Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Selbstporträt [Illustration]
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 357 - 358 (sequence 1)
- Language
- German
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357 358 SOPHIE BLUM-LAZARUS. Nachdruck verboten. Wie wenig starke Talente, wie wenig originelle Persönlichkeiten findet man unter den Malerinnen in Deutschland. Und gerade die Begabtesten, streben sie nicht danach, das spezifisch weibliche in sich möglichst zu unterdrücken und sich nach Kräften männlich zu gebärden? Die vortrefflichen Bilder von Alice Tribner könnten ebensogut von einein Manne herrühren, von den phantasie- und kraftvollen Radierungen der Kaethe Kolhvitz glaubt man gar nicht, dass das überhaupt eine Frau gemacht haben könne. Und selbst bei Dora Hitz ist es hauptsächlich die Einwirkung des Lehrers gewesen, die hier gewirkt hat, Carrieres, der selbst der weiblichste aller Maler war. Umsomehr kann man es begrüssen, wenn einmal ein Frauentalent auftaucht, das es auf selbständigem Wege zu einem natürlichen und unverstellten Ausdruck einer echt weiblichen Persönlichkeit in der Kunst bringt. Ein solches ist Sophie Blum-Lazarus, die sich in Paris bildete und dort die entscheidenden Anregungen empfing; ihr bestes und eigenstes allerdings hat sie S. BLUM-LAZARUS. selbständig, autodidactisch erworben. Sophie Blum hat nie die Sphäre rein weiblicher Empfindung verlassen. Schon dass sie sich mit Vorliebe der Pastelltechnik bedient, ist in bestem Sinne für das weibliche ihrer Kunst bezeichnend. Ihre Bilder sprechen eine zarte, kindlich empfindende und kindlich heitere Seele aus. Ihre liebsten Stoffe findet sie im Puppenzimmer. Allerhand Puppen, die sie bald in den japanischen Kimono, bald in das pompöse Velasquezkostüm steckt, Kinderspielzeug, Porzellane, Tuche, farbige Papiere, das stellt sie zu Stilleben von rührender Einfachheit zusammen. Komponiert kann man das kaum nennen; oft könnte keine Anordnung zufälliger sein. Aber was die Einheit bringt, das ist die Farbe, die hellen, köstlichen Töne; Weiss, Rosa, Hellblau, Grau, das sind die häufigsten Töne, die sie so delikat gegeneinander abstimmt, dass alles in einem einheitlichen Flore verklärt scheint. Solche putzigen und gespassigen Puppen- Selbstporträt. PORTRAIT. S. BLUM-LAZARUS Interieur. PARIS. S. BLUM-LAZARUS PARIS. Paulette.