Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Der Brand von Hasköy
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 339 - 340 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Der Brand in Hasköy. 340 m t.-<\ •CTT >£w Jr*/i rrrZrz***- fc> n, -JfiM* mr. Mädchenschule der Alliance in Seneh. verbreitet sich die Feuersbrunst uach Norden in der Richtung zu unserer Schule aus, und mit so grosser Schnelligkeit, dass man kaum Zeit hat, sich zu retten. Unsere Schüler hatten ihre Freistunde; sie wurden von zwei Lehrern beaufsichtigt, die anderen waren frühstücken gegangen. Als die Kinder ihre Häuser von den Flammen verzehren sehen, stossen sie durchdringende Schreie aus; sie wollen ihren Eltern zu Hilfe eilen. Es ist unmöglich, sie zu halten. Ich ordne an, dass man sie gehen lassen soll, weil ich fürchte, das Feuer könne auf unser Haus überspringen und hier schreckliches Unheil anrichten. Die Kinder haben kaum die Schule verlassen, als ein ganzer Zug von Unglücklichen, mit Sachen beladen und auf die Festigkeit unseres Gebäudes vertrauend, mich bittet, ihnen bei uns Unterkunft zu gewähren. Das Feuer war hinter ihnen, der Regen fiel; was konnte ich machen? Ich lasse die Tür öffnen, durch die alle diese Leute sich stürzen. Ich versuche, ein wenig Ordnung in die Sache zu bringen; unmöglich. Bald sind alle unsere Zimmer dermassen überfüllt, dass es gefährlich gewesen wäre, noch mehr Leute hereinzulassen. Mit vieler Mühe lasse ich die Türen schliessen, und mit Hilfe unserer Bediensteten und einiger Personen von gutem Willen, bringe ich alle diese armen Leute unter und beruhige sie, mit dem Versprechen, sie einige Tage dort zu lassen und ihnen zu helfen. Die Nacht brach herein, die Leute waren hungrig. Wo Geld finden, •diese :J00 Personen zu speisen? Da kommen die Herren David Fresco, Direktor des ,.Tiemperu und Cohen, Präsident der Gemeinde Ortoköy. Sie sind von Herrn Fernandez hergeschickt worden, um sich über die Ausdehnung der Katastrophe zu informieren und mir die ersten Hilfsmittel zu übergeben. Sie geben mir 10 Pfund Sterling und versprechen morgen wiederzukommen. Ich lasse unverzüglich einige hundert Brode kaufen, auch Oliven und Käse, alles was man auttreiben konnte, und verteile alles ziemlich gleichmassig. Ich habe mich nicht eher zurückgezogen, als bis ich £ ah, dass diese armen Leute ein wrenig beruhigt waren. Jetzt denke ich an morgen. Was werden wir tun? Drei bis vier Notable von Hasköy haben sich mir angeschlossen, wir haben den Grossrabbiner Moise Levy von dem Unglück unterrichtet und ihn gebeten, unverzüglich Hilfe nachzusuchen. Ich werde Herrn Fernandez aufsuchen und ihn bitten, für uns tätig zu sein. Aber was Konstantinopel uns geben kann, wird lange nicht ausreichend sein. Es ist erforderlich, dass unsere europäischen Glaubensgenossen mit diesen Unglücklichen Mitleid haben, dass sie ihnen zu Hilfe kommen. Ich hoffe, dass unser Ruf bei ihnen Gehör findet, dass sie die armen Menschen nicht vor Kälte und Hunger sterben lassen, und dass sie ihnen helfen werden, wieder ein Heim zu errichten. Ich kann Ihnen für den Moment andere Einzelheiten nicht geben noch die Folgen übersehen, die für unsere Schule aus dieser Katastrophe entstehen werden.