Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Kondolenzschreiben
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 411 - 412 (sequence 2)
- Language
- German
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411 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 412 souvenir II m'honorait de son amitie! Sa mort m'afflige profondement. Je regrette de ne pouvoir aller ä Francfort pour lui rendre im supreme hommage. C'est im acte de piete que je. me resigne a laisser a des amis. Je suis avec vous, avec les vötres de tout coeur. Monsieur le Dr. Fritz Hallgarten, N' Leven' Francfort s/M.u („Ihre Depesche, hochgeehrter Herr Doktor, überrascht mich auf das schmerzlichste. Vor wenigen Tagen erhielt ich den Besuch Ihres Herrn Yaters. Immer voller Eifer für das öffentliche Wohl, kam er zu mir, um mit mir über die jüdischen Institutionen zu sprechen, denen er seine starke und wertvolle Mitarbeit widmete. Er eröffnete für die Zukunft Ausblicke, die er mit der ganzen Glut seiner Seele dartat. Am anderen Abend wohnte er einer Sitzung der Jewish Colonization Association bei und nahm an deren Beratungen lebhaften Anteil. Er war in der Diskussion stets voller Schwung und häufig von humoristischem Anflug; es bereitete uns inniges Vergnügen, ihm zuzuhören. Er war für uns alle ein wertvoller Mitarbeiter, der Amerika und dessen ausgedehnte jüdische Bevölkerung genau kannte, die, aus Russland und Rumänien durch Elend und Verfolgung vertrieben, Zuflucht und Unterstützung auf dem amerikanischen Boden findet. Er hielt seinen Blick immer auf diese Bevölkerung gerichtet, zu deren unermüdlichem Beschützer er sich gemacht hatte. Seine Grossmut und seine Güte waren in Deutschland sprichwörtlich. Er gab und gab unaufhörlich und verbreitete um sich eine Atmosphäre von Wohltun, die sein Andenken weiht. Er beehrte mich mit seiner Freundschaft. Sein Tod betrübt mich tief. Ich bedauere, dass ich nicht nach Frankfurt kommen kann, ihm die letzte Ehre Tzu erweisen. Ich muss mir auferlegen, diesen Akt der Pietät anderen Freunden zu überlassen. Mit ganzem Herzen der Ihrige.") Der Jahresbericht 1907 des Pariser Central-Comites der Alliance Israelite Universelle ist erschienen. Die deutsche Ausgabe, die zugleich einen Bericht über die fünfte Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft vom 25. Februar 1908 enthält und 232 Seiten umfasst, ist an die deutschen Mitglieder der Alliance verschickt worden. Lokal-Comite Berlin. Das Berliner Lokal-Comite der Alliance Israelite Universelle hielt am 10. Mai eine Sitzung ab, die Herr Geheimrat Goldberger mit einem herzenswarmen Nachruf für den verstorbenen Vizepräsidenten der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft Charles L. Hallgarten einleitete. Der Vorsitzende berichtete über die erfreuliehe Weiterentfaltung der Alliance in Berlin hinsichtlich ihrer Mitgliederzahl und ihres Wirkens und machte Mitteilung von der Verlängerung des Abkommens, betreffend die Berliner Abfertigungsstelle für russische Aus- und Rückwanderer, auf ein weiteres Jahr. Das Lokal- Comite setzte den 31. Mai als Termin für die diesjährige Generalversammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U. fest. — Für diese Generalversamm-ung hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in dankenswerter Weise ebenso wie im Vorjahr den grossen Saal im Gemeinde verwaltungshaus, Rosenstr. 