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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 703 - 704

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Institute der J. C. A. in Russland
Date
1908-11-01
Page
Seite 703 - 704 (sequence 2)
Language
German
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703 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Institute der J. C. A. in Russland. 704 poltavka, sowie die zahlreichen Spar- und Darlehnskassen inspiziert, die während der jüngsten Zeit in den von mir besuchten Ortschaften eingerichtet worden sind. Ich behalte mir vor, Ihnen Einzelbericht über alles zu schicken, was ich gesehen habe, über die Verbesserungen, die ich konstatieren konnte und die zur Fortsetzung des angefangenen Werkes noch einzuführen sind. Doch möchte ich ohne Verzug den Eindruck melden, den ich auf meiner Eeise erhalten habe. Dieser Eindruck war im ganzen gut. Das Ameliorationswerk ist durchweg gut geführt, das landwirtschaftliche Personal ist einsichtig, fähig, eifrier. Herr Oettinger, der an der Spitze der Pflanzschule in Soroki steht, verdient besonders rühmende Erwähnung. Ich habe mit Freude wahrgenommen, dass in den Schulen wie in den Kolonien der Landwirtschaftsbetrieb der Gegenstand bedeutender Vervollkommnungen gewesen ist. Man beginnt die Nützlichkeit guter, tiefer Beackerung und gründlicher Entstoppelung einzusehen. Die Aussaat ist besser ausgesucht. Ich habe in Dombroveni einen Kolonisten gefunden, der sich in dieser Hinsicht auszeichnete, indem er höchste Sorgfalt darauf verwandte, Saatkorn und Gartensetzlinge zu erzeugen. Die Wiederherstellung eines im Besitz von 76 Familien befindlichen Weinbergs von über 120 Hektar bei Kesina (Bessarabien) lässt nichts zu wünschen übrig. Den Besitzern hat man einen mit 5pCt. verzinslichen Vorschuss von 14000 Kbl. gegeben. Die Wiederherstellung ist besser auch in Frankreich noch nie erzielt worden. Die Kosten beliefen sich im Durchschnitt auf 1600 Francs per Hektar, und vom 3. Jahre an hat man einen Nettoertrag von 4—5U0 Fr. per Hektar erzielt. Im ersten Jahr war der Nettoertrag über 1500 Fr. per Hektar gestiegen. Damit haben die Kolonisten ein Vermögen erworben. Die Traube wird als Speisetraube zur Kur für schwächliche Personen verkauft. Sie gehört zu unseren besten Chasselas-Arten. Die Anpflanzung geschieht in Eeihen, auf Eisendrähten, wie in den besten französischen Weinbergen. Der Boden wird fortgesetzt darauf bearbeitet, dass aLles Unkraut entfernt und die Scholle frisch erhalten wird. Die erzielten vortrefflichen Ergebnisse sind ein schlagender Beweis für die Vorteile, die Tiefpflügung und Säuberung des Bodens bieten. Uebrigens ist die Wirkung des guten und tiefen Pflügens vor dem Winter, die ich immer gepredigt habe, gleichmässig in allen Kolonien, in der von Dombroveni, ebenso wie in denen von Soroki, Novopoltavka usw., erkannt worden. Das ist ein Erfolg. Denn vor acht Jahren leugnete man Nutzen und Wirksamkeit der Bodensäuberung und des Tiefpflügens. Jetzt muss man einen Schritt weiter gehn, indem mau die Cerealien reihenweise aussät und dem Unkraut, das die Kulturen vielfach bedeckt, unerbittlichen Krieg bereitet. Man wird sich auch mit der Düngung beschäftigen müssen. Ich habe den Landwirten in dieser Hinsicht Anweisungen gegeben. Die Anpflanzungen in den unter der geschickten Leitung des Herrn Oettiuger stehenden Baumschulen von Soroki lassen hinsichtlich der Kulturen wie der Auswahl der gezogenen Pflanzen nichts zu wünschen übrig. In wenigen Jahren wird die Baumschule von Soroki eine Anstalt ersten Ranges sein. Wenn die Bäume, die jetzt 3—4 Jahre alt sind, die volle Ertragsreife erlangt haben und ihre Erzeugnisse beim Verkauf nach ihrem Wert geschätzt werden, wird die Baumschule hohen Nutzen abwerfen. Ein guter Prospekt ist eben jetzt veröffentlicht worden, die Anstalt nimmt in der Gartenbauausstellung von Kiew beträchtlichen Eaum ein. Bei Anwendung hinreichender Reklame und bei Erzeugung von Früchten guter Qualität wird die Kundschaft sich schnell einstellen. Die Tabakkulturen, die ich in den Kolonien gesehen habe, machen den israelitischen Pflanzern Ehre. Sie siad durchaus bemerkenswert; ich habe nirgend schönere und bessere getroffen. Der Maisbau macht in den südlichen Kolonien sehr gute Fortschritte, auch der Lupinenanbau — zu frischem Dung — gewinnt in den Kolonien mit wenig Iruchtbarem Sandboden an Umfang Der Fortschritt ist sehr deutlich erkennbar. Das Handwerkszeug hat sich sehr vervollkommnet. Gute eiserne Pflüge sind allgemein im Gebrauch. Man trifft Mäh- und Sämaschinen, ebenso Dreschmaschinen in grosser Zahl. Man braucht nur noch die Verwendung von Sämaschinen, die reihenweise säen, auszudehnen, um tadelloses Saatkorn usw. zu erzielen. Die EntWickelung der Gemüse- und Fruchtkulturen empfiehlt sich in der Nachbarschaft der grossen Städte und dort, wo die Kolonisten sehr wenig Land und sicheren Absatz haben. Doch oft habe ich bemerkt, dass die angelegten Gärten nicht ausreichend bebaut und gepflegt werden, dass zu viel Unkraut die Beete überwuchert. Der Melioration muss andauernde Sorgfalt gewidmet werden. Mit dem Anbau von Gemüse und der Anpflanzung von Bäumen allein ist es nicht getan; die Kolonisten müssen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, dass die Gartenkultur nur dann guten Ertrag gewähren kann, wenn die Gärten immer in peinlichster Sauberkeit gehalten werden und jedes Unkraut beim ersten Erscheinen entfernt wird. Ein schlecht gepflegter Garten gibt mittelmässigen und geringen Ertrag, so dass er mehr kostet als er einbringt. Die Hilfskräfte der anleitungsbedürftigen Agronomen müssen ohne Scheu selbst Hand anlegen und den Kolonisten zeigen, wie man Hacke, Spaten und andere Utensilien handhaben muss. Das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben, und ich habe ein- oder zweimal mit Bedauern bemerkt, dass sie diese Aufgabe nicht erfüllt haben. Die Düngung scheint in den Kolonien vollständig vernachlässigt zu werden, vielfach sogar unbekannt zu sein, daher die kläglichen Erträge,

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