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Ost und West · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 131 - 132

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Alliance-Mädchenschule in Bagdad [Nachricht]
Date
1909-02-01
Page
Seite 131 - 132 (sequence 1)
Language
German
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131 Mitteilungen der Ailiance Israelite Universelle. .132 Ailiance - Mädchenschule in Bagdad. Herr Kadoorie aus Hong-Kong hat der Ailiance Israe ite Universelle 75000 Fr. zum Bau einer Mädchenschule in Bagdad zur Verfügung gestellt. Da zur Erwerbung der Grundstücke fast die g*aze hochherzige Spende nötig war, hat das Central - Comite 50000 Fr. zur Ausführung des Baues bewilligt. Die Allianceschulen und die Lage in Marokko. Das Central-Comite hat durch Herrn Faicon in Marokko erfahren, dass der Grosswesir des Sultans Mulay Hand infolge eines neuerlichen Schreibens, das ihm von der Ailiance zugegangen ist, versprochen hat, bei seinem Herrn die erforderlichen Schritte zu tun, um die Wiedereröffnung der Schulen in Fez zu erlangen. Bei einer anderen Gelegenheit hat der Grosswesir sich sehr beeifert, sein Wohlwollen gegenüber der jadischen Bevölkerung kundzutun. Der Gouverneur von Tarudant, der bis dahin die Israeliten seiner Stadt rücksichtsvoll behandelt hatte, war von einem gewissen Mziud getäuscht worden, der vom Maghsen zur Eintragung der Grundstücke abgesandt war. Dieser hatte von den Bewohnern des Mellah ungeheuerliche Steuern erhoben und bedrohte sie sogar mit Vertreibung, war auch dahin gelangt, die Araber gegen die Israeliten aufzustacheln. Sobald der Grosswesir von diesen Missständen erfahren hatte, gab er dem Kaid von Tarudant Befehl, die Treibereien mit Energie zu unterdrücken. Er verbot ihm, den Israeliten Spezialsteuern aufzuerlegen, und schärfte ihm ein, das Besitztum der Israeliten zu respektieren. Die Reiter, die die Befehle nach Tarudant überbrachten, erhielten den Auftrag, Mziud als Gefangenen nach Marrakesch zu bringen. Denkstein - Enthüllung. Am 6. Dezember 1907 ist in Berlin Herr Leiser Hamburg aus Wilna gestorben, der schon Jahre zuvor sein Vermögen der Ailiance Israelite Universelle übergeben hatte, damit es nach seinem Tode statutenmässige Verwendung finde. Die Ailiance hat ihrem treuen Freunde nach üblicher Frist einen Denkstein setzen lassen, der am 17. Januar d. J. im Beisein der Hinterbliebenen und einer Abordnung des Deutschen Bureaus und des Lokal - Comites Berlin enthüllt wurde. Aus der eindrucksvollen Gedenkrede des Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher gehen wir nachstehenden Auszug: „Wir haben uns hier versammelt in dankbarer Erinnerung an das werktätige Interesse, das der Verstorbene für die Ailiance durch das Vermächtnis eines namhaften Betrages für ihre Ziele und Aufgaben bekundet hat. Diese Ziele sind weit gesteckt, die Aufgaben gross, die Anforderungen, die an die Ailiance herantreten, wachsen immer mehr; daher ist sie ausser auf die Beiträge ihrer Mitglieder noch auf die freiwilligen Unterstützungen ihrer Freunde und auf grössere Zuwendungen in ietztwiiligen Vermächtnissen angewiesen. Das Vermächtnis des Verstorbenen erhält seinen weiteren Wert noch durch die Anerkennung, die darin für die Wirksamkeit der Ailiance ausgesprochen ist. Sie hat von vornherein es als ihre Aufgabe betrachtet, den Juden in den Ländern, in denen es an geeigneten Bildungsanstalten