Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1908)
- Article
- Moses
- Date
- 1908-08-01
- Page
- Seite 543 - 544 (sequence 4)
- Language
- German
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543 Dr. D. Leimdörfer: Moses. 544 Zippora: 40 Tage schon weilet er droben Seitdem der Herr sich offenbart, 40 Tage lässt er uns schmachten; Josua: Er fehlet im Lager, der Hirte des Volkes. Zippora: Das Zelt der Familie vermisst ihn noch mehr. Auf Sinais Höhen, ohne Trank, ohne Speise, O eile, mein Trauter, o eile bald her. Gerson, Elieser, Zippora ersehnt Dich, O komme, Geliebter, komm in Dein Zelt. Josua: O wehe, Zippora, das Volk ist verwildert, Des Meisters sorgendes Aug hat gefehlt, Ein Mischvolk zog aus Egypten heraus, Die Sprossen von Heiden, sie schlössen sich an, Sie schrieen zu Ahron: Mache uns Götter Aus Gold und aus Silber, wir beten sie an. Sie brachten ihm Schmuck, er könnt' sich nicht wehren, Geformt hat ein Kalb er, sie wagen's zu ehren. Zippora. Entsetzlich! Ein Tiergott! O Moses, mein Gatte, Vergessen der Wüsten Wanderung Not. Moses: Vergessend des Göttlichen hehres Gebot, Singen die Gottlosen: Dies sind Deine Götter, Dies aus dem Lande der Knechtschaft die Retter! Zippora: Unselig Volk! O Ahron, o Betörter! Was wird gesehen'n? O Moses, mein Gemahl! Josua: Ich eil' zum Sinai, ihn vorzubereiten, O dass er käme, hilfbringend ins Tal! Zippora: Wie bist Du gefallen, Du Stern des Morgens, Wie bist Du gefallen aus Himmelshöhen! (Jauchzen des Volkes.) Ahron: O hätt' ich's geahnt! Ich trage die Sünde! Ach Moses, mein Bruder, wie anders es stünde, Wärst hier Du geblieben, o gottlose Schmach! Volk: Dies sind Deine Götter, die Dich geführet Aus Knechtschaft Egyptens, wir beten sie an. Moses: Was höre ich singen, ich fass' nicht die Worte? Josua: Sie beugen dem goldenen Kalbe das Knie. Moses: O Ew'ger, verzeih, wenn die heiligen Tafeln, Die Heiligtümer ich werfe hinab. Ich kann Euch nicht tragen, Ihr Steine des Lebens, Mein Volk ist gestorben, ich schaue sein Grab. Gib Rechenschaft Ahron, wie könnt' es geschehen? Ahron: Verroht war das Volk, es spottete Dein. Sie forderten Götter, ich sollt's ihnen formen Aus Silber und Gold und Edelgestein. Ich hab es getan, nicht ahnt ich die Sünde, Verzeihe mir Gott, verzeihe dem Volk. Moses: Ein eifervoller Gott ist Adonai! Er ahndet die Sünde der Väter an Kindern Bis ins dritte und vierte Geschlecht. O, halsstarrig Volk, wie hast Du gefrevelt! Gibt's eine Sühne für solch' eine Schuld? Ahron: Wehe! Wehe! Volk: Wehe! Wir haben gesündigt! Verdienen des Herrn gerechtesten Zorn! Moses: Ist das meine Herde, bin ich noch ihr Hirte? O Gott meiner Väter, gib mir den Tod. (Volk wie oben). Leviten: 3000 sind schuldig, Du sollst sie vernichten, Die andern entsühne durch Strafe und Not. Volk: So sei es, die andern entsühne! Ahron: Entsühne! Moses: Wer weiss, ob ich's darf, zu gross ist die Schuld. Doch will ich hinauf zum geheiligten Berge Und flehen für Euch. Bleibt hier in Geduld. (Volk wie oben). Josua: O Meister, im Zelt harrt voll Sehnsucht Zippora, Dein Weib, Deine Kinder entbehrten Dich lang. Auf Sinai weiltest Du 40 Tage - Moses: So spricht der Herr: Wenn nicht mein Bund, Was soll mir dann Liebe, Weib oder Kind? Dort ist mein Zelt, zurück zur Höhe, Dass für Euch ich Entsühnung find. Vergiebt der Herr, dann komm' ich heim. Ahron : Legt ab das Geschmeide, bis er gesühnt die Schuld, O Moses, erflehe auch für mich des Ewigen Huld. Moses: Ich tu's, vertraut, verharrt, ich will zum Ewgen flehn. Volk und Chor: Herr, lass uns nicht im Zorne, in Deinem Grimm vergehn! O, rette unsre Seele um Deine Gnade: Herr! Moses: Wenn ich in Deinen Augen Gunst gefunden, So zeig mir Deine Herrlichkeit. Stimme: Der Lebende kann mich nicht schauen, Doch rufest Du mich — Adonai — So führe ich all meine Güte Barmherzig an Dir vorbei. (Moses wie oben. Posaune, Sturm, Donner, Blitz, ein Engel ruft und Engelschöre wiederholen jedes Wort). „Adonai, der Ewige ist Gott, barmherzig und gnädig, langmütig, von grosser Huld und Treue, bewahrt die Liebe für Tausende, verzeiht Sünde, Missetat und Schuld, doch lässt Er nicht ungestraft, denn gerecht ist er in seiner Güte!"