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Ost und West · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. Seite 141 - 142

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Fürst Urussow über die J. C. A.
Date
1908-02-01
Page
Seite 141 - 142 (sequence 2)
Language
German
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141 Mitteilungen der Aliiance Israelite Universelle: Fürst Urussow über die J. C. A. 142 daß irgendwo in der Schweiz eine Kuh, die „schwarze Jette'ihrem Besitzer 400 Eimer Milch im Jahre geliefert, und daß ein französischer Agronom 160 Zentner Weizen von einem Morgen geerntet hätte, dachte aber niemals daran, solche Resultate auf meiner eigenen Besitzung zu erzielen. Ich hatte viel davon gehört, daß der Landmann durch Arbeit und Kunst den Sieg über die Natur davontragen könne, hatte ausländische Gemüse- und Fruchtgärten rühmen hören, in meiner eigenen Wirtschaft war der Verlauf aber stets der, daß nicht ich die Natur beherrschte, sondern sie mich, und deswegen erschien mir das skeptische Verhalten nicht nur der russischen Bauern, sondern auch der russischen Gutsbesitzer gegen alle gelehrten Agronomen stets entschuldbar und begreiflich. Die staatlichen Anstalten, die Schulen der einzelnen Ministerien und die Versuchsstationen, die ich zu sehen Gelegenheit hatte, flößten keinem Landwirte ihrer Gegend den Glauben an den fortschreitenden Sieg der neuen landwirtschaftlichen Theorien ein. Das aber, was ich in der Jewish Colonisation Association sah, ließ mich an die Möglichkeit der Anwendung wissenschaftlicher Theorien bei der Bodenkultur glauben, und ich gab mir zum erstenmal klar Rechenschaft darüber, daß landwirtschaftliche Werke nicht nur eine angenehme Lektüre zur Anregung der Phantasie seien, sondern auch eine ganz reale Macht. Auf den 30 Morgen aufgelockerter schwarzer Erde der Pflanzschule war nicht ein Unkraut zu sehen. Auf den kleinen und großen Beeten, die durch schmale Pfade voneinander getrennt waren, standen in Reih und Glied, gerade wie Pfeile, kräftige schlanke Apfel- und Birnbäume verschiedenen Alters und verschiedener Sorten; nicht einen krummen, nicht einen kranken, nicht einen im Wachstum zurückgebliebenen sah man da; alles wuchs auf Kommando und nach der Zeichnung. Die zum Fruchttragen bestimmten Reben wagten nicht, in die Höhe zu wachsen, sondern schmiegten sich als zarte Zweige mit kleinen Blättern an den Boden; auf der anderen Wegseite aber waren die Rivalinnen, einjährige Reben, die zur Veredelung dienen sollten, an Pfähle gebunden, die etwas dünner waren als Telegraphenstangen, die sie gegen Ende des Sommers vollständig umrankten und mit ihren großen Blättern dicht bedeckten. Die Früchte an den ausgewachsenen Bäumen waren fleckenlos, glatt, am ganzen Baume gleich, und ihre Sorten waren, abgesehen von den Namensschildern, wegen vollständiger Übereinstimmung mit den Bildern im Obstatlas leicht zu bestimmen. Die Musterdörranstalt für Früchte und Gemüse und ebenso die Konservenfabrik, die ich in vollstem Betriebe traf, gaben mir Gelegenheit, die hier eingeführte Konservierungsmethode der Gartenprodukte in Augenschein zu nehmen, und mich an Ort und Stelle von der Sauberkeit der Zubereitung und den vorzüglichen Eigenschaften aller Produkte zu überzeugen. Einen hochinteressanten Anblick boten die Juden selber, größtenteils junge Leute, durch deren Arbeit ausschließlich das Land bestellt, die Gewächse gepflegt und die Konserven zubereitet wurden. Da sah man keine scheuen, hageren Gesichter, keine dürren, krankhaften Formen, keine schüchternen, unsicheren Bewegungen. Die rotbäckigen, braunen Jünglinge mit glänzenden Augen, breiten Schultern und muskulösen Armen, die ich in der J. C. A. sah, erinnerten mich an die jüdische Erzählung von den kräftigen Feldarbeitern, welche die Bibel den sanften, in Zelten lebenden Menschen gegenüberstellt." Das grossartige Werk der J. C. A. besteht seit Jahren. — Ein russischer Gouverneur mußte seine Memoiren schreiben, damit die breite Öffentlichkeit etwas davon erfuhr. Sammlung für die marokkanischen Glaubensgenossen. Für die marokkanischen Glaubensgenossen sind dem Deutschen Bureau weitere Spenden zugegangen, über die, im Anschluss an die in den früheren Nummern von „Ost und West" veröffentlichten Listen, nachstehend mit Dank quittiert wird: Berlin: Noe Warschawski 10 —, L. Kosenbaum 50,—. Cannstatt: Durch J Mezger 32,90. Cassel: (Durch J.Mecca) Oberlandesgerichtsrat Sommer 10,—. Froiburg i. B.: (durch Alfred Burger) von 8 Spendern 17—. Leipzig: Ad. Goldwasser 3.—. Posen: Durch Louis Calvary 134.— . Komm.-Rat Leopold A. Out mann in Göppingen. Mit dem am 8. Januar a. c. in Göppingen aus dem Leben geschiedenen Komm.-Rat Leopold Gut mann hat das deutsche Judentum eines seiner hervorragendsten Mitglieder verloren. Jederzeit ein treu begeisterter und opferwilliger Glaubensgenosse, war er seit mehreren Jahren mit besonderem Eifer und Erfolg bemüht, als Vertrauensmann der Aliiance Israelite Universelle deren Interessen in der Göppinger Israel itengemeinde zu vertreten und zu fördern. Geboren am 24. März 1850 in Jebenhausen, genois er eine vielseitige gründliche Ausbildung und trat dann als Mitchef in die von seinem Vater gegründete weltbekannte Firma A. Gutmann & Co. in Göppingen und Hechingen. Seine hervorragende Begabung auf kommerziellem Gebiet brachte ihn bald an die Spitze des Göppinger Handels- und Gewerbe- Vereines und in die Reutlinger Handelskammer, wo seine Vorträge und Referate sehr geschätzt waren. Vor acht Jahren wählte ihn die deutsche Volkspartei auch in den Göppinger Gemeinderat, dem er bis an sein Lebensende angehörte. Nebst zahllosen Vereinen verlieren insbesondere die Armen ohne Unterschied der Konfession in ihm einen selten edlen und hochherzigen Wohltäter. Am 10. Januar fand die Beerdigung im benachbarten Jebenhausen statt. An 2000 Personen hatten sich dazu eingefunden, Herr Rabbiner

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