Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Die sechste Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 191 - 192 (sequence 3)
- Language
- German
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191 Mitteilungen der Alliance Israeiite Universelle: Die sechste Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft etc.. 192 Das Central - Comite hat diesem Beschluss stattgegeben. Es ist Ihnen von der vorigen Tagung her bekannt, dass schon früher der diesseitige Wunsch zur Erfüllung gebracht worden wäre, wenn nicht ein plötzlich gesteigerter Bedarf an Lehrkräften dazu gezwungen hätte, alle Absolventen der Ecole Normale ohne Verzug in Lehrerstellen zu entsenden. Auch im vergangenen Jahr war der Bedarf dringend und gross. Immerhin konnte mit der Erfüllung des diesseitigen Wunsches ein Anfang gemacht werden. Eine Anzahl Absolventen der Ecole Normale ist am 15. Juli v. J. nach Bonn geschickt worden, um dort während eines dreimonatigen Aufenthalts sich in der Kenntnis der deutschen Sprache zu vervollkommnen. Wir hatten Bonn in Vorschlag gebracht, weil es von Paris nicht zu weit entfernt ist, weil es gesund und wohlgelegen ist, und weil uns in Bonn ein gewissenhafter, der orthodoxen Richtung angehörender Pädagoge zur Beaufsichtigung der jungen Leute empfohlen war. Nach den uns vorliegenden Berichten haben die jungen Leute ihren Aufenthalt in Bonn vortrefflich genützt, haben sie in der deutschen Sprache ausgezeichnete Fortschritte gemacht. Ein fünfter Beschluss der fünftenTagung ging dahin, es möchte das Central-Comite zweimal im Jahre Sitzungen anberaumen mit besonderer Berücksichtigung der auswärtigen Mitglieder, und für diese Sitzungen die Tagesordnung so einrichten, dass die zu behandelnden Gegenstände eine Teilnahme der auswärtigen Mitglieder an den Sitzungen rechtfertigen. Zu diesen Sitzungen möchte das Central-Comite zeitig einladen, so dass die Mitglieder die Möglichkeit haben, entsprechende Eeisedispositionen zu treffen. Dieser unser Wunsch hat in Paris freundlichstes Entgegenkommen gefunden. Ein sechster Wunsch der fünften Tagung ging dahin, das Central-Comite möchte bei Abfassung des beabsichtigten Jubiläumswerkes der Entwicklung der Alliance in Deutschland besondere Aufmerksamkeit widmen und zu diesem Zweck geeignete Hilfskräfte heranziehen. Wir haben besonders die Bitte ausgesprochen, dass uns der Abschnitt des Jubiläumswerkes, der Deutschland bespricht, rechtzeitig übermittelt werde, damit wir etwaige Aenderungen oder Erweiterungen noch wirksam in Vorschlag bringen könnten. Dieser Bitte wird stattgegeben werden j Ekfsiebenter Beschluss der fünften Tagung betraf die Berichterstattung aus Kussland. Die erforderlichen Massnahmen sind getroffen. Endlich hat im achten Beschluss die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft in der vorigen Tagung sich noch dahin geäussert: Die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der A. I. U. hält daran fest, unter Wahrung ihrer Selbstständigkeit mit allen jüdischen Hilfsorganisationen in Deutschland in freundlichem Einvernehmen zu bleiben. Sie beauftragt ihr Präsidium, für die angemessene Fortführung bereits bestehender oder die Anbahnung neuer Zusammenarbeit mit jenen Organisationen die erforderlichen Verabredungen zu treffen, und ermächtigt ihr Präsidium, die hierbei nötigen Massnahmen namens der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft anzuordnen. So viel an uns lag, sind wir mit allen Organisationen und Korporationen in freundlichstem Einvernehmen geblieben, zeigten wir uns nach jeder Seite freundwillig und hilfreich. In Gemeinschaft mit der Jüdischen Gemeinde Berlin und mit dem Hilfsverein besorgen wir unter der ausgezeichneten Leitung des Herrn Justizrat Lachmann unverändert die Arbeiten an der Abfertigungsstelle für durch- und rückwandernde russische Juden. Die Fürsorge für die polizeilich ausgewiesenen fremdbürtigen Glaubensgenossen liegt fast ausschliesslich uns ob. Mit der Grossloge U. 0. B. B. und ihrem vortrefflichen Präsidenten Herrn Justizrat Timendorfer sind wir fortgesetzt in freundlichstem Verkehr geblieben. Immer mehr Logen sind korporativ der Alliance Israeiite Universelle beigetreten. Das Conto Trio ist aufgelöst worden; es hat in der Hauptsache am 1. April v. J., endgiltig am 1. Oktober v. J. aufgehört. Die Erwägungen, die das Central-Comite mit der I. C. A. zur Kündigung bestimmen mussten, sind bekannt. Hier möchte wohl der Anlass sein, zwei neue Kombinationen zu erwähnen. Die erste Kombination, deren Urheber zu Besprechungen im März und September des Vorjahres eingeladen hatten, beabsichtigte, „unter Beteiligung der massgebenden Vertreter der Judenheit eine neue zeitgemässe Organisation ins Leben zu rufen, die sich in erster Linie mit der planmässigen Kolonisation der Juden und den damit zusammenhängenden Angelegenheiten befassen soll." Die A. I. U. und, wie ich hinzufügen kann, auch die I. C. A. sprachen für den Plan ihr Wohlwollen aus, lehnten aber ab, an seiner Ausführung teilzunehmen. Die betreffende Eesolution des Central- Comit6 lautete: ,,L'Alliance Israeiite Universelle ne peut que voir favorablement la fondation de soci&es destinees ä faciliter Petablissement et l'activite öconomique des Israelites de l'Orient äl'etranger; eile entend, d'ailleurs, n'y prendre aucune part et n'encourir de ce chef aucune responsabilite." Die zweite Kombination betrifft die Ausgestaltung einer Anregung, die Herr Jacob H. S chiff- New York Anfang vorigen Jahres während seines Aufenthalts in Deutschland gegeben hat und an der noch unser unvergesslicher Freund Hallgarten innigen Anteil nahm. Auf Grund dieser Anregung, die den Zweck hatte, den grossen jüdischen Hilfsorganisationen im Bedarfsfalle schleuniges gemeinsames Vorgehen zu ermöglichen, beschloss der Verwaltungsrat der I. C. A., was folgt: