Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Sophie Blum-Lazarus
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 359 - 360 (sequence 2)
- Language
- German
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359 Heinz Schnabel: Sophie Blum-Lazarus. 360 bilder schaut man mit einem herzlichen und innigen Vergnügen an, wie man es etwa beim Lesen alter Kinderreime empfindet. Sophie Blum hat auch andere Sachen gemalt: Landschaften, Interieurs, Porträts. Sie verraten den gleichen vornehmen und delikaten Farbengeschmack. Namentlich ragt ein Selbstbildnis hervor, das durch gediegene und qualitätsvolle Malerei, plastische Form, und tiefen seelischen Ausdruck fesselt. Es ist dies das beste ihrer Figurenbiider; was ist natürlicher bei einer Frau, deren ganze Art auf lyrische Versenkung in die eigene, kindlich empfindende Seele gegründet ist? Bei anderen Figurenbildern scheinen sich dagegen die Grenzen ihrer Begabung zu zeigen. Sie verlangen eine objektive Hingabe, die in ihrer ganzen Art nicht liegt und zu der sie sich nicht zwingen sollte. Die Phantasie des Lyrikers muss hier notwendig versagen. Das hier abgebildete Interieur dagegen gehört wieder so recht in ihre eigenste Sphäre. Das sind die Zimmer, in denen solch vergnügliche Puppenwesen hausen. Diese Bilder zeigen dieselbe Heiterkeit, denselben kultivierten, echt weiblichen Geschmack, dieselbe echt weibliche Phantasie in Anordnung und Farbe. S. BLUM-LAZARUS Studie einer Italienerin. Geschmack und Heiterkeit, ein glückliches, kindlich empfindendes Temperament, Phantasie der Farbenerfindung und Farbenkombination, das sind die Grundzüge von Sophie Blumes Art. Ihre Bilder sind ,,gute Malerei" in dem höheren Sinne, der in Deutschland immer noch zu wenig begriffen wird, während bei den Franzosen die erste Forderung darauf geht. Und doch sind ihre Bilder deutsch in der ungeschminkten Echtheit des kindlichen Gefühls, dessen Ausdruck den Franzosen zu glatter Pose und eleganter Siisslichkeit verlockt. Der Künstlerin ist die Anerkennung nicht versagt geblieben. Zwar ist sie in Deutschland, wo sie nie grössere Kollektionen ausstellte, noch unbekannt, nicht aber in Paris, der Hochburg der modernen Malerei. Ihre Ausstellungen im Salon der „Independantsu, der künstlerisch vornehmsten Organisation von Paris, brachten ihr reichen Erfolg. Schon vor einigen Jahren wurde sie in ehrenvollster Weise zum Mitglied der „Societe de» beaux arts et lettres" ernannt, einer Gesellschaft, in der ihr Name neben den ersten des modernen Frankreich steht. Heinz Schnabel. PARIS. NOTWENDIGKEIT UND BERECHTIGUNG EINER INNERN MISSION UNTER DEN JUDEN. Von Julius Bäsch. Nachdruck verboten. Kaum hat eine innere Mission sich in schüchternen Anfängen die Gebiete ihrer Wirksamkeit eingeteilt, kaum ist sie sich über ihr Arbeitsfeld und ihre Arbeitsweise klar geworden, und schon setzt eine lebhafte Agitation dagegen ein. Von den verschiedensten Seiten können wir hören, dass wir uns zu viel abschliessen, uns zu wenig an die Allgemeinheit angliedern; Organisationen, die nicht ein Abschliessen, sondern einen festeren Zusammenschluss aller Juden bezwecken, werden nicht mit der erhofften Begeisterung begrüsst, man hat das Wort des Führers einer der bedeutendsten jüdischen Vereinigungen vergessen: Nicht wir schliessen uns aus, wenn man nur uns nicht ausschliesst. Vor allem aber kämpfen die Gegner dieser Bestrebungen unlogisch, da alles Wirken einer innern Mission kein Abschliessen, kein Einsperren in ein gewolltes Ghetto bezweckt, sondern eine ideelle Einkehr, ein Besinnen auf uns er n geistigen Besitz, auf unsere ethischen Forderungen im Vergleich zu andern, über das Mass erhobenen Lehren, die uns von vielen Seiten als die wertvolleren hingestellt werden, ein Bestreben, das wir nicht unwidersprochen lassen können noch wollen. Vor mir liegt der I. Band des Jahrbuchs der evangelischen Judenmission, in dem Prof. Dr. H. L. Strack einen Vortrag veröffentlicht, der mit den Worten beginnt: Wer seine Religion für die rechte hält, muss den Wunsch hegen, dass sie die Religion aller sei. Auch das Judentum kennt diese Forderung; beten wir doch: dass Gottes allmächtiges Keich die ganze Welt umfasse, dass alle Bewohner der Welt es erkennen und einsehen, dass jegliches Knie vor Dir sich beugen und jegliche Zunge Dir huldigen müsse. Und ferner heisst es: An jenem Tag wird der Herr einig sein und sein Name einzig. Was wir nicht kennen, ist die intolerante Ansicht, dass Bekenner anderer Religionen, die ethische