Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Herr Geh. Regierungsrat Prof. Dr. H. Cohen
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 345 - 346 (sequence 2)
- Language
- German
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345 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 346 Völkerverbrüderung anzurufen, um die Religion, welche die Idee der sittlich einigen Menschheit lehrt, und zu deren Glaubenssätzen ihre Verwirklichung gehört, vor den schwersten Angriffen zu schützen und an bedrohtesten Punkten ihr geschichtliches Dasein zu hüten und zu heben. Es ist ein unauslöschliches Verdienst in der Geschichte der Juden, welches die Alliance Israelite Universelle für ewige Zeiten erworben hat. Ich erinnere mich lebhaft und genau des Eindrucks, den das Sinnbild, welches in zentraler Einsicht ihre Gründer gewählt haben, in der Jugendzeit auf mich gemaeht hat, und dieselbe Rührung ergreift mich heute, so oft ich die Berichte mit diesem Sinnbild erblickte. Die Mahnung, welche die Alliance in diesem Worte unserer Weisen an die Juden der Welt ergehen lässt, ist eine Mahnung der sittlichen Kultur der Menschheit. Alle Menschen sind „Bürgen" des Reiches der Sittlichkeit. Und indem wir als Israeliten diese Bürgschaft bekennen, so ist es nur die allgemeine sittliche Verpflichtung, die wir damit auf uns nehmen. Wir übernehmen nicht die Bürgschaft für Macht und Ehren, sondern für Verfolgung und Elend, aber als Israeliten, in dem Glauben an unsere sittliche Wahrheit und in der Zuversicht auf die fortschreitende Anerkennung unseres Rechts uud unseres Glaubens; unseres Glaubens als einer sittlichen Wahrheit. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, als altes Mitglied der Alliance, (anlässlich Ihrer freundlichen Einladung) meine Herzensmeinung auszusprechen, und ich bitte Sie um freundliche Annahme derselben. Mit innigen Wünschen für das fernere Wachsen und Blühen unserer Alliance bin ich in vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener (gez.) H. Cohen. Kommerzienrat G. Banzhaf. Die kaum zwei Jahrzehnte alte Fahrradindustrie und die damit verbundene junge Automobilindustrie haben in ihren Reihen viele Männer, die durch ihren weiten Blick und ihre Tatkraft der deutschen Industrie auch auf diesem Sondergebiete den ihr gebührenden Platz neben dem der anderen Länder errungen haben. Einem solchen Pionier, der aus kleinsten Anfängen das ihm anvertraute Unternehmen zu einer Weltfirma gemacht hat, Herrn Direktor ü. Banzhaf von den Neckarsulmer.Fahrradwerken A. G. ist kürzlioh durch Verleihung des Titels eines Königlichen Württembergischen Kommerzienrats eine besondere Ehrung erwiesen worden. Seit dem Jahre 1884 steht Herr Kommerzienrat Banzhaf an der Spitze der Leitung der Neckarsulmer Fahrradwerke. Das Werk hat sich unter seiner Leitung einen ehrenvollen Namen weit über die Grenzen des Vaterlandes errungen und dort, wo einst ein Häuflein Arbeiter beschäftigt waren, ist heute eine grosse Fabrik mit ca. 1000 Arbeiter und 75 Beamten. Der König von Württemberg hat die Werke bereits im Jahre 1899Jdurch Verleihung des Titels eines Königl. Württembergischen Hoflieferanten geehrt. Kom merzten rat Banzhaf ist seit Jahren Mitglied der Handelskammer Heilbronn, gehört dem Vorstand des Vereins-Deutscher Fahrradfabrikanten an und bekleidet verschiedene Ehrenämter. Auch verschiedene Wohlfahrtsein rieh tu ngen, so u. a. der Arbeiter-Unterstützungsfonds, der Arbeiterfürsorgefonds, der Pensionskassenfonds, gediegene Kantine und Badeeinrichtungen, Geschenke anlässlich des 25. jährigen Jubiläums u. s. w. beweisen die warme Fürsorge des Jubilars für seine Angestellten. Mit rastlosem Fleiss hat Kommerzienrat Banzhaf seine Ziele verfolgt und erreicht. — Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Chefredakteur Leo Winz, Berlin W. 15, Knesebeckstr. 48/49. - Verlag Ost und West, Leo Winz, Berlin S.42. — Druck von Beyer & Boehme, Berlin S.42, Wasserthoretr. 50.