Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Zimmerbrunnen (Fragment) [Illustration]
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 147 - 148 (sequence 1)
- Language
- German
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U7 148 RUDOLF MARCUSE. Von M. Raps über. Nachdruck verboten. Die Enthüllung des Moses Mendelssohn-Denkmals in Berlin hat selbstverständlich die Aufmerksamkeit auch auf den Künstler gelenkt, der die Ehre hatte, das verehrungswürdige Haupt des großen Aufklärers, Denkers und Menschen nach überlieferten Bildnissen von neuem zu formen. Aber man denke nicht, daß Rudolf Marcuse, weil er unter den jüngeren Berliner Bildhauern als Stolz Israels bekannt ist, den Auftrag ohne weiteres erhalten hätte. In so bescheidener Form das Denkmal auch geplant war, wurde doch ein Wettbewerb gefordert, und hier schritt Marcuse, wie vorauszusehen war, als Sieger hervor. Marcuse bildete eine echt monumentale Marmorherme mit seitlich verstärktem Postament; er dachte sich die Seitenpfeiler durch lebendigen Pflanzenschmuck oder Immergrün betont; diese natürliche Dekoration sollte gewissermaßen denMendelssohn-Kultus in Berlin symbolisieren. Schließlich ist aber das eigenartige Postament von maßgebender Seite weiter vereinfacht worden, und der vom Künstler modellierte lebensprühende Kopf mußte nach der Mendelssohn- Büste des zopfigen Berliner Hofbildhauers Tassaert umgemodelt werden. Nun frage ich aber: Wozu überhaupt der Wettbewerb? Jene Büste von Tassaert hat wohl eine gewisse historische Berühmtheit, aber heutzutage mutet sie uns merkwürdig leer und seelenlos an, nicht wie das Abbild eines lebendigen Menschen, sondern eher wie eine Maske, die hart an die Karikatur streift. Kein Rudolf Marcuse Wunder also, daß das Mendelssohn-Denkmal unter den Kindern der Muse von Marcuse den Rang eines Stiefkindes einnimmt und den Biographen daher auch nicht sonderlich zur Betrachtung einladet. Rudolf Marcuse ist seit einigen Jahren in den Vordergrund der Berliner Plastik getreten. Sein markantes Talent führte ihn von Anbeginn von Erfolg zu Erfolg, und insonderheit haben seine Bronzen weite Verbreitung gefunden. Außerordentlich kennzeichnend ist sein allererster Erfolg, den er als junger Akademieschüler, erst 19 Jahre zählend, errang. Am 15. Januar 1878 in Berlin geboren, besuchte er das Askanische Gymnasium und begann 1895 seine Studien an der Berliner Akademie. Im Zoologischen Garten modellierte er 1897 ahnungslos einen brünstigen Elefanten. Der berühmte Zoologe Geheimrat Moebius bekam, die kleine Arbeit zu sehen und äußerte sich voller Entzücken über die frappante Plastik, die besonders in der Bewegung sehr glücklich und naturgemäß geraten war. Geheimrat Moebius eignete sich das Elefäntchen für das Naturhistorische Museum an, wo es als Vorbild für echt natürliche und wissenschaftlich exakte Auffassung beim Ausstopfen dienen sollte. Es berührt einigermaßen verwunderlich, daß auch die Elefanten dem Ausstopfen nicht entgehen, aber die Wissenschaft besteht nun einmal darauf und, wie man sieht, auch auf einer gewissen Grazie bei diesem Geschäft. Marcuse hatte nämlich seinem Erstlings-Baby ein gut Teil von der ihm