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Ost und West · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. Seite 275 - 276

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
Die Falaschas
Date
1908-04-01
Page
Seite 275 - 276 (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Falaschas. 276" „Vom französischen Konsul in Amtstracht geleitet, sind wir vom Negus Menelik in feierlicher Audienz empfangen ^worden. Ich habe die Adresse verlesen, mit deren Überreichung Sie mich beauftragt haben, und einen Vortrag angefügt. Der Negus schien sehr erfreut von dem Geschenk, das ich in Ihrem Namen tiberreichte, und bat mich, der Alliance dafür seinen Dank auszusprechen. Der Negus wird uns Schutzbriefe geben." MORITZ I. BIELEFELD. Wir haben bereits in voriger Nummer des Ablebens des Herrn Moritz I. Bielefeld in Mannheim, Mitglieds des Central-Comites der Alliance Isiaelite Universelle, Erwähnung getan. Es sei uns gestattet, die nachfolgenden Zeilen dem Gedächtnis unseres Heimgegangenen Freundes und Beraters zu widmen. Moritz Bielefeld stand kurz vor der A7ollendung seines 94. Lebensjahres, als der Tod ihn aus dem Kreise seiner Familie und seiner Freunde hinwegriss. Nur Freunde latte der A7erblichene! Moritz Bielefeld war in Karlsruhe geboren und entstammt einer der geachtelten jüdischen Familien seines engeren Vaterlandes. In frühen Jahren schon widmete er sich dem rabbinischen Studium und pflegte auch später als Geschäftsmann seine bedeutenden Kenntnisse der hebräischen Literatur. Seine umfassende Bildung, sein nie versagender Humor und andere hervorragende Eigenschaften brachten ihn in Verkehr mit vielen ausgezeichneten Persönlichkeiten, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts vielfach in der Oeffentlichkeit von sich reden machten. In den vierziger Jahren etablierte er sich in Mannheim. In dieser Periode gingen die politischen Wogen in Baden, und besonders in Mannheim, hoch. Bielefeld war ein Rufer im Streite, Freund aller Koryphäen, intim mit Hecker und vielen Anderen. Für das Volkswohl unausgesetzt tätig, schuf er im Jahre 1847 einen Markt für Arme. Für diesen Markt liess er Nahrungsmittel aus der Ferne herbeischaffen und an die Armen zu Selbstkostenpreisen verkaufen. Eine Öffentliche Kasse, die d^ni damaligen Kreditbedürfnis kleiner Leute entgegenkam, war sein Werk; sie besteht noch heute. Als die Revolution niedergeworfen war, wurde der Boden den Freiheitsmännern zu heiss. Aufm Moritz Bielefeld verliess Mannheim und ging nach Havre, wo er sich etablierte. Dort gewann er bald so hohes Ansehen, dass er zum Meister vom Stuhl der Freimaurer gewählt wurde. — Im Kriege 1870 wurde er als Deutscher ausgewiesen und kehrte na<:h Mannheim zurück. Hier betrieb er mit seinem Bruder zusammen längere Jahre einen Tabakhandel. Bis ins höchste Greisenalter hat Moritz Bielefeld sich auf dem Gebiet der Humanität unermüdlich betätigt. Sein liebenswürdiges Wesen liess ihn zum Liebling Aller werden, sowohl der israelitischen als auch der nichtisraelitischen Mitbürger. Wie hoch er in der Achtung der Mannheimer Bürgerschaft stand, beweist die Tatsache, dass er schon im Jahre 1848/49 als höherer Offizier der Bürger wehr angehörte. Er wurde hochgeschätzt und geliebt von den hervorragendsten Männern der Stadt. Anstalten aller Art be/.eugen seine Für>orge für das Wohl der Allgemeinheit. Sein grundgütiges Wesen, das kein Arg kannte, schuf in jeder Weise Gutes. Der Alliance Israelite Universelle und ihren Werken war er ein besonders eifriger Freund und Förderer, für sie setzte er sich ganz und gar ein. Und wenn die Alliance Israelite Universelle in Mannheim eine ausserordentlich stattliche ZM von Mitgliedern aufweist, so ist das mit das Ergebnis jahrelanger treuer Arbeit des Heim gelange nen für die von ihm so eifrig und mit ganzer Seele vertretene Sache der Alliance. Seine Mitgliedschaft im Certral-Comite machte ihm innige Freude, und bis zuletzt lag das Bliilien und Gedeihen der Alliance ihm besonders am Herzen. Das ist das Bild des bedeutenden Mannes, der nun geschieden ist. Zur Vervollständigung sei noch gesagt, dass sein enormes Gedächtnis, sein Erzählertalent ihm bis in die letzten Tage treu geblieben waren. Jedem, der diesen stattlichen edlen Greis gekannt hat, wird Moritz Bielefeld unvergesslich bleiben. Er ruhe in Frieden! Abschluss der Hilfsaktion für die Opfer der Exzesse in Rumänien. Ln der jüngsten Plenarsitzung der „Israelitischen Allianz zu Wienu machte der Vorsitzende Herr David R. v. Gutmann die Mitteilung, dass die gemeinsame Aktion der Hilfsorganisationen zugunsten der bei den Exzessen in Rumänien im Frühjahr 1907 geschädigten Juden bereits abgeschlossen ist und die Sehlussabrechnungen sämtlicher rumänischer Comites vorliegen. Dagegen sei die im Herbst begonnene Hilfsaktion für die aus den Dörfern vertriebenen Familien noch schwebend. An ihr sind mit je einem Drittel der Kosten beteiligt die Israelitische Allianz zu Wien, die Alliance Israelite Universelle, mit je einem Kapital der Hilfsverein der deutschen Juden und das Hilfscomite für die osteuropäischen Juden in Frankfurt a/M. Unabhängig von dieser Aktion wurde das separate Hilfswerk der Wiener Allianz aus eigenen Mitteln geleitet. Dem eingehenden Berichte des Sekretärs Herrn Dr. Kaminka über den finanziellen Stand der diversen rumänischen Hilfswerke ist zu entnehmen, dassdie Aktion für die Geschädigten insgesamt 584 204,85 Kronen erfordert hat, wovon ungefähr die Hälfte durch das Centralcomite in Jassy und die ihm unterstehenden Subcomites in Roman und Vaslui, ferner ca. 235 000 Franks durch Herrn Astruc und das Comite in Bukarest, 87 000 Kronen durch die Filiale der Israelitischen Allianz in Czernowitz für die Bezirke Burdujeni und Bucecea zur Verteilung gelangt sind. Eingegangen sind zugunsten der gemeinsamen Aktion für den rumänischen Centraifonds von der Allianz zu Wien 87 500 Franks, von der Alliance Israelite Universelle 87 500 Franks, vom'Hilf.«^verein in Berlin 58 o3i Fr., vom HilfM-omite in Frankfurt a/M. 29 166 Franks, vom Comite in London 30 829 Kronen, aus New-York vom rumänischen Hilfscomite 176 591 Franks, aus Phila-

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