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Ost und West · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 777 - 778

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Die jüdischen Darlehns- und Spar-Vereine in Russland
Date
1908-12-01
Page
Seite 777 - 778 (sequence 4)
Language
German
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777 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die jüdischen Darlelms- und Spar-Vereine in Russland. 778 oder auf 20 Jahre zu 8%. Der Einleger findet schon in dem Büchlein gedruckt vor, dass er mit Zinseszinsen am Verfalltage 224.81 bezw. 464.48 Rubel zurückerhält. Es verdient auch erwähnt zu werden, dass viele Vereine nicht nur einen Teil ihres Gewinnes zu Wohltätigkeitszwecken verwenden, sondern auch die Basis für Kranken- und Sterbekassen und ähnliche Vereinigungen abgeben, die sonst zu schaffen bei den jetzigen Verhältnissen in Russland unmöglich wäre. Ueberhaupt bilden die Vereine, die gewöhnlich nur „die jiddische Bank" oder ganz einfach „die Bank" genannt werden, einen Mittelpunkt, um den sich fast alle jüdischen Bewohner des Ortes schaaren. Sie erkennen meist und finden es bald bestätigt, dass ihr Verein für sie eine Wohltat im besten Sinne des Wortes ausübt, indem er ihnen Darlehen zu Bedingungen bietet, die im Lande als mässig gelten, während sie früher nur zu ungeheuren Zinsen oder überhaupt nicht zu erhalten waren. Die einzigen, die keine Freude an den Vereinen haben, sind die Wucherer, denen sie das Geschäft erschwert, manchmal sogar ganz unmöglich gemacht haben. Mit hoher Befriedigung kann nach den vorstehenden Ausführungen festgestellt werden, dass das Ziel, welches bei Gründung der jüdischen Leih- und Sparvereine in Russland angestrebt wird, von diesen, wenn auch hie und da noch manche Verbesserungen möglich sind, in weitem Umfang erreicht wird. Die Wiedereröffnung der AUiimceschulcn in Marrakesch. Der Präsident des Central-Comites der Alliance Israelite Universelle, Herr Narcisse Leven, hatte am 16. Oktober durch Vermittelung des Herrn Josut1 Corcos, des Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde von Marrakesch, des angesehensten Israeliten im Süden Marokkos, einen Brief an den Grrosswesir des Sultans Mulay Hafid gerichtet, um die Unterstützung dieses Würdenträgers bei der neuerlichen Eröffaung der Allianceschulen in Marrakesch zu erlangen, die infolge der jüngsten Wirren hatten geschlossen werden müssen, und um ferner die Abschaffung von vexatorischen A7erfügungen zu erreichen, die neuerdings gegen die israelitische Bevölkerung in Geltung gesetzt worden waren. Darauf ist an den Präsidenten Leven vom Grosswesir nachstehende Antwort gelangt: „Marrakesch, 20. Oktober 1908. Si Madani Elmezuar El Glaui, Grosswesir Seiner Scherifischen Majestät Mulay Hafid, Sultans von Marokko, an Herrn Xarcisse Leven, Präsidenten der Alliance Israelite Universelle in Paris. Ich habe die Ehre, den Empfang Ihres Schreibens vom 16.d.M. zu bestätigen, das Sie mir durch Vermittelung unseres treuen Freundes Herrn Josue Corcos geschickt haben. Ich habe von allem Kenntnis genommen, was Sie mir geschrieben haben, und mache mir ein grosses Vergnügen daraus, Ihnen zu sagen, dass ich durchaus nicht der Fanatiker bin, als den die europäische Presse mich hinstellt. Ich bin im Gegenteil dafür, tatsächliche und gesetzliche Gleichberechtigung allen Wohlgesinnten zu gewähren, ohne liücksicht aufRasse und Bekenntnis. Sie haben ohne Zweifel mittlerweile erfahren, dass ich sofort nach meiner Rückkehr hierher alle notwendigen Massnahmen getroffen habe,um die vexatorischen Verfügungen zu beseitigen, die in jüngster Zeit gegen die Israeliten verhängt worden waren. Das ist mir auch, Gott sei Dank, vollständig gelungen. Die Israeliten leben in vollkommener Puhe und sind in der Medina (Araberviertel) ebenso sicher und wohlgelitten, wie im eigenen Mellah. Es ist ihnen nicht ferner verwehrt, im Araberviertel wie im Mellah ihre Babuschen (Schlappschuhe) zu tragen und zu Pferde zu steigen. Kurz, alles, was ihnen vordem verboten war, dürfen sie heute in voller Freiheit tun. Wir hoffen, dass sie immer zufrieden sein werden, und bitten den allmächtigen Gott, dass er uns helfe zum Besten Aller. Was die Wiedereröffnung Ihrer Schulen hier betrifft, so dürfen Sie sicher sein, dass ich den Lehrern, die Sie schicken werden, alle Unterstützung gewähren werde, um die Wiedereröffnung zu erleichtern. Die Lehrer, die Sie schicken werden, sollen willkommen sein. Ich muss Ihnen auch sagen, dass ich über das Vorhandensein Ihrer Schulen in unserem Reich sehr glücklich bin, nnd dass ich den den israelitischen Kindern erteilten Unterricht immer bewundert habe. Es ist mir bekannt, dass Ihre Schulen einzig die in- ™ ■mS ^-1 BBb\!$^B: '"v 1 rRÜH ' m ^gffiäs Die Alliance^Schulen in Jerusalem. Schmiedewerkstatt.

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