Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Die fünfte Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 193 - 194 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2583967-2583971-2597923--08151-2597987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
193 194 n\\vvk.......""ilfflft w MITTEILUNGEN m ausdem Deutschen Bureau der no nr o^t; Berum.in 2A. Allfance Jsraelite Universelle ^k-iet1 "?D 0ranient>urgersfn4?<} DIE FUENFTE TAGUNG DER DEUTSCHEN CONFERENZ - GEMEINSCHAFT DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE am 25. Februar 1908 in Berlin. Am 25. Februar d. J. hat die fünfte Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft in Berlin unter dem Präsidium der Herren Geheimrat Goldberger- Berlin und Charles L. Hallgarten-Frankfurt am Main stattgefunden. Die Teilnahme war überaus rege und lebendig. Zur Beratung waren folgende Gegenstände gestellt: 1. Rechenschafts- und Arbeitsbericht des Präsidiums für das Jahr 1907 und Arbeitsplan für 1908 (§ 9 der Satzungen). 2. Bericht der Mitglieder über ihre Bezirke. 3. Weiterer Ausbau der Organisation der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft und Anträge; Bildung von Frauen-Komitees. 4. Professor Philippsons Angriffe. 5. Beschlußfassung über etwaige an die Centrale nach Paris zu richtende Anträge. (§ 2 der Satzungen.) 6. Die Stellung der Deutschen Conferenz-Gemein schaft zu anderen jüdischen Organisationen im Inlande und jüdische Tagesfragen. Da das vorliegende Märzheft von „Ost und West" bereits am 25. Februar abgeschlossen ist, so müssen wir uns eingehenden Bericht über den erhebenden Verlauf für das Aprilheft vorbehalten. Als eine Art weihevollen Präludiums sei hier aus einem Schreiben, das Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen in Marburg an den Vorsitzenden der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft Herrn Geheimrat Goldherger gerichtet hat, nachstehendes wiedergegeben: ,,,.. Ich darf wohl diesen Anlaß benutzen, um Ihnen über den Schmerz zu berichten, mit dem ich es beobachtet habe, wie wenig man in unseren Kreisen noch immer von der Notwendigkeit einer internationalen Verbindung der Judenheit Verständnis erlangt hat. ... Neben der Pflicht eines jeden Kulturlandes muß die universelle israelitische Allianz aufrecht bleiben, weil sie in dieser großen Frage der allgemeinen Kultur das Prinzip des Völkerrechts vertritt. Hier zeigt es sich, daß das Judentum die messianische Religion ist. Es ist daher ein Angriff in das Herz des Judentums, wenn uns die Pflicht bestritten wird, die Völkerverbrüderung anzurufen, um die Religion, welche die Idee der sittlich einigen Menschheit lehrt, und zu deren Glaubenssätzen ihre Verwirklichung gehört, vor den schwersten Angriffen zu schützen und an bedrohtesten Punkten ihr geschichtliches Dasein zu hüten und zu heben. Es ist ein unauslöschliches Verdienst in der Geschichte der Juden, welches die A11 i a n c e I s r a e 1 i t e Universelle für ewige Zeiten erworben hat. Ich erinnere mich lebhaft und genau des Eindrucks, den das Sinnbild, welches in zentraler Einsicht ihre Gründer gewählt haben, in der Jugendzeit auf mich gemacht hat. und dieselbe Rührung ergreift mich heute, so oft ich die Berichte mit diesem Sinnbild erblicke. Die Mahnung, welche die Alliance in diesem Worte unserer Weisen — ganz Israel bürgt füreinander—an die Juden der Welt ergehen läßt, ist eine Mahnung der sittlichen Kultur der Menschheit. Alle Menschen sind „Bürgen"* des Reiches der Sittlichkeit. Und indem, wir als Israeliten diese? Bürgschaft bekennen, so ist es nur die allgemeine sittliche Verpflichtung, die wir damit auf uns nehmen. Wir übernehmen nicht die Bürgschaft für Macht und Ehren, sondern für Verfolgung und Elend, aber als Israeliten, in dem Glauben an unsere sittliche Wahrheit und in der Zuversicht auf die fortschreitende Anerkennung unseres Reddes und unseres Glaubens; unseres Glaubons als einer sittlichen Wahrheit. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, als alles Mitglied der Alliance meine Herzensmeinung auszusprechen, und ich bitte Sie um freundliche Annahme derselben. Mit innigen Wünschen für das fernere Wachsen und Blühen unserer Alliance bin ich in vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener H. Cohen/'