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Ost und West · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. Seite 647 - 648

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
Vermeintliche Berichtigung
Date
1908-10-01
Page
Seite 647 - 648 (sequence 2)
Language
German
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647 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Vermeintliche Berichtigung;. 648 Wir haben dem vorstehenden Schreiben des Herrn Dr. Margulies in ganzem Umfang Aufnahme gewährt. Die Erklärungen des Herrn Dr. Margulies b e - stätigen in jedem Betracht, was in dem vorläufigen Bericht des Herrn Dr. Nahoum, veröffentlicht in der August-September-Nummer von Ost und West, ausgesprochen worden ist. ad I. Herr Dr Margulies setzt ein allzugeringes Maß von Kenntnissen voraus, wenn er glaubt, man wisse diesseits nicht zwischen Verlobung im modernen Sinne und „tanaim" zu unterscheiden. Woher weiß Herr Dr. Margulies, daß Getie Jeremias nur verlobt und nicht verheiratet ist? — Er weiß es von Getie Jeremias, von der einen beteiligten Seite. — Worauf stützt sich die Nachricht, daß Getie Jeremias verheiratet war? Auf die Aussage der anderen Seite, nämlich der Verwandten der Braut oder Frau. Weshalb soll die eine Aussage glaubwürdiger sein als die andere? — Jedenfalls berichtigt Herr Dr. Margulies nicht aus eigener Wissenschaft, sondern vom Hörensagen. Herr Dr. Margulies ist garnicht befugt, seine Ausführungen ad I mit den Worten zu heginnen ,,es ist unrichtig'', sondern er durfte nur bezeugen Getie Jeremias erklärt für unrichtig"! ad II. Herr Dr. Margulies bestreitet, daß Taamrath Emanuel sich zum Protestantismus bekehrt hätte — er sei nur von einem protestantischen Missionar zum Abfall veranlaßt worden! — Damit ist zugegeben, daß richtig war, was an dieser Stelle gemeldet wurde. — Später ist Taamrath Emanuel wieder zum Judentum zurückgekehrt. ad III. Ob ein solcher Ap ostat, der sich von einem Glauben in den andern und wieder zurück leiten läßt, sich zum Religionslehrer eignet — wir wollen zugeben, daß er nicht „Rabbiner" werden sollte; aber in Abessinien gibt es gar keine Rabbiner, vielmehr vertritt der Religionslehrer die Stelle des Rabbiners — das überlassen wir jedermanns Urteil. ad IV. Hier berichtigt Herr Dr. Margulies etwas, was nie behauptet worden ist. Wir glauben gern, da Herr Margulies es sagt, daß die italienische Regierung die Expedition des Pro - Falascha- Komitees gefördert hat. An dieser Stelle wrar nur behauptet worden,daß der Gouverneur von Italienisch-Ostafrika sich Herrn Nahoum gegenüber gegen die Errichtung einer. Falascha-Schule in der Erythrea-Kolonie „als höchst unpraktisch und zwecklos" ausgesprochen hat. Daran kann die Marguliessche Bemerkung nichts ändern. Rundschreiben. Das Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft hat im vergangenen Monat an die Rabbiner in Deutschland ein Rundschreiben versandt, das folgenden Wortlaut hat: Hochverehrter Herr Rabbiner! Bruderliebe, die sich im Wohltun kundgibt, ist ein Kennzeichen unserer Glaubensgemeinschaft. Diese wohltätige Bruderliebe wird seit fast einem halben Jahrhundert von der „Allianöe Israelite Universelle" in umfassendster Weise geübt. In 49 Jahren ihres Bestehens hat die Israelitische Allianz mit ihren Freunden an hundert Millionen aufgewendet, unsern Brüdern in aller Welt Hilfe zu bringen in augenblicklicher Bedrängnis und ihnen das geistige Brot zu bieten, das sie befälligt, aus Not und Rückständigkeit sich emporzuringen, moralisch und materiell günstigere Daseinsbedingungen zu erlangen. Jede Verfolgung fand die Allianz beratend und stützend, aufrichtend und fördernd, an der Seite der Brüder. In drei Erdteilen hat die Allianz 142 Schulen geschaffen, in denen sie das heranwachsende Geschlecht unterrichtet, erzieht, einem freieren, glücklicheren Leben, einer frohbewußten Selbständigkeit entgegenführt — zur Ehre des göttlichen Namens. "Über 40000 Glaubensgenossen sind in der „Alliance Israelite Universelle" vereint zu einem Kultur werk, wie es ähnlich kaum jemals aus privater Initiative hervorgegangen ist. Für die Zukunft arbeitet unser Werk mit gesegnetem Gelingen. Der Allianz ist vergönnt gewesen, die israelitiche Bevölkerung ganzer Länder ethisch und wirtschaftlich zu heben. — Doch über der Zukunft wird die Gegenwart mit ihrem Leid nicht vergessen. Die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle hat für die auswandernden wie für die rückwandernden Brüder aus dem Osten fortgesetzt gesorgt, sie geleitet und beraten, ihnen Schutz in allen Nöten gewährt. Zahlreiche Gemeinden, die an der Wanderstraße liegen, werden von ihr mit entsprechenden Zubußen für das notwendige Liebeswerk versehen. Mit der Ausdehnung unserer Tätigkeit wachsen die Anforderungen an die Allianz. Je größer die Mittel sind, die uns zufließen, desto umfassender kann unsere Tätigkeit sein. Die bevorstehenden hohen Feiertage bieten Ihnen, hochverehrter Herr Rabbiner, Gelegenheit, von der Kanzel herab unsere Glaubensgenossen an die Allianz und an ihre Segnungen zu erinnern. Sie um die Nutzung dieser Gelegenheit zu bitten, ist der Zweck unseres Schreibens. Fordern Sie, dahin geht unser höfliches Ersuchen, die Brüder auf, durch Beitritt zur Allianz Anteil an deren Verdienst um unsere Glaubensgemeinschaft zu gewinnen.. „Ganz Israel bürgt für einander" ist der Wahlspruch der Alliance Israelite Universelle. Nach diesem Wahlspruch arbeiten wir; dieser Wahlspruch, des sind wir sicher, wird Ihre tätige Sympathie uns zuwenden. Mit ausgezeichneter Hochachtung Die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. Geheimer Kommerzienrat Goldberger Präsident. Philipp Schiff M. A. Klausner stellvertr. Präsident. Geschäftsführer. Falsche Ausstreuungen. Mehrere jüdische deutsche Wochenblätter haben die Mitteilung verbreitet, dass die gegenwärtigen Rabbiner von Jerusalem, Damaskus und Saida auf Betreiben des Chacham Nahoum abgesetzt worden seien. Dies ist unwahr. Die Absetzung war von dem Justizminister in Vorschlag gebracht worden,

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