Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Israeliten in Marokko
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 121 - 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2583967-2583970-2597787--08060-2597862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das neue Heini der Alliance Israelite Universelle in Paris. 122 Das neue Heim der Alliance Israelite Universelle in Paris, 3. Sitzungssaal des Central-Comites. nötigen Gelder zur Verfügung gestellt. Inzwischen ist eine andere Stadt, Settat, deren jüdische Bevölkerung vor 4 Jahren ausgeplündert war und unter der inzwischen gewonnenen Ruhe ihre Gemeindeeinrichtungen hatte erneuern können, wo überdies zahlreiche Israeliten aus Casablanca nach den Ereignissen des Monats August Zuflucht gefunden hatten, der Schauplatz von Missetaten räuberischer Stämme geworden. In Marrakesch bemächtigte sich eine neue Panik der Israliten, die von Mulay Hafid einer Kontribution unterworfen wurden. In Mazagan trat die nämliche Panik und eine Verschärfung des Elends ein. In Fez endlich wurde am 18. Dezember ein förmlicher Ueberfall über das Judenviertel ausgeführt. Mehrere Stunden lang wurden Schandtaten aller Arten verübt. Angesichts dieser ganz besonders traurigen Umstände hat die Alliance Israelite Universelle den Hilferufen der heimgesuchten Gemeinden im weitesten Umfang Folge geben zu müssen geglaubt. Sie hat den Direktoren ihrer Schulen alle für das Hilfswerk erforderlichen Kredite eröffnet und ausserdem ihren Vertretern Vollmacht gegeben zum Freikauf der Gefangenen, die noch in den Händen der Stämme waren. Die nachstehenden Briefe, die von den Vertretern der Alliance an das Central-Comitee gerichtet worden sind, geben eine deutliche Vorstellung von der Lage unserer Glaubensgenossen. Briefe des Herrn Elmaleh, Direktors der Alliance» schule in Mazagan. Mazagan, 25.Novbr.1907. Ich beehre mich, Ihnen hierin Abschrift eines Briefes zu überreichen, den ich von einem meiner Korrespondenten in Settat, David Amar, erhalten habe. Herr Amar berichtet darin von dem Ueberfall dieses Ortes durch die Schaujas und von der Zerstörung des jüdischen Viertels. Das neue Unheil, das sich über die unglücklichen Juden von Settat ergossen hat, scheint sehr gross zu sein. Bis zu diesem Augenblick habe ich keine Nachricht über das Schicksal derer, die aus Settat geflohen sind und die, nach meinem Korrespondenten, von Ort zu Ort irren. Gestern Vormittag 10 Uhr kamen zwei Dampfer, von Mouley Abd-El-Aziz zu Truppentransporten ausgerüstet, auf unsere Reede, um sich Mazagans zu bemächtigen. An Bord befand sich auch der neue Kaid der Stadt, Ben Abbu, den der legitime Sultan ernannt hatte. Die Nachricht von der Ausschiffung der scherifischen Truppen in Mazagan war in der Stadt schon gestern, am Samstag, bekannt geworden. Der französische Konsul hatte bereits seit mehreren Tagen von dieser Truppensendung Kenntnis, deren Ausschiffung er mit dem auf der Eeede befindlichen Kreuzer erleichtern sollte. Es entstand grosse Erregung. Sobald die Nachricht von einer Ausschiffung sich in der Stadt verbreitete, besetzten eine Menge bewaffneter Araber, von denen man nicht weiss, w7oher sie kamen, die Strassen und Plätze. Gerüchte schwirrten umher. Die Einen sprachen von einer Ausschiffung französischer Truppen, andere wiederum versicherten ernsthaft, dass Mouley Abd - El - Aziz persönlich sich an Bord des „Conde" befände und anderen Tags an Land kommen werde. Eine ungewohnte Bewegung der Kriegsfahrzeuge, die Anwesenheit von 4 Kreuzern auf unserer Eeede, alles das überreizte die Gemüter. Die Gutunterrichteten, die wussten, was anderen Tags geschehen solle, waren darum nicht weniger ängstlich bezüglich der möglichen Folgen der Ausschiffung. Kurz, wir glaubten, dass die furchtbaren Augusttage trauiigen Angedenkens sich erneuern würden.