Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Briefe des Herrn Elamleh, Direktors der Allianceschule in Mazagan
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 125 - 126 (sequence 3)
- Language
- German
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125 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten in Marokko. 126 Das neue Heim der Alliance Israelite Universelle in Paris. 5. Die Hilfssekretäre. Halff. Villard. Benedict. Ich teile Ihnen mit, dass wir am Sonntag, 11. Kislew, abends von den Arabern ausgeraubt worden sind. Die Israeliten wurden misshandelt und geplündert. Mir und meiner nächsten Umgebung ist Bettung nur durch ein Wunder der Vorsehung zuteil geworden. Nach der Plünderung brannten die Araber den Mellah und die Kaufläden nieder. Die Israeliten sind über die Dörfer zerstreut, ihre Lage ist herzzerreissend; eine gewisse Zahl von ihnen ist bei den Arabern, doch die meisten irren von Dorf zu Dorf. David Amar. Briefe des Herrn Bensimhon, Direktors der Allianceschule in Larache, über die Ereignisse in Fez. Larache, 22. Dezember 1907. Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, dass die gestern und heute aus Fez angelangten Nachrichten sehr beunruhigend sind und die Lage unserer Glaubensgenossen als sehr kritisch erscheinen lassen Nachstehendes habe ich in einem Brief gelesen, der an einen hiesigen Kaufmann gerichtet worden ist: „Am Mittwoch, 19. d., gegen Mittag brach ein allgemeiner Aufstand aus, geleitet von der Gilde der Gerber, die durch ihre Wildheit bebekannt sind. Die Bewegung richtete sich gegen den Maghzen, um ihn zur Aufhebung der Hafenzölle und anderer Abgaben zu zwingen, aber die ersten Opfer waren die Israeliten. Etwa 2000 Aufständische überschwemmten die von Israeliten geleitete Tabaksregie, legten Feuer an undj plünderten andere Vorratshäuser. Die Israeliten warfen sich in unbeschreiblichem Schrecken über die Terrassen und konnten den Mellah gewinnen/' Die Lage ist um so schwieriger, als die Behörden keine Macht besitzen, die Unruhen zu unterdrücken. Die Stadt, sagt der Brief, ist bestürzt, der Mellah geschlossen und belagert, und alle Israeliten sind der Gewalt dieser Banden überantwortet. Einzelheiten fehlen. Man sieht voller Angst weiteren Meldungen entgegen. Larache, 26. Dez. 1907. Ich habe die Ehre, Ihnen zu melden, dass die jüngsten Nachrichten aus Fez die Lage unserer dortigen Glaubensgenossen als minder gefährdet schildern. Die Beruhigung, von deren Eintritt uns berichtet wird, lässt auf baldige Wiederherstellung der Ordnung hoffen. Die Ulemas und die Notabein haben energische Massregeln getroffen, da ihnen bewusst war, welche Gefahren Unruhen dieser Art über die scherifische Hauptstadt bringen konnten. Eine unter den tapfersten und ergebensten Anhängern des Sultans Mulay Abd-El-kziz ausgewählte Miliz wurde organisiert und über alle Stadtteile verteilt; der Mellah, diese leichteste und begehrteste Beute der Spitzbuben, wurde der Verteidigung von 200 Arabern übergeben, deren Ernährung: und Besoldung den Israeliten obliegt. Nachstehende Einzelheiten der traurigen Ereignisse sind einem Brief vom 20. Dezember entnommen: „Eine wahre Katastrophe, schrecklicher noch als die, von der Casablanca heimgesucht wurde, bedrohte uns am Mittwoch den 18. v. M. Wir waren ruhig bei unserer Tagesbeschäftigung, als wir plötzlich eine Zahl Israeliten herankommen sahen, das Antlitz fahl und voller unbeschreiblichen Schreckens. „Heute ist es um uns geschehen", riefen sie, „eine Bande Araber verfolgt uns!" Allgemeines Entsetzen folgte der Verbreitung dieser Worte. Die Tore des Mellah wurden sofort geschlossen, jeder verbarrikadierte sein Haus, so gut er konnte. Vor den Augen aller standen die Greuel, die in Casablanca begangen waren. Frauen und Mädchen stiessen herzzerreissendes Geschrei aus, bestrichen ihr Gesicht mit Kohle und verbargen sich in den Kellern. Zwei Tage lang standen wir unerhörte Angst aus. Erst seit heute früh begannen wir