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Ost und West · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. Seite 271 - 272

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
Das Hilfswerk in Marokko
Date
1908-04-01
Page
Seite 271 - 272 (sequence 2)
Language
German
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271 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das Hilfswerk in Marokko. 272 den Bericht, den ich Ihnen vor wenigen Tagen geschickt habe und fügten einige Einzelheiten hinzu, die absolut zutreffend befunden worden sind: Bei dem Abmarsch der Franzosen nach der ersten Besetzung von Settat warfen sich die Araber auf den Mellah mit der Absicht, die Juden zu vernichten, weil sie die französischen Truppen begrüsst härten. Etwa 40 Israeliten wurden gerötet. — Dem Moiden wurde erst ein Ende bereitet, als Scheik Omar in Person '/um Schutze des Mellah sich dort einfand und eigenhändig einen Plünderer tötete, um offenbar zu machen, dass er die Räuberei nicht dulden wolle. Dank dieser Haltung wurde den Übriggebliebenen das Leben gerettet. Scheik Omar hat mir versichert, dass viele Juden jenseits Set tat zurückgeblieben sind und wahrscheinlich nach dem zweiten Abmarsch der Franzosen den Tod gefunden haben. Scheik Omar, der von den französischen Truppen gefangen genommen und dann wegen seiner loyalen Haltung wieder in Freiheit gesetzt worden war, ist im Begriff, na<',h Settat zurückzukehren. Er wird mir schreiben, ob die Rückkehr der Israeliten dorthin möglich sein wird. Is. Pisa. Casablanca, 25. Februar 1908. Ich habe die schmerzliche Aufgabe, von einem Unglück zu melden, dessen Opfer unsere Glaubensgenossen von Mzab geworden sind. Am 17. d. Mts, kamen die Truppen des Generais d'Amade bei ihrem Zug gesen die Mdakras am Fuss der Hügel nahe bei Mzab an. Der Kaid der Kasbah Ben-Ahm« d, der vo'kreichsten des Mzab und dir; die meisten Israeliten in sich schliesst, erklärte den französischen Behörden seine Unterwerfung. Am Tage darauf übten die anderen Bewohner des Mzab Vergeltung, indem sie jene Kasbah ausraubten, die beiden Juden viertel St^in für Stein zu Grunde richteten, eine grosse Anzahl von Israeliten umbrachten und die übrigen wie eine H^rde Vieh über die Felder wegführten. Diese Nachrichten sind mir amtlich bestätigt worden. Nach Auskünften von Eingeborenen haben die meisten israelitischen Einwohner jener Kasbah, einige hundert an der Zahl, sich nach Casablanca gewendet. Eine beträchtliche Zahl soll sich auch nach anderen Kasbahs geflüchtet haben. Ich empfing gestern wieder einen aus 50 Personen bestehenden Vortrupp, von deren Entblössung man sich eine Vorstellung machen kann, wenn mau an das Elend denkt, an das die Bevölkerung gewöhnt ist, und an die Drangsalierungen, deren Gegenstand sie ganz besonders seit einiger Zeit bildet, sowie an den langen Weg, der bis Casablanca zurückzulegen war. Ich habe für die Israeliten von Mzab dieselben Massnahmen ergriffen, wie für die Israeliten von Settat: Unterkunft und Unterhalt für einige Wochen, Kleidung, Arbeirsbesorgung für die Männer und allmähliche Verteilung der Familien. Ein drittes Kontingent von Flüchtlingen aus Settat, das am 16. d. Mts. angekommen ist, brachte die Gesamtziffer auf 315. Wir haben sie alle gekleidet, ihnen Obdach und Nahrung gegeben. Vom 21. d. Mts. an haben wir angefangen, sie in der Stadt zu verteilen, um Raum zu gewinnnen für die Unglücklichen, die aus Mzab kommen sollten. Em erster Versuch, den wir mit 10 Familien machten, bewies uns, dass sie Arbeit und Wohnung finden konnten. Auf diese Weise haben wir in 4 Tagen über 50 Familien untergebracht. Den Rest von etwa 40 Familien werden wir im Laufe dieser Woche versorgt haben. Ungefähr 10 Greise, die zu keiner Arbeit fähig sind, bleiben in der Liste für wöchentliche Unterstützungen, die von Gemeinckweiren an die Armen verteilt werden. Für die Flüchtlinge von Mzab haben wir dieselben Massnahmen gttroffen. Is. Pisa. Casablanca, 29. Februar 1908. Zu den 50 Isiaeliten aus Mzab, die sich nach der Ausraubunsr der Kasbah hierhergeflüchtet hatten, haben sich am 26. und 28. noch zwei weitere Züge hinzugesellt. Die Zahl der aus Mzab Geflüchteten ist dadurch auf 115 erhöht worden. Die neuen Ankömmlinge sind in denselben beklagenswerten Zustand, wie die vorher Eingetroffenen; viele von ihnen versicherten mir, dass sie in Mzab eine gewisse Freiheit genossen, uud dass die Araber sie all ihrer Habe beraubt hätten. Beinahe; alle sind arbeitsunfähig, denn die meisten sind alte Leute, und die übrigen verfügen nicht über die physische Kraft, die schwere Arbeit des Ausladens zu ertragen. Es wird notwendig sein, dass wir sie wochenlang ernähren, um sie wieder ein wenig zu stärken. Wir haben sehr grosse Ausgaben für die Israeliten von Mzab, weil wir ihre Führer und ihren Transport von Casablanca bezahlen müssen. Glücklicherweise haben wir die Erlaubnis erhalten, zu diesem Zwock aus den von Tanger geschickten Fonds zu schöpfen. Alle 115 Israeliten haben Wäsche erhalten; sie werden untergebracht und auf unsere Kosten ernährt werden, bis wir sie in der Stadt verteilen können. Ts. Pisa. 28. Februar 1908. Eine kleine Gruppe von 10 Familien, bestehend aus 36 Personen, ist heute morgen aus dem Gebiet von Mdakra angekommen. Sie wrohnten und lebten in dieser Gegend in Flieden mit den Arabern. Aber da das Land von einem Ende zum andern durch den Kries* verwüstet ist, haben sie sich entschlossen, nach Casablanca zu kommen, wo, wie man ihnen gesagt hatte, die Israeliten gut aufgenommen würden. Wir haben diese Unglücklichen aufgenommen und werden ihnen dieselbe Fürsorge an gedeihen lassen, wie unseren Glaubensgenossen von Mzab. Ts. Pisa. DIE ALLIANCESCHULEN IN KAIRO. Ein angesehener Glaubensgenosse, der soeben von einer Reise nach Kairo zurückgekehrt ist, hat an den Vorsitzenden der Deutschen Conferenz-Genossenschaft unter dem 6. März ein Schreiben gerichtet, aus dem nachstehendes, das für weitere Kreise Interesse hat, wiedergegeben sein mag: „ . . . Gleichzeitig erlaube icli mir, Ihnen ergebenst mitzuteilen, dass ich während meiner Anwesenheit in Kairo den dortigen Allianz-

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