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Ost und West · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 27 - 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Urteile der Presse über die Ausstellung jüdischer Künstler [Kommentar]
Date
1908-01-01
Page
Seite 27 - 28 (sequence 2)
Language
German
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27 Urteile <ler Presse über die Ausstellung jüdischer Künstler. 28 funden hätten, ihn heute in anmassender Weise angreifen. Es ist freudig zu begrüssen, dass die Ausstellung solche Fehlgriffe vermieden hat. Dass sie daran gut tat, bestätigen * Das kleine Journal, Berlin. „Der Verein zur Förderung jüdischer Kunst will mit dieser Zusammenstellung jüdischer Kunstwerke einen künstlerisch historischen Üeberblick geben, um zu zeigen, dass die Juden trotz ihrer Heimatlosigkeit, die sie neben ihrer überlieferten Lehre von der Ausübung der Kunst fern hielt, im letzten .Jahrhundert sich machtvoll aufgeschwungen haben und keinen Vergleich mehr mir. den künstlerischen Schaffen anderer Kulturvölker zu scheuen brauchen." „Auch die Angliederung jüdischer Altertümer verdient Anerkennung, und aus dem Kaum, wo sie mit modernen jüdischen kunstgewerblichen Arbeiten aufgestellt sind, geht etwas wie Weihe und Andacht aus. Der Verein hat sich ein grosses Verdienst durch diese Ausstellung erworben." „Wie der jüdische Mann mit seiner Intelligenz und Ausdauer vieles meistert, so gibt es unter den in der Ausstellung vereinten Künstlern auch welche, die das Hellenen und Germanen eigene Machtvolle und Grosszügige bewältigt haben. Ich nenne hier nur des Wieners Eichhorn „Pilger vor dem Tempel", sowie des Lodzers Hirszenberg ergreifenden Zug jüdischer Verbannter durch eine russische Schneewüste. Die Ausstellung zeigt uns, dass auch der berühmte Pariser Impressionist Pissaro Jude war. Ein sehr bedeutender Bildhauer ist der aus dem Wilnaer Judenviertel hervorgegangene Antokolski." B. Z. am Mittag, Berlin: „Ury stellt hier zum ersten Male sein neuestes Bild aus: das Historienbild .,Moses den Sinai besteigend," mit der ganzen Wucht seiner Farbe und Phantasie gemalt. Man hat den Eindruck der Grösse. Und was uns das Werk noch wertvoller macht, ist seine ernste und wundervolle Stimmungslyrik.1' Vossische Zeitung, Berlin: „Mit Ausnahme von Max Liebermann haben sich die uns als Israeliten bekannten Berliner und ausländischen Künstler eifrig an der Ausstellung beteiligt und ihre Beiträge lassen erkennen — was wir freilich nicht erst durch diese erfahren — dass es heute bedeutende Talente und ausgezeichnete Künstler auch unter den jüdischen so gut wie unter den chris liehen gibt. Der grösste unter den ersteren ist unbestritten d-r alte Josef Israels in Holland. Er ist hier durch acht Oelgemälde, die zu seinen köstlichsten Werken von so grosser malerischer wie ergreifender seelischer Wirkung zählen, und durch sechs Radierungen vertreten. Nächst diesem Grosse tritt besonders Coschell mit einer glänzenden malerischen Schöpfung aus der Menge heraus. Zwei der glänzendsten Leistungen sind die beiden grossen Gemälde von Solomon J. Solomon, London . . . Als ausgezeichnete Künstler von tiefer warmer Empfindung und grosser malerischer Tüchtigkeit weisen sich Leonid Pasternak in Moskau und Pilichowski in Paris. . . Auch an bedeutenden Werken plastischer Kunst von jüdischen Meistern ist kein Mangel in diesen Sälen: Der grösste russische Bildhauer, der verstorbene Antokolski war ein Jude. Von ihm sind vier herrliche Köpfe ausgestellt ... Salomon Ronkhomowski (Pai'is) sandte ein ergreifendes Bildwerk ein: die Gruppe: „Nach dem Pogrom", — ein bärtiger jüdischer Vater über sein erschlagenes Kind gebeugt. Nossig (Berlin) gab eine Sammlung vorzüglich gearbeiteter bronzener Porträtmedaillen her. Jarav, der bekannte Berliner Bildhauer, ein ungarischer Jude, die überlebensgrosse, leichtgetönte Statue einer stolzen, im Bewusstsein ihrer untadligen nackten Schönheit, das lachende Haupt mit dem üppigen Haar zurückwerfend, aufgerichtet dastehende Phryne. Eine dritte Abteilung bildet die im hohen Mittelraum gruppierte reiche Sammlur g jüdischer Altertümer . . . Ueber Wesen und Bestimmung mancher von ihnen bin ich erst hier klar geworden.....Wenn es jüdische Kunsthandwerker waren, welche diese und andere hier ausgestellte derartige Erzeugnisse ausgeführt haben, so beweisen letztere, dass in jenen vergangenen Zeiten das auch die Urteile der Presse, die unbeeintlusst von anderen Motiven rein künstlerisch werten und von denen einige hier angeführt-sein mögen. i£ Kunstgewerbe auch bei den Juden auf respektabler Höhe gestanden hat. Zur Pflege des jüdischen Kunstgewerbes auch in unseren Tagen ist die technische Schule „Bezalel" in Jerusal-in errichtet worden. In diesem Institut hergestellte Teppiche und die in einer Mappe enthaltenen Entwürfe für kunstgewerbliche Arbeiten geben den Gründern dieser Lehranstalt die erfreuliche Gewissheit, dass ihre Bemühungen nicht erfolglos geblieben sind. Prof. Ludwig Pietsch. Berliner Börsen-C ourier. „Es ist ein Widerspruch: jüdische Rasse und bildende Kunst. — Ein anderer Punkt ist dieser: der Jude ist assimilationsfähig, und der Einzelne kann durch Klugheit, Gewohnheit und Geschick das ersetzen, was ihm die Kasse versagt: so gibt und gab es einzelne jüdische Künstler, die fast bis zur Verleugnung ihrer Rassenerbschaft sich als bedeutende und sogar als führende Maler entwickelten .... Gerade durch diese Widersprüche ist das Problem interessant. Es gibt jüdisch Stoffliches, das eine Rolle spielt; es gibt Umsetzungen jüdischer Lyrik in Malerei, es gibt Reflexe des kosmopolitischen Juden gegen die Schulen der Zeit, die sehr merkwürdig sind. Zum Beispiel: der Fall Ury. Man versteht ihn nur, wenn man ihn in dieser Umgebung sieht. Seine alttestamentarischen Bilder, seine Landschaften, seine Portraits, seine Stillleben haben die Merkmale des Judentums .... Und noch mehr: er ist immer mehr Jude geworden .... WTenn ihr ihn so versteht, werdet ihr ihm eine besondere Stelle geben und sein Charakterbild erst anfangen zu erkennen .... Um noch ein Wort von der Plastik zu sagen: Plastik und Judentum sind von Haus aus fast unverträglich. Aber wieder überbrückt Geschick und Gewohnheit die Natur. Prof. 0. Bie. Schlesische Zeitung, Breslau: „Die Veranstalter sind dazu durch den Wunsch bewogen worden, Berlin zu ze gvn, welche Maler- und Bildiiauertalente in u serer Zeit dem jüdischen stamme entsprossen And und wie He vorragendes von ihnen geleistet wurde. Der Stolz darauf ist zweifellos sehr begreiflich und wohlberechtigt. Aber es liegt darin doch ein Bekenntnis, dass die, web he so sprechen und denken, sich keineswegs nur als „Deutsche jüiischer Konfession" fühlen, sondern aU Geuossen einer über die gaiue Erde verbreiteren jüdischen Narion So haben denn auch zu dieser Ausstellung hervorragende jüdische Künvt er aus allen Ländern Europas Werke von ihrer bland eingesendet/' Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Berlin! „Diese Aufteilung, welche entschieden zu den besonders bemerkenswerten im Berliner Kunstleben de-* Jahres 19ü7 zä lt, öffnete kürzlich in der Gallerie lür alte und neue Kunst, Wilhelmstr 45 ihre Pforten. Die Räumli hkeiten müssen als recht günstig nach Lage und Beleuchtung bezei hnet werden, der Rahmen der Darbietung ist ge-chrnackvoll und die Jury: C. H. Engel, Frenzel und Manzei — drei einwandsfreie Berliner K instler — hat sich gewiss gesagt, dass ihr Richteramt bei so viel gehaltvollem Material nicht allzu schwer gewesen sei. Das Vorwort des illustrierten Kataloges ergeht sich etwas weitschweifig und fast entschuldigend über die Berechtigung dieser Sonderausstellung. Vor zwanzig Jahren wäre vielleicht davon zu reden gewesen, jetzt bedarf es keiner erklärenden AVorte, weshalb und warum diese Darbietung ihre Berechtigung bat. Die Ausstellung gibt einen überaus interessanten Einblick in das reiche Schaffen israelitischer Künstler .... Unten den Sklupturen findet sich unter anderem neben manchem Bekannten viel des Ueberraschenden und, was mehr sagen will, Ausgezeichneten..... Alles in Allem eine Ausstellung, die den Besucher viel des Neuen und Interessanten bietet und deren künstlerische Höhe angenehm berührt/4 H. Vollmar.

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