2/4, zur Verfügung gestellt. Ueber den Verlauf der Generalversammlung berichten wir im Juliheft dieses Blattes. Lokal-Comite Frankfurt a. M. In seiner Sitzung vom 8. April, die noch unter Teilnahme des inzwischen verewigten Herrn Charles L. Hallgarten stattfand, hat das Frankfurter Lokal-Comite beschlossen, die Damen Frau Bertha Holzmann, Fräulein Bertha Pappenheim und Frau Johanna Stern als Mitglieder zu kooptieren. Alle drei Damen haben die Annahme der auf sie gefallenen Wah erklärt. Fräulein Bertha Pappenheim sprach die Annahme in einem Schreiben aus, das folgenden Wortlaut hat: „Ich bin der festen Ueberzeugung, dass die Mitarbeit von Frauen sich zum Vorteil der Bestrebungen der A. I. U. fühlbar machen wird, sobald uns ein geeignetes Gebiet angewiesen wird, und in diesem Sinne stelle ich mich sehr gern zu ihrer'Verfügung. Ich ' bin sicher,' dass das, was wir Frauen in Ihrem Ccmite leisten können, eine Ergänzung der allgemeinen Bestrebungen innerhalb anderer Vereinsarbeit sein wird." Fräulein Pappenheim hat sich ganz in den Dienst der jüdischen ethischen und sozialen Frauenbewegung gestellt, hat aus eigenem Antrieb wiederholt Galizien bereist, um das dortige Elend, namentlich das Frauenelend, an Ort und Stelle zu studieren. Auch die anderen obengenannten Damen haben sich bereits auf dem Gebiete werktätiger Menschenliebe in langer hingebungsvoller Arbeit bewährt. Lokal-Comite Breslau. Am Montag, den 11. Mai, hat die Generalversammlung der Breslauer Mitglieder der Alliance Israelite Universelle im Saale der Lessingloge stattgefunden. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Rosenthal dem verstorbenen allverehrten Vizepräsidenten der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft Charles L. Hallgarten einen tiefempfundenen Nachruf und gedachte mit innigen WTorten der Verdi Tiste der auch erst vor kurzer Zeit ciahingeschiedenen beiden Mitglieder des Central-Comites, der Herren Pereire und Hartwig Derenbourg. — Die von der Kommission zum Entwurf der Statuten für das Lokal-Comite Breslau ausgearbeiteten Satzungen wurden nach längerer Debatte gutgeheissen. Auf Grund dieser Statuten fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Gewählt wurden die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal (Vorsitzender), Professor Dr. Badt, Dr. M. Brann, Rabbiner Dr. Guttmann, Heinrich Oschinsky, Kommerzienrat Sternberg, Dr. med. Sandler, Max Fuchs und Moritz Warschauer. Herr Dr. Brann erstattete dann einen interessanten, mit grossem Beifall aufgenommenen Bericht über die fünfte Jahrestagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft am 25. Februar. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal teilte der Versammlung noch mit, dass seit Anfang dieses Jahres in Breslau 60 Mitglieder der Alliance beigetreten sind, und forderte die Anwesenden auf, auch ferner für die Alliance tätig zu sein. Die Alliance in Konstanz. Herr A. Geismar, der seit vielen Jahren inKonstanzdie Geschäfte der A. I.U. geführt hat, ist zu unserem lebhaften Bedauern verhindert, die verdienstvolle, eifrige Arbeit für unsere Sache fortzusetzen. Wir legen Wert darauf, Herrn Geismar für seine hochherzige und erfolgreiche Tätigkeit auch an dieser Stelle unseren Dank zu sagen, Dank zugleich dafür, dass er in Herrn Stadtrabbiner Dr. L. Hannes für einen würdigen Nachfolger gesorgt hat. Wir begrüssen ihn auch an dieser Stelle auf das herzlichte. Die Alliance-Schulen in Schiras. (Hierzu zwei Bilder). In Schiras, wo eine jüdische Bevölkerung von 5000 Seelen lebt, wurde ita Jahre 1903 von der Alliance eine Knaben- und eine Mädchenschule eröffnet, die von 305 Knaben und 73 Mädchen besucht werden. Die Allianceschulen in Persien haben sich schnell entwickelt* Ende 1898 wurde die erste Schule in Teheran eröffnet, und jetzt hat die Alliance in 9 Ortschaften Persiens 14 Schulen mit 2730 Zöglingen. Der moralische Einfluss, den die