Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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A OsF^esr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 3. März 1908. Till. Jahrg. DIE KONSISTORIAL-VERFASSUNG IN FRANKREICH VOM 17. MAERZ 1808. Das Mittelalter und auch die späteren Jahrhunderte bis zum Anbruch der neuesten Zeit haben soviel zur Knechtungdes jüdischen Volkes und zur Herabsetzung des Judentums beigetragen, dass es noch kurz vor dem Ausbruch der französischen Eevolution selbst den wärmsten Verteidigern der Juden kaum durchführbar schien, in den europäischen Staaten die Juden in die bürgerliche Gesellschaft aufzunehmen. Und wenn auch hie und da mancher menschenfreundliche Vorschlag gemacht wurde, dieses merkwürdige Volk aus seiner Knechtschaft zu befreien und aus seiner tiefen Erniedrigung herauszureissen, für das Judentum selbst erhob sich im Zeitalter der Auf Klärung keine Stimme der Verteidigung. Es ist keine Uebertreibung, wenn gesagt wird, dass zu keiner Zeit das Judentum als Religion und als kulturgeschichtliche Erscheinung so wenig gekannt und soviel verkannt war wie in jener Epoche, in welcher ein grosser Teil der Menschheit bereits von den humanen Ideen beherrscht war. Das Judentum, das doch mitten unter den zivilisierten Völkern fortlebte, war damals auch den gebildetsten und vorurteilslosesten Menschen völlig unbekannt; esmussteerst gleichsam von einem Wust gehässiger Vorurteile befreit werden, um eine gerechte Würdigung zu finden. Auch dies schien geradezuunmöglich. Denn christliche Forscher und Gelehrte standen dieser Erscheinung gegenüber verständnislos da, selbst Von Dr. Simon Bernfeld. Nachdruck verboten. die wenigen unter ihnen, die sich mit der Erforschung des Judentums befassten, taten es zumeist nur in der Absicht, das vermeintlich Hässliche und Gehä^si^e in ihm aller Welt blosszulegen, oder im besten Falle, indem sie es als ein Kuriosum behandelten. Und die Juden selbst wiederum waren gerade in jener Zeit von dem kulturellen Leben soweit entfernt und vom historischen Bewusstsein so völlig losgelöst, dass sie die Verteidigung des Judentums der Aussenwelt gegenüber zu übernehmen ganz unfähig waren. Die grosse französische Eevolution, welche den mittelalterlichen Staat und die mittelalterliche Gesellschaft zertrümmert hat, bildet auch in der Geschichte des jüdischen Volkes und des Judentums eine grosse Epoche. Allerdings, leicht war es auch damals nicht, die alten Vorurteile gegen die Juden zu entwurzeln, und obwohl in der N;icht vom 3. zum 4. August 1789 die Menschenrechte feierlichst pro »* la miert Ansicht vom inneren in der Rue Notrz^Dame Eingang zum Tempel de Nazareth in Paris, 1822. waren, gab es noch später in derfranzösischen Volksvertretung erregte 1 Debatten darüber, ob die Juden als gleichberechtigte Bürger der neu geschaffenen bürgerliehen Gesellschaft zubehaudeln seien. Ein Zeitgenosse meinte damals, die Vertreter des französischen Volkes hätten wohl die Menschenrechte verkündet, ohne dabei aber festzustellen, wer als M»'ii>ch zu achten sei. In essen siegte doch der klare Menschenverstand und d;is