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Ost und West · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. Seite 139 - 140

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Die Falaschas
Date
1908-02-01
Page
Seite 139 - 140 (sequence 2)
Language
German
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139 Mitteilungen der Alliance Israälite Universelle: Die Falaschas. 140 Kriegszustand und sonstige schwierige Verhältnisse vei hinderten den Forscher, seine Mission vollständig auszuführen. Er hat aber trotzdem zahlreiche interessante Dokumente über das Leben dieser Israeliten mitgebracht, die seit Jahrhunderten keine Berührung mehr mit ihren Stammesbrüdern gehabt hatten. Er hatte sogar einen jungen Falascha mitgebracht, der. in der orientalischen Normalschule der Alliance in Paris untergebracht wurde, nach einiger Zeit aber in seine Heimat zurückgeschickt werden musste, weil er das Klima nicht vertrüg. Seit jener Zeit haben schon verschiedene Reisende versucht, mit den Falaschas in Beziehung zu treten, aber die Schwierigkeit der Verbindungen nach dem Innern der von den Falaschas bewohnten Provinzen nicht überwunden, und so blieb man in fast vollständiger Unkenntnis über ihre tatsächlichen Lebensbedingungen. Vor drei Jahren hat ein Schüler desHerrnHalevy,NamensFaitlo witsch, wiederum den Versuch gemacht, bis zu ihnen vorzudringen. Die Forschungen mussten sich wieder auf den Besuch einiger Falascha-Dörfer beschränken, und er konnte die Provinz Goudau nicht besuchen, in der zur Zeit die grösste Anzahl jüdischer Falaschas sich befindet. Er brachte zwei jüdische Leute mit, die ebenfalls in der orientalischen Schule aufgenommen wurden und sich sehr schnell mit der europäischen Kultur befreundeten. Sie lernten hier die den Falaschas vollständig unbekannte hebräische Sprache. In ihrem Jahresbericht von 1905 hat die Alliance die Ergebnisse dieser Eeise veröffentlicht. Nach der Rückkehr des Forschers Faitlowitsch wurde das Interesse der europäischen Juden für die Falaschas neu erweckt, und an verschiedenen Stellen bildeten sich Organisationen mit dem Zweck, die Verbindung mit ihnen zu versuchen. In Italien hatte sich unter dem Vorsitz des Grossrabbiners Dr. Margulies von Florenz ein Komitee „Pro Falaschas" gebildet, das bestrebt war, alle wohlwollenden Elemente zu sammeln, die für das Wohl dieser isolierten Glaubensbrüder tätig sein wollten. Auf die Aufforderung, sich diesem Werk anzuschliessen, erklärte die Alliance natürlich ihre vollständige Bereitwilligkeit. Ehe sie aber an die Prüfung der geeigneten Massregeln zur Hebung und Unterstützung der Falaschas ging, schien es dem Central-Comit6 nötig, sich über die wahre Lage der Falaschas, besonders über ihre Zahl und ihre geographische Verteilung zu unterrichten. Nebenbei mag hier bemerkt werden, dass die Angaben über die Zahl der Falaschas bei den einzelnen Forschern und Schriftstellern bedeutend schwanken. Manche schätzen die Bevölkerung auf 100000 Seelen, andere behaupten, es wären kaum 20000. Man muss also zugeben, dass vor der Prüfung und dem Beginn eines Hilfswerks man erstens die annähernd genaue Ziffer der Falaschabeyölkerung kennen müsste, sodann, und dieser Punkt ist ebenso wichtig und noch gar nicht aufgeklärt—müsste man erfahren, ob die Falaschas in grossen volkreichen, dicht beisamen liegenden Ansiedelungen leben, oder ob sie, wie von anderer Seite behauptet wird, in kleinen Abteilungen von 10 bis 40 Familien in weit auseinander liegenden Dörfern verstreut wohnen. Von dem Ergebnis dieser einfachen Prüfung wird die Bedeutung des Werkes abhängen, das man zu gründen beabsichtigt. Ein an Ort und Stelle betriebenes, eingehendes Studium der Sitten, der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, der Bedürfnisse, der Kultur und der geistigen Regsamkeit der Falaschas müsste als Basis für die Art der zu schaffenden Einrichtungen dienen. Die Alliance hat beschlossen, vor Beginn jeder diesbezüglichen Unternehmung diesesProblem endgiltig aufzuklären. Sie hat sich zur Entsendung einer Mission entschlossen, die nach Abessynien gehen soll, um .die oben angegebenen Fragen zu prüfen, das Falascha-Problem nach allen Richtungen zu studieren, und besonders den wahren Ursprung dieses Volkes aufzuhellen und seine Geschichte festzustellen, die eine der schmerzlichsten und traurigsten, aber von hohem Heldentum und vornehmster Glaubenstreue zeugende sein soll. Die Alliance hat diese Mission Herrn Nahoum übertragen, einem ehemaligen Schüler des jüdischen Seminars in Frankreich und der Lehranstalt für die lebenden orientalischen Sprachen. In den ersten Tagen des Januar hat sich Herr Nahoum in Begleitung des jungen Arztes Herrn Eberlin eingeschifft. Die Protektion des Negus ist für die Mission nachgesucht worden, und der äthiopische Herrscher hat den Wunsch ausgesprochen, die Abgesandten der Alliance in seiner Residenz zu Addis-Ababa zu empfangen Sie sind jetzt nach der Hauptstadt unterwegs und werden dem Kaiser eine Adresse überreichen, die das Central-Comitö ihnen im Namen der Juden Europas und Amerikas übergeben hat. FUERST URUSSOW UEBER DIE J. C. A. N hH k „ t J Nachdruck verboten. Fürst S. D. Urussow, der in kritischer Zeit ist, nachstehenden Abschnitt über ein landwirtschaft- Gouverneur von Bessarabien gewesen ist, hat liches Institut, das die Jewish Colonisation Association „Memoiren eines russischen Gouverneurs" veröffentbei Kischenew geschaffen hat und Unterhält: licht. (Die deutsche Ausgabe ist im Verlag der Deut- „Der praktische Landwirt nährt gegen landschen Verlagsanstalt in Stuttgart erschienen.) Wir wirtschaftliche Theorien stets ein gewisses Mißentnehmen dem Buch, das in allen Teilen lesenswert trauen. Ich hatte einst mit Vergnügen gelesen,

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