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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Date
1908-11-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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OsröraCe sr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert VOD LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 11. November 1908. VIII. Jahrg. „JUEDISCHE RELIGION". Von B. Jacob. Nachdruck verboten. Das Einfachste und scheinbar Leichteste ist gar oft das Schwerste. So scheint nichts einfacher und leichter zu sein als die Abfassung eines Religionsbuches für den elementaren Jugendunterricht, das auf der Stufenleiter theologischer Forschung und Gelehrsamkeit die letzte Stelle einnimmt. Wenn es aber nicht lediglich die längst feststehenden und oft durchgearbeiteten traditionellen (orthodoxen) Lehren und Gebote wiedergeben will, dann erfordert es mehr als eine hervorragende Eigenschaft. Da es eine moderne jüdische Theologie, aus deren grundlegenden Arbeiten der Verfasser schöpfen könnte, noch kaum gibt, so muss er selber ein Gelehrter und selbständiger, wissenschaftlicher Theologe und überdies ein Pädagoge von hervorragendem Geschick sein. Ich bedauere, einem soeben erschienenen Lehrbuch*) diese Qualitäten nicht nachrühmen zu können Der Verfasser will den jüdischen Religionsunterricht nicht nur formell umgestalten, sondern auch mit der modernen Weltanschauung und der liberalen Auffassung des Judentums in Einklang bringen. Ich habe nun nicht die Absicht, das Büchlein vom Standpunkt einer entgegengesetzten oder auch nur abweichenden religiösen Ueberzeugung anzugreifen. Der Freisinn ist in Politik und Religion eine durch individuelle Geistesrichtung wie durch wissenschaftliche, geschichtliche und philosophische Erkenntnisse und Ueberzeugungen wohlbegründete und berechtigte Auffassung, auf Grund deren er mit Fug und Bedacht Reaktion und Orthodoxie ablehnt. Vielmehr soll das Werkchen hier nur nach seinem wissenschaftlichen und pädagogischen Wert beurteilt werden. Nach diesen Gesichtspunkten muss leider konstatiert werden, dass der Versuch, den Unterricht *) Coblenz F., Jüdische Religion. Ein Lehrbuch. Leipzig, 1908. IV. u. 127 S. 8°. in der jüdischen Religion zu reformieren, gänzlich misslungen ist. Der Verfasser besitzt weder die Kenntnisse dazu, noch ist er logisch einigermassen geschult. Er hat weder vom Theologen noch vom Pädagogen eine Ader und gar keinen Begriff davon, wie man zur Jugend sprechen muss, was man zur Genüge erkennen wird, wenn man sich bei den folgenden Proben stets gegenwärtig hält, dass das Buch nach der Vorrede für die Oberklassen der Volks- und Religionsschulen und für die Unter- und Mittelklassen der höheren Lehranstalten (also auch für Sextaner oder doch mindestens für Quartaner) bestimmt ist. Ein Schulbuch muss jeder Phrase abhold sein und in jedem Satz der nüchternsten Kritik standhalten, aber in diesem Buche feiern die gedankenlose Phrase und das falsch verstandene Schlagwort wahre Orgien. Ein Schulbuch soll knapp und klar sagen: Was und Warum. Dieses „Lehrbuch" aber bewegt sich in beständiger Verschwommenheit und ist voll von den plattesten Tiraden. Es ist überhaupt kein Lehrbucn, sondern eine Sammlung von recht mittelmässigen Predigten. Es gibt nämlich nicht, wie bisher allgemein üblich, in bündigen Sätzen die religiösen Lehren und Gebote und, davon äusserlich unterschieden, die Beweise und Belege dazu aus den Quellenschriften, sondern, und darin soll u. a. die umwälzende formale Neuerung bestehen, der Verfasser verbreitet sich in zwölf zwanglosen Betrachtungen über verschiedeneThemata wie: die Lehre von Gott, die Bestimmung des Menschen, die zehn Gebote, Sünde und Busse usw. Es ist also kein Lehrbuch, sondern ein Erbauungsbuch, das aber, von allem andern abgesehen, schon wegen seiner abstrakten Sprache für die Jugend unverständlich und wegen seines beständigen wässrigen Moralisierens von tötlicher Langweile ist, so z. B. S4 44 f., wo es noch viele Seiten in demselben ermüdenden Tone weitergehen könnte

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