Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal, Breslau
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 47 - 48 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2583875-2583980-2583982-2599050--08984-2599123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
47 48 RABBINER DR. FERDINAND ROSENTHAL, BRESLAU. (Mit Porträt.) Nachdruck mit Quellenangabe gestattet Im Novemberheft dieses Blattes haben wir bereits kurz gemeldet, dass Herr Rabbiner Dr. F. Rosenthal in Breslau, das verehrte langjährige Mitglied des Central- Comites und der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle, unter allgemeiner Beteiligung, in vollkommener geistiger und körperlicher Frische am 10. November seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hat. Indem wir jetzt das Bild des Jubilars veröffentlichen, wollen wir unserem vorigen Bericht einige Ergänzungen zufügen. Am frühen Morgen begann die Feier mit einem Gesang des Chores der alten Synagoge. Unmittelbar darauf begrüsste den Jubilar die Vertretung der beiden Kultuskommissionen unter Führung des Herrn Stadtrat Marek. Der Vorstand der Gemeinde Hess durch Herrn Stadtrat Pringsheim eine namhafte Ehrengabe und eine Adresse überreichen. Im Namen des Prinzess Luisenheims sprach Pastor Kittner. Er rühmte die Nächstenliebe des Jubilars, die nicht vor den Grenzen des Bekenntnisses stehen bleibe. Das Central-Comite der A. I. U. hat schriftlich seinen Glückwunsch übermittelt. Die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft Hess, wie bereits in voriger Nummer erwähnt wurde, eine Glückwunsch- Adresse überreichen. Viele Vereine überbrachten kunstvolle Adressen und Diplome als Ehrenmitglied. Unter den vielen schriftlichen Glückwünschen war auch ein in warmen Worten gehaltener Glückwunsch des Oberbürgermeisters Dr. Bender-Breslau. Wer Dr. Rosenthal kennt, wer Gelegenheit hatte, seine Friedensliebe, sein liebenswürdiges Wesen zu beobachten, der wird die allseitige Liebe und Verehrung, die der hochgeschätzte Mann geniesst, nur natürlich finden. Sofer) in Pressburg. Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal ^Breslau. Dr. Rosenthal ist in Kenese (Ungarn) geboren. Er entstammt einer bekannten Gelehrtenfamilie, in der Gelehrsamkeit, wahre Gottesfurcht und Wohltätigkeit immer heimisch waren, und die auf ihn in hervorragendem Masse übergingen. Sein Vater zählte zu den Lieblingsschüiern des Rabbi Mose Sofer (Chatham Sein Grossvater, Rabbi Wolf Chajes, Rabbiner in Var- Palota, war eine weit über die Grenzen seines Landes anerkannte Autorität auf talmudischem Gebiet. In seinem Elternhaus und auf den Jeschiboth St. Georgen und Pressburg erwarb sich Dr. Rosenthal gründliche Kenntnisse der talmudischen Literatur. In Eisen Stadt und Wien hat er seine Gymnasial Studien absolviert, und dann 1863—66 an der Universität Berlin Philosophie und Orientalia studiert. Auf Grund seiner Dissertation „Das erste Makkabäerbuch", eine historischkritische Studie, erlangte er 1866 in Leipzig den Doktorgrad. Anfang 1867 kam er als Rabbiner nach Beuthen, O/Schles., wo er bis zu seiner im Jahre 1887 erfolgten Berufung nach Breslau amtierte. Eine ehrenvolle Berufung der Jüdischen Gemeinde Berlin hat Dr. Rosenthal, auf Bitten seiner Gemeinde, die ihren treuen, bewährten und beliebten Seelsorger ungern hätte gehen sehen, abgelehnt. Von seinen grösseren gelehrten Arbeiten sind noch zu erwähnen: „Die Erlasse Casars und die Senats - consulte in Josephus"; „Vier Apokryphische Bücher aus der Zeit und Schule R. Akibas." — Möge seiner Gemeinde und uns seine erfolgreiche Wirksamkeit in ungetrübter Frische erhalten bleiben ad multos annos.