fehlt, insbesondere im Orient, den Weg zur modernen Kultur zu erschliessen und sie mit dem Wissen auzzustatten, das heutigen Tages für das Vorwärtskommen und die Erreichung einer befriedigenden Lebensteliuog unerlässlich ist. Dieser Aufgabe zu entsprechen, hat sie allmählich in verschiedenen Ländern 144 Schulen gegründet, ein Werk, das einen ganz besondern Ruhmestitel für sie bildet. Den Wert und die Bedeutung dieses grossen Werkes hat der Verstorbene aus seinen eigenen Erfahrungen heraus erfasst. Ein Kind Wiinas, einer Stadt regen jüdischen Lebens und vielfacher geistiger Tätigkeit, der Sprosse eines alten Rabbinergeschlechts, durch seinen langjährigen Aufenthalt in Deutschland von dessen Bildung erfüllt und selbst lange Zeit als Lehrer tätig, hat er es erkannt, wie gross die Wohltat ist, welche den Armen und den Stätten moderner Bildung Fernstehenden die Wege zu ihr öffnet, sie mit der grossen Kulturwelt in Verbindung Dringt und sie zu fruchtbarer Arbeit innerhalb wie ausserhalb ihrer Heimat befähigt. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde der Verstorbene früher schon ein warmer Anhänger und Freund der AlliaDce, und aus ihr heraus hat er in seiner letztwilligen Verfügung ihr die Ergebnisse seiner eigenen Arbeit zugewandt. Seine Bestimmung, aus Liebe zu seinen armen Glaubensgenossen hervorgegangen und vertrauensvoll unserm grossen israelitischen Weltbunde übergeben, wird treu in seinem Sinne ihre Ausführung und Verwendung finden. Möge sie segensreich wirken. Der Name des edlen Spenders werde dankbar an dieser Stätte genannt, und in ehrenvoller Erinnerung wird er in den Büchern der Ailiance weiterleben. Er selbst ruhe im Frieden und seine Seele sei eingeschlossen in dem Bunde der Ewiglebenden.u Frankfurt a. M. Im Laufe des Jahres 1908 sind bei dem hiesigen Lokal-Comite folgende Spenden eingegangen: Von Frau Lincoln Menny Oppenheimer zum Andenken an ihren sei. Gatten 50 Mk.; N. N.. Metz, für rumänische Arme 30 Mk.; Frau Sie gm und Una zum 25. April 100 Mk.; Herr Heinrich Bauer zum 2. Mai 1908 50 Mk.; Herr Amtsrichter Dr. Felix Rothschild einmaliger Beitrag 20 Mk.; von den Hinterbliebenen des verewigten Herrn Leopold Hch. Kaufmann zum ehrenden Andenken des geliebten Gatten und Vaters 50 Mk.; von den Hinterbliebenen des verewigten Herrn Charles L. Hallgarten 5000 Mk.; Frau Julius Bonn zum 29. Mai 20 Mk.; Geschenk des Herrn N. N. 10 Mk.; Spende des Herrn Eduard Cohen 500 Mk.; Spende des Herrn Ludwig Mayer 10 Mk.; Herr Samuel Neu zur Erinnerung an den sei. Herrn Elias Neu 20 Mk.; Herr Henry Seligman anlässlich seines 80. Geburtstages 500 Mk.; vom Unterstützungsausschuss der Frankfurt- Loge 100 Mk.; von den Hinterbliebenen der sei. Frau Leopold Hch. Kaufmann zum Andenken an ihre geliebte Mutter 100 Mk.; Spende des Herrn Hch. Bauer, Bockenheimer Landstr. 55 50 Mk.; Frau Kommerzien* rat J. L. Beer zum Andenken an ihren sei. Gatten 300 Mk.; in Summa 6910 Mk. * * * Coburg. Nachdem fast die ganze hiesige Gemeinde der Ailiance Israelite Universelle beigetreten ist, hat sich auch ein Lokal - Comite gebildet. Vorsitzender wurde Herr Kaufmann Leo Sachs, Schriftführer und Schatzmeister Herr Rentier Jacob Cramer. Herr Prediger Oppenheim, der sich bei der Gewinnung der Mitglieder - grosse Verdienste erworben hat, hat den Vorsitz abgelehnt, weil die vielseitige sonstige Tätigkeit ihm die Uebernahme verbietet.

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