Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Die Juden in Argentinien
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 199 - 200 (sequence 2)
- Language
- German
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199 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Juden in Argentinien. 200 Leute, die einander Tag für Tag an der Börse und in den Banken begegnen, zu beiderseitigem Erstaunen sich in der Synagoge zusammenfinden und dort erkennen, dass sie desselben Glaubens sind. Der Getreidehandel, der unsern Hauptreichtum ausmacht, liegt fasst ausschliesslich in jüdischen Händen und zieht jährlich Millionen Pesos ins Land. An der Getreidebörse, in den Banken, beim Import bilden die Juden die Mehrheit. In diesen Tagen wird das jüdische Neujahrsfest gefeiert. Die Bekenner des Judentums haben in Argentinien das gelobte Land gefunden, in dem sie ihre glänzenden Rasseeigenschaften verwerten können. Hier sind sie nach kurzer Zeit in leitende Stellungen gekommen, widmen sie sich dem Ackerbau, der Viehzucht, dem Handel, den schönen Künsten, und glänzender Erfolg ist ihr Lohn, den die argentinische Republik allen erteilt, die /arbeitswillig und arbeitskräftig sind. Gerade an diesem Festtage möchten wir aussprechen, dass unser Land seine Häfen der jüdischen Einwanderung mehr und mehr öffnen sollte ohne Furcht vor manchen Eigenarten. Denn die Einwanderer schliessen sich unserer Nationalität an, gehen in dieser auf und bewähren sich als nützliche Mitbürger. Gebt den russischen Juden Freiheit, gebt ihnen Gelegenheit, sich den Erwerbszweig zu suchen, der ihnen zusagt, und sie werden Männer sein, wie die 80 000, die bereits unter uns wohnen." (üebersetzt von Max Herzberg.) EINE KUNDGEB Herr D. Nabon, Direktor der Allianceschulen in Smyrna, hat an den Präsidenten des Central- Comites folgenden Bericht geschickt: „Smyrna, 4. Februar 1909. Herr Präsident! Ich glaube, es wird für Sie von Interesse sein, wenn ich Ihnen einige Worte über eine ebenso grossartige wie in ihrer Art neue Kundgebung sage, die von dem Mittelstand der Israeliten von Smyrna veranstaltet worden ist* Seit ungefähr 3 Monaten arbeitet eine aus 7 von dem Verwaltungsrat der Gemeinde ernannten Mitgliedern bestehende Kommission, zu der auch ich gehöre, an dem Entwurf eines neuen organischen Reglements, das besser als das frühere mit dem neuen politischen Regime unseres Landes in Uebereinstimmung ist. Es handelt sich um den Wahlmodus und um die Befugnisse des Verwaltungsrats, dem alle Geschäfte der Gemeinde unterstehen, um die Wahl des Grossrabbis und des Bet din (Gerichtshofs) und ihrer Befugnisse, um die Organisation der verschiedenen Wohlfahttsinstitute (Krankenhaus, Annenunterstützung, Unterricht skommission usw.), um die Feststellung des Gemeindebudgets und der von Gemeindewegen den verschiedenen Anstalten von öffentlichem Interesse zu gewährenden Zuschüsse. Nachdem wir das Reglement entworfen hatten, mussten wir es dem Rat der Notablen, der diesmal etwa 100 Mitglieder umfasste, zur Eiörterung und zur Gutheissung unterbreiten. Man war übereingekommen, dass bei dem ersten Zusammentreten des Rats der Notablen der aus 10 Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat wiedergewählt werden sollte. Der gegenwärtige Verwaltun&rsrat ist derselbe, der auf die von dem Central-Comite entsandte, aus den Herren Professor Israel Levi und Dr. Porges bestehende Scbul- Inspektions - Kommission einen so vorzüglichen WG IN SMYRNA. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Eindruck gemacht hat, und der zum überwiegenden Teil aus ehemaligen Zöglingen der Allianceschule besteht. Er hat die Geschäfte der Gemeinde geleitet und hat sich so sehr auf der Höhe seiner Aufgabe gezeigt, dass die israelitische Bevölkerung fast einmütig seine Bestätigung wünschte. Zu dem Zweck wurde eine Massenkundgebung organisiert. Tausende von Israeliten, Fahnen voran, geleiteten im Triumph den gegenwärtigen Verwaltungsrat zu dem Saal, wo die Wahlen stattfinden sollten. Zahlreiche Redner sprachen auf verschiedenen Plätzen der Stadt, die Wiederwahl des Verwaltungsrats fordernd. Ueberall hörte man den Ruf: „Hoch unser Verwaltungsrat!" abwechselnd mit dem Ruf: „Hoch die Alliance Israelite!" Als die Manifestanten zu unseren Schulgebäuden kamen, machten sie freiwillig Halt. Herr Abuaf, Mitglied des Vereins ehemaliger Alliancezöglinge, nahm das Wort, um an alles das zu erinnern, was die israelitische Bevölkerung von Smyrna der Alliance und dem gegenwärtigen Verwaltung srat der Gemeinde schuldet, der in gewissem Sinne ein Sprössling der Alliance ist. Dank der Alliance sei die israelitische Bevölkerung von Smyrna imstande, die Wohltaten der Freiheit zu würdigen und zu nützen, die uns jetzt verliehen worden ist. Von allen Seiten ertönte hierauf der Ruf: „Hoch die Alliance!" der immer wieder neu erklang. — Ich hielt es für meine Pflicht, mit einigen Worten in Ihrem Namen und in meinem — man hat die Freundlichkeit gehabt, die Ihnen gezollte Würdigung auch auf mich auszudehnen — der Menge für ihre wohlwollenden Gefühle zu danken. Man forderte mir das Versprechen ab, Ihnen Bericht zu erstatten, und dieser Verpflichtung bin ich jetzt nachgekommen. Herr Tarixka — das Mitglied des Verwaltungsrats, der Herrn Rabbiner Israel Levi gesagt hat, er bedauere, seine Studien nicht in einer Allianceschule gemacht zu haben, — hielt den Zug der Manifestanten einen Augenblick auf und rief mit