Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Rumänische Vertragstreue
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 335 - 336 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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335 336 fcVv, V»' """Wffff aysdem Deutschen Bureau der ^«Kj Alliance Jsraelüte Universelle 1 no nr oTiPd | bmer *?D 1__ BERLIN.N 2A. 1 r 0ranienDurgerstr.4?43 ___ RUMAENISCHE VERTRAGSTREUE. Neuerliche Massenausweisung von Fremden aus Rumänien. Die rumänische Regierung, durch die Gleichmütigkeit ermutigt, mit der Europa der fortwährenden Verletzung des Berliner Vertrages hinsichtlich der Gleichstellung der Juden zusieht, hat jetzt offenbar den Präfekturen im Lande die Ordre erteilt, die in den Ruralgemeinden angesiedelten sogenannten „Fremden11, d. h. .Juden, unnachsiclitlich zu verfolgen und nicht einmal zuzulassen, dass mit ihnen Miets- und Pachtverträge ferner eingegangen werden. Von vertrauenswürdiger Seite aus Bukarest ist uns die Uebersetzung eines Rundschreibens zugegangen, das die Präfektur des Distriktes Jassy an die Bürgermeister der Ruralgemeinden gerichtet hat, und das, wenn es zur Ausführung gelangt, neuerlich Hunderte von Familien, die zum grossen Teile seit Generationen in Rumänien wohnen und keine andere Heimat haben, an den Bettelstab bringen wird. Das Schreiben lautet: Rumänien. Präfektur des Distriktes Jassy. Verwaltungsd ienst. 11)08, Februar 28. Herr Bürgermeister! Hinsichtlich der effektiven Anwendung des Art. 5 des Gesetzes über die Organisierung der Ruralgemeinden und der Erfüllung der Befehle der Präfektur mit Bezug auf die Absiedlung Fremder in den Ruralgemeinden lenke ich Ihre Aufmerksamkeit darauf, dass in Ihrer Gemeinde mehrere Fremde sind, welche die Bestimmungen des Gesetzes nicht erfüllen, und denen durch eine unverzeihliche Gleichgültigkeit gestattet, wird, in der Gemeinde zu wohnen. Andere wieder, bezüglich derer Beschlüsse bestehen, werden sicher infolge von Umständen geduldet, die ich hier nicht nennen kann, welche Sie aber in Ihrem Gewissen finden.!) So war es später, als Sie jene Beschlüsse vollstrecken sollten, noch schwieriger, denn durch die Nichterfüllung zur nützlichen Zeit wurden Umstände und Tatsachen gegeschaffen, welche die Vollstreckung verhindert haben. Ich mache Sie daher darauf aufmerksam, damit die Massnahmen, die von Ihren verlangt werden, schleunigst getroffen und befolgt werden, um die Vollstreckung herbeiführen zu können. Sie werden die Bestimmung des Gesetzes mit Bezug auf jene Fremden, denen ausserhalb des Gesetzes gestattet wurde, dauernd in der Gemeinde zu bleiben, sofort vollstrecken, und Sie werden die wider jene Fremden erlassenen Beschlüsse zur Vertreibung aus der Gemeinde sofort zum Vollzuge bringen, sobald die Frist, welche ihnen zur Regelung ihrer Interessen gewährt wurde, abgelaufen ist. Fm die obigen Befehle tatsächlich ausführen zu können, werden Sie alle Fremden ersuchen, vom 1. März an keinen Miets- oder Pachtvertrag oder irgend eine Verpflichtung mit den Einwohnern der Gemeinde einzugehen (!!!), um am Tage der Vollstreckung der Beschlüsse sich nicht in einer Klemme zu sehen. Indem ich Ihnen das auftrage, glaube ich, dass Sie keinen Anlast grben werden, Ihnen das umVr Hin zufüffunsf der disziplinarischen Massnahmen nochmals t-T. 0 ■, . 1 in Erinnerung bringen zu müssen. Für d. Präfekt.: C. Motet pp. DAS HILFSWERK IN MAROKKO. Aus Casablanca, 8. März 1908, ist von dem Alliance-Schuldirektor Is. Pisa folgendes weiteres Schreiben an das Central-Comite der Alliance Israelite Universelle gelangt: In der vergangenen Woche haben wir täglich 3—4 aus Mzab kommende israelitische Familien, zusammen 100 Personen aufgenommen, wodurch die Gesamtzahl auf 220 gebracht worden ist. Sie kommen in demselben bedauernswerten Zastand, wie ich ihn manchesmal geschildert habe, ans einer unwirtlich gewordenen Gegend, ihre Habe auf dem Rücken tragend. Sie werden auf Kosten der Alliance ernährt und untergebracht und wir verteilen sie in Gruppen von 5, 6 Familien in der Stadt. Seit einigen Tagen geht dieser Einwanderungsstrom überhaupt nicht mehr zurück. Das beweist, dass ein wahrer Auszug vom Lande nach der Küste begonnen hat. Ich weiss nicht, ob unsere Glaubensgenossen sich in die anderen Häfen geflüchtet haben, aber der grösste Teil kommt hierher, angezogen durch die Sicherheit, dass sie gut empfangen werden. Das Schaujagebiet ist durch Krieg und Feuersbrünste von Casablanca bis zu dem Wald von Arrar, der es im Osten begrenzt, vollständig verwüstet. Alle Israeliten, die sich hier befanden, sind zum Teil nach der Küste geflüchtet, zum Teil in das Innere, wo zahlreiche kleine Siedelungen kümmerlich ihr Leben fristen. In der Regel zeigen diese Siedelungen immer die gleiche Zusammensetzung: zwei oder drei Notable und ein Haufe armer Leute. Is. Pisa. Das Central-Comite in Paris hat nach Meknes (Marokko), wo die Lage unserer Glaubensgenossen als äusserst misslich dargestellt wird. 2000 Francs telegraphisch überwiesen.