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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 707 - 708

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Institute der J. C. A. in Russland
Date
1908-11-01
Page
Seite 707 - 708 (sequence 4)
Language
German
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707 Mitteilungen der Alliance lsraelite Universelle: Die Institute der J. C A. in Russland. 708 die aut den reichsten Gütern der Welt erzielt werden; man verwendet nämlich den Mist als Brennmaterial oder als Baumaterial, indem man eine Art Ziegel davon macht, öder man wirft ihn einfach ins Wasser, um ihn los zu werden. In dem Bezirk der schwarzen Erde muss man erst das allgemein verhreitete Vorurteil zerstören, als ob der Duug überflüssig und sogar schädlich wäre. Ich habe den Ackerbauschulen über die anzustellenden Versuche ganz genaue Ratschläge gegeben. Das Funktionieren der Spar- und Darlehnskassen auf Gegenseitigkeit in den Kolonien habe ich ganz besonders bewundert. Sie arbeiten mit erstaunlicher Einfachheit und Billigkeit. Diese ganz neue Einrichtung wird sicher der Ausgangspunkt neuer Vervollkommnungen sein, dank den Erleichterungen, die sie den Kolonisten zur Erlangung von Vorschüssen zu massigem Zinsfuss gewährt — massig gegenüber dem landesüblichen Zinssatz von 12pCt und dem Zinssatz von 20 und 25 pCt, zu dem die Wucherer ausleihen. Nach meiner Ansicht kann man diese kleinen Anstalten gar nicht genug ermutigen. Man sollte ihnen gestatten und ermöglichen, nicht blos kurzfristige Vorschüsse zu geben, sondern auch Darlehen auf 2, 3, 4, 5 Jahre und darüber zu gewähren, wo es sich um dauernde Boden - Ameliorationen handelt, deren Amortisierung Jahre erfordert, wie z. B. bei der Wiederherstellung von Weinbergen, bei Baumanpflanzungen, bei Errichtung von Gehegen, dem Graben von Trinkwasser-Brunnen, dem Bau von Arbeits- und Lagerräumen, wie sie zur Zeit die Tabackspflanzer verlangen, damit sie nicht vollständig in der Gewalt der Grosshändler von Zigarren und Zigaretten sind. Nach allem, was ich auf meiner Eeise gesehen habe, verehrter Herr Präsident, bin ich überzeugt, dass dank der unermüdlichen Tätigkeit der Agronomen, der Unterstützungen der J. C. A. und der von ihr begründeten Institute die landwirtschaftlichen Kolonien und Einrichtungen in Russland den Beweis erbringen werden, dass die Israeliten nicht nur für den Landwirtsehaftsberuf geeignet sind, sondern dass sie bald für die russischen Landwirte als Muster dienen werden. Ein wesentliches Mittel zur Förderung der Landwirtschaft in Eussland wird darin bestehen, dass man die freie Ausdehnung der jüdischen Kolonien im ganzen Eeich begünstigt. Die von der J. C. A in Eussland gebrachten Opfer werden nicht umsonst gebracht sein. Das von ihr begonnene Werk liefert schon jetzt Ergebnisse, die bald auch die der Wahrheit am meisten abgeneigten Kreise überzeugen werden. Das ausserordentlich verdienstliche Werk muss weitergeführt werden; aber man muss mit Vorsicht, mit Methode und ohne Ueberstürzung vorgehen. Das ist meine Ueberzeugung. Gestatten Sie, verehrter Herr Präsident, Ihnen nochmals meine tiefste Verehrung und herzliche Ergebenheit auszusprechen. E. Tisserand. DIE BEISETZUNG DES DR. SALOMON NEUMANN. (Mit Portrait.) Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Am 24. September ist unser Dr. Salomon Neumann auf dem Friedhof in Weissensee unter grosser Teilnahme zur letzten Ruhe bestattet worden. An seinem Sarge hielt nach dem rituellen Gebet Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher die nachstehende Gedächtnisrede: Andächtige Trauer Versammlung I An Jahren und an Ehren, an Arbeiten und an Segren reich, ist Salomon Neumann von hinnen geschieden. So lang sein Leben war, wir haben doch zu sagen, ausserordentlich reich und viel umfassend sind seine Arbeiten und Leistungen, seine Schöpfungen und Anregungen. Nicht meine Aufgabe ist's, sie im einzelnen aufzuzählen und zu würdigen, das werden andere, dazu Berufene tun. Mich drängt es, ein Wort hier auszusprechen, von dem ich weiss, dass es im Sinne des Verstorbenen ist. Es ist ein Wort der Heiligen Schrift. Wenn sie vom Sterben guter, gottbegnadeter Menschen spricht, dann sagt sie: ywi vn? bx sp»»i „Er verschied und ging ein zu seinen Vätern.u Das ist ein Wort, das auf die Vergangenheit wie auf die Zukunft weist, auf diese wie auf jene Welt. Es ist ein Wort der Hoffnung und der Erinnerung. Es ist ein Wort der Hoffnung: wir glauben, dass, wenn wir jetzt die irdischen Reste des Verstorbenen zur Ruhe des Grabes bringen, sein Geist sich erhebt in lichte Höhen, zu weilen im Schatten des Allmächtigen, sich zu vereinen mit den Lieben und Teuren, die ihm voraufgegangen sind. Und es ist ein Wort der Erinnerung. Denn es weist zurück auf den Ursprung, von dem er ausgegangen ist, auf diejenigen, denen er angehört hat mit Leib und Seele: auf seine Väter. Er hat ihrer stets in dankbarer Erinnerung gedacht. Und wie er ein treuer, aufrechter, selbstbewusster Jude war, so hat er mit Stolz geblickt auf seine Väter, deren er eine lange Reihe aufzählen konnte. Sein Ahne, einst in schweren Zeiten aus Mähren vertrieben, hatte in Pyritz eine neue Heimat gefunden, und dort hatten seine Angehörigen 200 Jahre lang gewohnt, bis sie hier sich niederliessen. Er wusste viel davon zu erzählen, wie sie standhaft und ungebeugt ihren Glauben stets bekannt und in allen Unbilden, Schwierigkeiten und Kämpfen, denen sie ausgesetzt waren, sich tapfer und ehrenhaft aufrecht erhalten und als wackere, tüchtige Männer vorwärts gestrebt hatten. Seine Abkunft von ihnen betrachtete er wie einen Adel. War es auch kein Adel der Ehren und Würden, der Auszeichnungen und Bevorzugungen, kein Adel, den man wie ein Schmuckstück trägt, so war es dafür ein Adel des Geistes und der Tugenden, ein Adel, der aus der Erinnerung an solche Männer verpflichtet, ihre Namen in Ehren zu halten, ihre "Wege weiter zu gehen, ihre Hoffnungen zu erfüllen und allem Guten in ihnen treu zu bleiben. Diese Verpflichtung hat er erfüllt, und mit besonderer Befriedigung pflegte er von seinem Vater zu erzählen, wie dieser, als er selbst schon ein Mann geworden war, mit Stolz auf ihn blickte, seinen Geist und sein Herz, sein Leben und sein Tun freudig anerkannte.

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