Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Schule der Alliance Israélite Universelle in Hillé bei Bagdad
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 645 - 646 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Alliance-Schule VERMEINTLICHE Von Herrn Ober-Rabbiner Dr. Margulies in Florenz, zurzeit in Saltino - Vallombrosa, erhalten wir nachstehendes Schreiben, das vom 16. September datiert ist: „Sehr geehrter Herr Redakteur! In meiner Eigenschaft als Präsident des italienischen Pro-Falascha-Komitees und als Direktor des italienischen Rabbinerseminars ersuche ich Sie höflich, folgende, auf die im letzten Hefte Ihrer geschätzten Zeitschrift erschienene Notiz über die Falascha-Expedition der A. I. U. bezügliche, tatsächliche Berichtigungen in Ihrem nächsten Hefte zum Abdruck bringen zu wollen. I. Es ist unrichtig, daß der jetzt ca. 23 jährige Falascha Getie Jeremias verheiratet sei; richtig ist vielmehr, daß derselbe, wie es in Abessinien allgemeiner Brauch ist, als Kind von seinen Eltern verlobt wurde; und daraus hat weder er selbst noch Dr. Faitlowitsch jemals ein Geheimnis gemacht. Der Umstand, daß der junge Mann sich jetzt ohne jedes Bedenken in seine und seiner Braut Heimat begeben hat, beweist zur Genüge, daß er nicht befürchtete, dort einer unrechten Tat geziehen zu werden. II. Es ist ferner unrichtig, daß der zweite junge Falascha Taamrath Emanuel „sich zum Protestantismus bekehrt" hätte; richtig ist vielmehr — und auch daraus hat Dr. Faitlowitsch in Hille bei Bagdad. BERICHTIGUNO. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet uns und anderen gegenüber kein Hehl gemacht — daß der jetzt kaum 20 jährige junge Mensch aus einem Falaschadorfe stammt, welches vor einigen Jahrzehnten von einem protestantischen Missionar zum Abfall veranlaßt wurde, und daß Dr. F. ihn wieder dem Judentum zugeführt hat, in der Hoffnung, durch ihn einst auch viele andere der Abgefallenen für das Judentum wiederzugewinnen, einer Hoffnung, die der jetzt zum begeisterten Juden gewordene Taamrath auch zu erfüllen verspricht. III. Ebenso unrichtig ist, daß Taamrath Emanuel in unser Seminar aufgenommen worden sei und zum Rabbiner ausgebildet werden solle; richtig ist vielmehr, daß er als Hospitant die obere Klasse der Talmud-Tora-Schule besucht, um vielleicht später als Religionslehrer in seiner Heimat zu wirken. IV. Was schließlich die Haltung betrifft, welche die italienischen Regierungsbehörden unserem Schulprojekte gegenüber einnehmen sollen, so kann ichnur erklären, daß die italienische Regierung durch ihre Organe sowohl in der Kolonie als auch in Addis Abeba unserer Expedition die weitgehendste Förderung hat angedeihen lassen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. S. H. Margulies."