Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Disputation [Illustration]
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 599 - 600 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2583967-2583977-2598689--08684-2598767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
599 600 ALFRED WOLMARK. Disputation. LONDON". ALFRED WOLMARK, EIN MALER DES JUDENTUMS. Von A. May. Nachdruck verboten. Die Ausstellungen jüdischer Künstler, die im Winter 1906 in London und das Jahr darauf in Berlin stattfanden, haben im wesentlichen den Beweis geliefert, daß man zwar nicht von einer jüdischen Kunst sprechen kann, in dem Sinne, wie man von einer deutschen, einer holländischen oder italienischen Kunst spricht, daß es aber jüdische Künstler gibt, deren Anschauungswelt durch ihr Judentum gefärbt, ja bedingt wird. In ihren Schöpfungen tritt ein eigenartiges Empfinden hervor, dem frühe Eindrücke, ein Milieu ganz besonderer Art, zugrunde liegen. Diese ausgesprochen jüdischen Künstler stammen sämtlich aus Rußland oder Polen und haben zum mindesten ihre Kindheit dort verbracht, wo die Juden noch von Andersgläubigen abgeschlossen, in einer Welt für sich leben. Das aufgespeicherte Empfinden dieser Ghetto-Juden bricht jetzt, seitdem Not und Verfolgung sie in die Fremde getrieben, hie und da mächtig hervor, und bewundernd steht die Kunstwelt den plastischen Schöpfungen eines Antokolski gegenüber, mit warmem Anteil liest man Zangwills Enthüllungen der Ghettoseele, lauscht man dem Geigenspiele Misha Ellmanns aus dem die Innerlichkeit seines Stammes tönt. Von den Malern, die aus diesem Milieu hervorgegangen sind und es in ihren Bildern mit mehr oder weniger Erfolg zu veranschaulichen suchen, ist hier bei Gelegenheit der Berliner Ausstellung die Rede gewesen. Einer aber wurde damals nicht erwähnt — Alfred Wolmark. Und gerade er gehört zu den Seelenkündern des Ghettos. Jn den Juden, die er malt, in den jüdischen Festen und Gebräuchen, die er darstellt, liegt