erklärten ihren Beitritt zu der A. I. U. Die Gemeinde als solche ist schon seit mehreren Jahren Mitglied der Allianee'1. # # Spenden. Wir erhielten u. A. folgende Spenden: D. A. I. U. in Vohenstrauss 60 Mk. und Leviticus Berlin 10 Mk., über die wir, da wir die Absender nicht kennen, an dieser Stelle quittieren müssen. * * * Neue immerwährende Mitglieder. Berlin. Die lebenslängliche Mitgliedschaft der A. I. U. hat Herr Justizrat Schachian, Hinter der katholischen Kirche 1, erworben. Ebenso Herr Baumeister Leo Nauenberg, Berlin, Französischeste. 55.