Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ösT^Cesr V ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. lieft 1. Januar 1909. IX. Jahrg. An unsere Leser! Titel und Register zum vorigen Jahrgang sind vorliegenaem Heft beigegeben^ mit dem iter neunte Jahrgang unserer Zeitschrift beginnt Soweit nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden wir das Abonnement der seitherigen Abonnenten als verlängert betrachten. Verlag und Redaktion "von „OST und WEST". DAS JAHR 1908. Von M. A. Klausner. Nachdruck verboten» Wir müssten von aller historischen Kenntnis verlassen sein, wollten wir glauben, dass die Geschichte, die den Fortschritt der Menschheit im Bewusstsein der Freiheit bedeutet, gerade in unserer Zeit das Tempo beschleunigen würde. Unsere Ungeduld kann diesem Fortschritt keine Flügel geben, unser Wille ist nicht imstande, ihn von gewundener Bahn zurückzuhalten und auf ungebrochenen Weg hinzulenken. Nicht Tag und Jahr lässt den Fortschritt erkennen, erst nach einem Zeitabschnitt, der Menschenalter umfasst, vermögen wir zu sagen, ob im Bewusstsein der Freiheit eine Zunahme unseres Besitzes, in der Verwirklichung des Gerechtigkeitsgedankens eine neue Etappe erreicht ist, näher dem Ziele, welches das messianische Ziel ist Die Spanne eines Jahres ist zu kurz, als dass wir auf Grund der von ihm eingeschlossenen Begebnisse mit Sicherheit sagen dürften, uns habe dfe Flut vorwärts getragen oder zurück, es sei ein Umschwung ein* getreten oder blos ein Stillstand, der eine Wiederholung von Schrecknissen unmöglich oder auch nur unwahrscheinlich macht Bei dem Rückblick auf das vergangene Jahr dürfen wir aufatmend sagen: uns ist Schlimmstes erspart geblieben. Schon das ist ein Gewinn, für den wir aus tiefster Seele Dank wissen. Doch grausame Erinnerungen verbieten uns die Zuversicht auf die nächste kommende Zeit, umschleiern unser Auge, das in die Zukunft blickt« Nicht weil unser Vertrauen schwach geworden wäre oder Schwächung zu befürchten hätte, sondern weil wir uns stark halten müssen für alle Möglichkeiten erneuter Heimsuchung. Unsere rückschauende Betrachtung gilt zunächst dem russischen Reich, dem Wohnland der grossen Mehrzahl unserer Glaubensgenossen. Das Oktobermanifest vom Jahre 1905 hat die übertriebenen Erwartungen, mit denen es begrüsst wurde, nicht erfüllt. Unseren russischen Glaubensgenossen war am wenigsten zu verübeln, dass sie von der Einführung einer Repräsentativ-Verfassung für sich den Anbruch einer neuen Aera erwarteten, die ihnen die ersehnten unveräusserlichen und doch