Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 89 - 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Die Geschichte Josefs [Illustration]
Date
1909-02-01
Page
Seite 89 - 90 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
illustration document
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2583875-2583980-2583983-2599161--09037-2599241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

89 90 FRANCESCO UBERTINI. Die Geschichte Josefs. LONDON. DIE JOSEFSGESCHICHTE IN DER BILDENDEN KUNST Von G. Kutna. Nachdruck verboten. IL*) Josef in Aegypten. Zu den von der bildenden Kunst am häufigsten dargestellten Erzählungen der Bibel gehört die Verführung der Frau Potiphars, nicht allein wegen der Pikanterie des Vorwmfs, sondern weil darin ein sehr günstiges kün stielisches Motiv gegeben ist. Das verlangend sich vorneigende Weib und der sich in Unschuld oder Seelenkampf sträubende Jüngling in einem aus freier Phantasie zu gestaltendem Interieur bieten reichliche Möglichkeiten zur Darstellung von Leiblichkeit, Bewegung und Raumstimmung. Wie sehr der ornamentale Gehalt der Gruppe dabei mitwirkt, zeigt sich in der vielfachen Verwendung des Gegenstandes zu Ornamenten im Kunsthandwerk. Auf Fayencetellern, Email 1 ekästchen, Schmuckplatten findet man in allen Sammlungen Beispiele dieser Art, die nicht selten in freier Verzierung durch allerlei Beigaben zu einer gegenständlich indifferenten galanten Szene gestaltet werden. So zeigen Fayeneeteller aus Urbino im South Kensinston Museum und imLouvre einen Putto, der mit Liebesfackeln auf das Paar herabfliegt, *) Siehe „Ost und West" Heft 1. Jahrg. IX. % . wU-:<- 4ivr- ¥ * ^W'-V,-^;'"^ ' ',■**";•*„• "1 $#-V>~ - ~~ 7 * - . > ^Srw ^--v/v. f. V * **> ' ' . ' x W. VAN MIERIS. Josef und die Potiphar. und hinter dem offenen Vorhang des Bettes einen gehörnten alten Mann mit offenem Mund, nackt und phantastisch dastehend. Die Frau ist da meist mit glänzendem Putz angetan, wie sie auch in Miniaturmalereien der Handschriften (Flämische Bibelübersetzung 10043, Hagadah Add. 27210 im Britischen Museum) eine Krone auf dem Haupte trägt, wodurch die bedenkliche Situation eine naive Form annimmt. Ganz köstlich sind die Spielereien, die so aus der Naivität der dekorativen Absicht entstehen. Auf einem (wohl flandrischen) Teppich in der Kathedrale von Vernon, der „Castitas honorata in Josepho'4 illustriert, siizt Josef, mit Schreiben beschäftigt, an einem Tisch mit Büchern, da kommt über den offenen Balkon die Dame in etwas derangierter Toilette barfuss herein und fasst ihn galant dringlich am Gewand. Er will aber nicht gestört sein bei seiner Arbeit und verbittet sich das in schonender Weise. Ueppige Blumenornamente umrahmen die novellistische Formenspielerei. Die vielen Bilder, die den Gegenstand zum Inhalt haben, zeigen nur wenig Eigenart. Maler der Spätrenaissance (Biliverti, Cignani, Allori, M t is ff t£ ^^^i-^^f'-.' k /m ff KARLSRUHE.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.