Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
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OsT*gs?esT: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM Herausgegeben und redigiert von L^O WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 12. Dezember 1916. XVI. Jahrg. .KRIEGSARBEIT DER JUEDISCHEN FRAUEN. Von Sidonie Werner, Hamburg. Es ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blk ^heint, über die Kriegsarbeit der jüdischen i ^ueiT^ ..a berichten, zumal wenn es eine Frau tun soll, die im weitesten Sinne jüdische Kriegsarbeit geleistet und zur jüdischen Kriegsarbeit angeregt hät. Vorerst muß festgestellt werden, ob überhaupt eine Differenzierung der Arbeit nach konfessioneller Richtung nötig war. Ich muß die Frage, als jüdisch soziale Arbeiterin, kräftig bejahen. Kriegsarbeit und persönliches Leben hängen noch inniger zusammen, als sonstige soziale Arbeit; denn alles, was uns wertvoll, teuer und heilig ist, flammte in uns auf in dieser Zeit der seelischen Erschütterungen. Worte erscheinen uns zu kalt, um von der Opferfreudigkeit und Hingabe 'zu sprechen, von denen seit den Augusttagen ein einiges Volk von Brüdern und Schwestern erfüllt war. Einig in dem Einen, dem Großen, zu helfen, zu dienen, zu lindern. Fragte man da, ob die Hilfe Jud', Christ oder Muselmann zuteil werden sollte? Wir hofften doch damals alle, der Krieg würde den brennendsten unserer Herzenswünsche erfüllen: vor dem Forum der Oeffentlichkeit würden Jud' und Christ und Muselmann nur als Menschen gewertet werden, einem Urteil unterliegen, eine Qualitätswertung erfahren, ohne Glaubenseinschlag. Trotzdem ich auch zu denen gehörte, die mit heißem Herzen an die Erfüllung dieser Hoffnung glaubten, war ich mir doch bewußt, daß konfessionelle jüdische Kriegs arbeit geleistet werden muß. Man berief uns führende Jüdinnen und andere in den „Nationalen Frauendienst", der jegliche Frauen-Kriegsarbeit umfaßt, sie nach gemeinsamen Gesichtspunkten gliedert und wie ein Netz sic'h über das ganze Reich ausdehnt. Wir folgten selbstverständlich alle dem Ruf, hier in Hamburg dem Ruf der „Hamburgischen Kriegshilfe". Wir setzten für alle gleich, für Christ, Muselmann und jud', unsere Kraft, unser Können ein. Viele Jüdinnen sind Leiterinnen im Ehrenamt dieser, vom Nationalen Frauendienst eingerichteten Ortsausschüsse. Unendlich mühsame und gewichtige Kriegsarbeit wird von Frauen aller Konfessionen geleistet. Schritt doch allen voran unsere erhabene Kaiserin, gab doch die erste Frau im JDeutschen Reich ein leuchtendes Vorbild. Aber aue'h die einfachste Frau steht nicht zurück, wenn es gilt, dem Nächsten zu helfen, ihn zu stützen, ihn aufzurichten, damit er das Riesenhafte des Krieges, das Schicksalgewaltige, das erhebt und zermalmt, fassen und ertragen kann. Mit unerhörter Größe und Selbstverständlichkeit nehmen die Frauen den Dienst hinter der Front auf. Ließe sich soziale Arbeit in einer Zusammenfassung bewerten, so bin ich sicher, daß die Entschlossenheit und Opferwilligkeit der