Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Der neue Vizepräsident der deutschen Conferenz-Gemeinschaft [Nachricht]
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 407 - 408 (sequence 2)
- Language
- German
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407 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Der neue Vizepräsident der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft. 408 war Schulrat, Vorsitzender des israelitischen Almosenkastens, ist in leitender Stellung bei einer grossen Anzahl von Wohltätigkeitsanstalten, und namentlich in der Institution der jüdischen Krankenpflegerinnen seit ihrer Begründung mit unübertrefflichem Eifer tätig. Seine Arbeitsfreude, sein scharfer Verstand, seine unbeugsame Willenskraft, und nicht zuletzt seine stets zum Wohltun geöffnete Hand werden in Frankfurt seit einem Menschenalter gern in Anspruch genommen, nicht nur von jüdischer Seite. Philipp Schiff ist auch Mitglied des städtischen Armenamts. ADRESSE AN GEHEIMRAT GOLDBERGER. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Der Präsident der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle Herr Geheimer Kommerzienrat Goldberger hat am 17. Mai d. J. den sechzigsten Geburtstag gefeiert. Durch Abreise von Berlin entzog sich Herr Goldberger allen Ehruogen, die ihm zugedacht waren. Doch auch in der Ferne hatten ihn Glückwunschschreiben und Telegramme in grosser Zahl erreicht. Das Pariser Central-Comite wusste ihn auszufinden, nicht minder die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft, deren neuer Vizepräsident Herr Schiff mit dem Deutschen Bureau und dem Lokal-Comite Berlin eine Adresse folgenden Wortlauts an Herrn Goldberger richtete: Berlin, am 17. Mai 1908. Hochzuverehrender Herr Geheimrat! Der heutige Tag, an dem Sie das sechzigste Lebensjahr zurückgelegt haben, bietet uns Anlass, Ihnen unsere Glückwünsche darzubringen: Seien Ihnen an der Seite der vortrefflichen Gemahlin in dauernder Gesundheit ungezählte Jahre erfolgreichen Wirkens zum Guten beschieden! Dass Sie in nicht zu ermüdender Regsamkeit an den Aufgaben von Reich und Staat mitarbeiten und eine seltene Fülle von Geist und Erfahrung mit patriotischer Opferwilligkeit selbstlos in den Dienst des Vaterlandes stellen — dass weiss und würdigt die Welt.. Wir aber wissen, dass in Ihrem grossen Herzen eine Kammer ist, die unserer Glaubensgemeinschaft ganz besonders gehört, in der Sie mit pietätvoller Liebe die väterlichen Traditionen, vor allem die werktätige Nächstenliebe hegen. So selbstverständlich es daher war, dass Sie den Weg zur Alliance Israelite Universelle gefunden haben, so sehr beglückt es uns, Sie an der Spitze der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft zu sehen. Sie sind der Erneuerer der Alliance Israelite Universelle in Deutschland geworden; Sie haben die Fahne der Alliance neu erhoben, und viele Tausende sind Ihrem Ruf gefolgt,;, haben durch Ihr Beispiel zur Bruderliebe und zur Bruderpflicht sich zurückführen lassen. Das erkennen wir mit Freude an und mit Stolz auf Sie. Ihre Bescheidenheit ist allen Kundgebungen ausgewichen. Wir aber fühlen uns eins mit Ihnen, und unsere Worte wenigstens sollen am heutigen Tage zu Ihnen dringen. Nicht Worte des Dankes — denn des Dankes bedürfen Sie nicht —, nicht Worte der Anerkennung — denn sie wären nur ein schwaches Echo —, sondern Worte des Gelöbnisses: dass wir in Zukunft wie bisher Ihnen zur Seite stehen wollen bei der Arbeit für die Brüder in Israel. Das Deutsche Bureau Die Deutsche Conferenzder Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. Alliance Israelite Universelle. M. A. Klausner. Der stellvertr. Präsident. Philipp Schiff. Das Lokal-Comite Berlin der Alliance Israelite Universelle. Rabb. Dr. Weisse, Rabb. Dr. Eschelbacher, Siegfried Brünn, Benno Braun, Dipl.-Ing. Ludwig Adler, Max Beer, Ilia Ber, Alfred Cohn, Direktor Moritz Dorn, Heinrich Fraenkel, Dr. med. Sam. Fraenkel, Justizrat Max Fuchs, Rechtsanwalt Dr. A Hantke, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. L. Landau, Dr. med. Eugen Lehfeldt, Direktor Oskar Oliven, Louis Rosenbaum. Die Israeliten in Rumänien. Im Maiheft von „Ost und West" haben wir das vertrauliche Rundschreiben des Präfekten von Jassy vom 28. Februar 1908 mitgeteilt, dass die strengste Anwendung der Ausweisungsmassnahmen gegen die Juden anordnet, die in rumänischen Landgemeinden wohnen. Das Rundschreiben hat seine volle Wirkung getan. Seit Anfang März haben zahlreiche jüdische Familien Aufforderungen nachstehender Art erhalten: Mein Herr! "22" März im In Gemässheit eines Befehls des Herrn Präfekten vom 10. März teile ich Ihnen mit, dass der 23. April den letzten Aufschub bildet, der Ihnen bewilligt wird, dass Sie an dem genannten Tage die Gemeinde mit Ihrer Familie und allem, was Ihnen gehört, verlassen haben müssen, und dass unter keinen Umständen ein weiterer Aufschub Ihnen gewährt werden wird. Der Bürgermeister. C. A. Vissu." Aehnliche Aufforderungen sind zur gleichen Zeit an 14 israelitische Familien in Svanesti, Bezirk Vaslui, ergangen. Die solchergestalt behandelten „Fremden14 waren alle in der Gemeinde geboren. Jetzt, wie im vergangenen Jahr, sieht man zahlreiche rumänische Israeliten das flache Land verlassen und nach Amerika auswandern, da sie nicht daran denken können, sich in den Städten des Landes niederzulassen, wo sie das Elend erwarten würde. Ueberdies erschweren neue Gesetze — über das Branntweinmonopol, über die Pachtungen — die ohnehin schon prekäre Lage der Unglücklichen noch mehr. Das Gesetz über die Pachtungen, das die Grossgrundbesitzer treffen sollte, wird namentlich den kleinen Pächtern abträglich sein, wie schon aus dem Artikel 1 hervorgeht, der also lautet: „Niemand darf allein oder in Gemeinschaft mit Anderen, unmittelbar oder unter irgend einer anderen Form oder Bezeichnung, durch Vermittlung von Verwandten oder Zwischnmännern, mehr als ein Gut in Pacht nehmen oder als Pächter bewirtschaften, es mag gross oder klein sein. Höchstens kann die Pachtung von zwei Gütern gestattet werden, wenn die Gesamtfläche 4000 Hektar nicht übersteigt."