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Ost und West · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Date
1908-10-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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A OST^ggeSTT ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 10. Oktober 1908. VIII. Jahrg. MICHAEL SACHS. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages am 7. September. Nachdruck verboten. Vor hundert Jahren wurde Michael Sachs geboren, vor vierundvierzig Jahren ist er gestorben, und noch ist er nicht vergessen. Dabei hatte er es nicht weiter als bis zum Rabbinatsassassor in Berlin gebracht, war er nicht einmal zum ordentlichen Rabbiner in der Gemeinde vorgerückt, der er Schmuck und Ehre gewesen. Und doch hatte er auf weitere Kreise nur durch das schnell verhallende Wort gewirkt, durch seine Predigten. Allerdings auch durch seine Persönlichkeit, die etwas weihevolles, heiligendes, reioigendes besass, die selbst Vertreter gegnerischer Grundanschauung zu liebender Verehrung zwang. Dabei hat er nicht einmal zu den ganz Grossen gehört, die einem Zeitalter das Gepräge aufdrücken, die Schule machen und ihren Namen zum Symbol und zum Feldzeichen werden sehen. Aber zu den Ganzen hat er gehört — das war das Geheimnis seines Wirkens, darin lag sein bestrickender Reiz und seine Kraft. Ein Ganzer ist er gewesen. — Nicht in dem Sinne derer, die eine Mauer um sich ziehen, um nicht weit sehen zu können, die nichts ausserhalb eines bestimmten Kreises gelten lassen, um in diesem Kreis uneingeschränkt zu herrschen und keinen Zweifel an sich herandringen zu lassen. Sondern ein Ganzer in sich selbst, der lebte was er lehrte und lehrte was er lebte, der den Fanatismus des Unglaubens ebenso von sich wies, wie den Fanatismus des Aberglaubens. Ein Denker war er, wie nur einer, und dabei ein aufrecht freier Mann, so aufrecht, dass er für die freie Gesinnung keine Uniform dulden mochte, wenigstens für sich die Uniform zurückwies. Dem Friedfertigen war beschieden, in sturmvoller Zeit zu leben. Er hat nie den Streit gesucht, doch ist er ihm nicht ausgewichen. Streitbar, nicht streitsüchtig, rückte er ins Feld und vertrat die Sache, die er für gerecht hielt, mit flammendem Wort, mit ganzer Seele, mit allem Denken und Sein, mit seinem Leben und durch sein Leben. Wir Juden haben für den Heroen-Kultus allezeit wenig übrig gehabt. Einzig „unserm Lehrer Mose" haben wir in dem Ring der Feste einen stillen Tag geweiht. Das ist kein Zeichen des Undanks, der in Herzensarmut wurzelt. Die Zahl

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