Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Die Israeliten in Mossul
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 127 - 128 (sequence 2)
- Language
- German
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127 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten in Mossul. 128 einen eifrigen und gewissenhaften Lehrer geschickt, der seine Familie verlassen hat, um in diesem Lande zu leben und Eure Kinder zu unterrichten Nützet diese vorteilhafte Gelegenheit, um Euch aus Eurem Elend zu erheben Unterrichtet Eure Kinder in dieser Musterschule und ermahnt sie, wenn Ihr an ihrer Zukunft Interesse nehmt, auf die Ratschläge ihrer Lehrer zu hören. . . Nachdem er den Angestellten der Schule Lobsprüche erteilt und für den ihm bereiteten Empfang gedankt hatte, begab sich der Vali in die Schulklassen und richtete selbst Fragen an die Kinder. In der ersten Klasse sah der Gouverneur die Aufgabenhefte der Zöglinge durch, die er sehr sorgfältig gehalten fand. Er befragte mich eingehend über das Mobiliar und seinen Preis. Er fand Bänke, Tische, Tafeln u s. w. sehr bequem. Danach besichtigte er die übrigen Klassen und war von den Antworten der Schüler sehr befriedigt. Er wollte auch den Stundenplan und die Rechnungsbücher sehen. Er zeigte sich von der in der Anstalt herrschenden Ordnung und von der Lehrmethode ganz entzückt. Der Vali bemängelte, dass der türkische Sprachunterricht, der in allen anderen Schulen obligatorisch ist, in unserem Stundenplan fehlt. Ich erwiderte ihm: „Es hängt nur von Eurer Exzellenz ab, diese Lücke auszufüllen. In unseren Schulen ist es Brauch, einen oder zwei Lehrer der türkischen Sprache sich von der Regierung zuweisen zu lassen." — Der Gouverneur hatte die Liebenswürdigkeit, mir zu versprechen, dass er mit dem nächsten Courier wegen Ueberweisung eines Lehrers des Türkischen nach Konstantinopel schreiben werde. Der Vali besuchte auch Speisesaal und Küche, kostete Brot, Suppe, Gemüse und das Tagesgericht. Bei dem Anblick unseres grossen und wohl eingerichteten Speisesaales erstaunte er, dass ein Kredit von 1000 Francs jährlich uns genüge, um etwa 100 Kinder zu ernähren. Nach der genauen Besichtigung sprach uns der Gouverneur seine lebhafte Befriedigung aus und beglückwünschte herzlich alle Angestellten. Danach kam der Gouverneur in mein Bureau, wo ihm der übliche Kaffee aufgewartet wurde. Er fand auf einem Tisch Pakete mit Taschentüchern, auf denen die Initialen S. P. (Seki Pascha) gezeichnet waren, die wir zur Erinnerung an den Besuch an alle unsere Zöglinge verteilen wollten. Der Vali war für diese Aufmerksamkeit sehr emp fang lieh und wollte uns zeigen, wie dankbar er uns sei, und wie sehr er das Werk der Alliance zu schätzen wisse. Er Hess deshalb alle israelitischen Notabein, die sich im Hof aufhielten, in das Bureau kommen und versicherte sie, dass von allen Schulen in Mossul, die er besichtigt, die unsere zu den besten gehöre. Der Vali vermahnte die Notabein, zu den Kosten der Schule beizutragen, um die Opfer zu verringern, die die Alliance bringt, und ihr zu ermöglichen, die Ersparnisse in anderen israelitischen Bevölkerungs-Zentren im Vilayet zu verwenden, z. B. in Sakho und in Kerkuk. Begeisterte Beifallsrufe begleiteten den Gouverneur bei seiner Abfahrt. Anderen Tags erschien im „Journal Officiell" von Mossul die eben mitgeteilte Rede, die der Gouverneur in unserer Schule gehalten, mit einem langen überaus lobenden Bericht. SIEBZIGSTER GEBURTSTAG. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Herr Hermann Loeb - Stern in Mannheim, dessen Bild wir hierneben bringen, hat am 31. Januar seinen siebzigsten Geburtstag vollendet. In seiner Vaterstadt Mannheim hat er durch Fleiss und Intelligenz und mit strenger Rechtlichkeit sein Geschäft zu hoher Blüte gebracht. Seine Erfahrungen stellte er in den Dienst der Gesamtheit, die er nicht zum wenigsten durch sein versöhnliches Wesen förderte. Er ist Mitglied der israelitischen Gemeindevertretung, war auch viele Jahre stellvertretendes Mitglied der badischen Landessynode. Als Vorsitzender des Hermann Landes-Comites der Alliance Israelite Universelle für das Grossherzogtum Baden und des Lokal - Comites Mannheim hat er sich besondere Verdienste erworben. Der Witwen- und Waisenkasse, dem Verein zur Beschaffung von Brennmaterialien für arme Israeliten und vielen anderen wohltätigen Vereinen wendet er fortgesetzt Sorgfalt zu. Wo es gilt, Not zu lindern, ist Hermann Loeb- Stern an erster Stelle. Möge ihm an der Seite der verehrten Gattin noch langes und gesegnetes Leben blühen, zur Freude seiner Familie und seiner unzähligen Loeb Stern Freunde.