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Ost und West · 1916-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1916) · p. Seite 367 - 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1916)
Article
Die neuerbaute Synagoge zu Berlin
Date
1916-10-01
Page
Seite 367 - 368 (sequence 3)
Language
German
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367 Rumänien und seine Juden. 368 bäudekomplexe erkennen: das Hauptgebäude, dem sich zur Rechten ein kleines Wohnhaus für den Kastellan anschließt, und ein zur Linken weit aus* ladender Seitenflügel mit der Wochentagssynagoge und einem besonderen Andachtsraum für den Jugendgottesdienst. Die Synagoge, in Form einer Basilika, ist so* mit von der Straße etwas abgerückt. Ueber eine breite, etwa einen Meter hohe Freitreppe tritt man zunächst in den Säulenvorbau, der in seinen enor* men Dimensionen einen gewaltigen Auftakt bildet. Die 4 mächtigen, ca dicken, in 10 Trommeln über 7 m hohen dorischen Säulen rahmen die drei Eingangspforten ein, durch die man in einen Vorraum tritt, von dem seitlich die Treppen zu den Frauenemporen ausgehen. Unter einem von schweren Pfeilern getragenen Kreuzgewölbe hin* durch gelangen wir in den Hauptraum, dessen Tiefe über 23l/2 m und dessen Höhe 21 m beträgt. Ein hoher weiter Raum ist es, der von einer kassettierten Holzdecke umspannt wird, an den Seiten von Emporen umgeben, über die sich an der Eingangsseite eine zweite Galerie zieht. Diese schieben sich balkonartig in den Raum und werden von Pilastern getragen. Der ganze Innenraum ist reich bemalt, aber doch in maßvollen Tönen gehalten. Nirgends tritt eine Farbe stärker hervor; die Muster sind dezent und wirken durchaus vornehm, dem Gesamtraum ein gedämpftes, ruhiges Licht verleihend. Den Hauptschmuck bildet der Aron hakodesch, der in einer apsidenartigen Erweiterung des Lang* schiffes seinen Platz gefunden hat. Eine breite Estrade mit dem Vorbetertisch und der Kanzel führt zu der heiligen Lade, über der sich die Sängerkanzel erhebt. Der Aufbau des Aron hako* desch ist in poliertem grauen Muschelkalk ausge* führt. In geraden einfachen Linien wird er nur seitlich von den Türen zu den Ankleidezimmern des Rabbiners und Kantors und einem am oberen Rande entlanglaufenden Fries ornamentaler Gold* schrift unterbrochen. Nur die Türe des Aron ist von Ornamentfriesen eingerahmt und hebt sich somit als der Hauptpunkt des ganzen Hauses wirkungsvoll aus der sonst zurücktretenden Um* gebung heraus. Besonderer Dank ist dem Architekten für die maßvolle Verwendung der Beleuchtungskörper zu wissen. In den übrigen berliner Synagogen stören die an der Estrade angebrachten Leuchter; hier brennen nur zwei Kerzen auf dem Vorbeterpult und sodann zwei ganz zur Seite gerückte, also nicht in der Blickbahn auf den Aron hakodesch liegende Kandelaber. Dadurch hebt sich auch die ornamentale Türe der Lade frei hervor und gewinnt an bestimmender Wirkungskraft. Die Bestimmung eines Tempels ist, den Be* sucher in einem würdigen Räume zur Andacht zu sammeln. Die Stätte, da in ernster und feierlicher Stunde Gebete ertönen, soll nicht von Reichtum und Größe, sondern von der Würde der Gemeinde Zeugnis ablegen. Inmitten eines geschäftigen und durch prosaische Nüchternheit charakterisierten Stadtviertels, da nichts auf Schmuck oder Wohlhabenheit hindeutet, erhebt sich das neue Gotteshaus. Würdevoll und erhaben, ohne großsprecherisch zu erscheinen, steht der mäch* tige Bau als Künder des stets wachsenden religiösen Bedürfnisses der Reichshauptstadt. RUMAENIEN UND SEINE JUDEN. Von Dr. S. Schiffer. LAND UND LEUTE IM URTEILE DER ZEITGENOSSEN. Endlich ist es erlaubt, über Rumänien ein Wort der Wahrheit zu sagen. Seit Ausbruch des Krieges wurde dieses Land umworben und gehätschelt, mit Komplimenten überschüttet. Man durfte nicht daran erinnern, daß diese angeblichen Nachkommen des Kaisers Trajan sich nicht nur für das auserwählteste aller umwohnenden Völker halten, sondern sogar auf die Deutschen mit souveräner Verachtung herabsehen und sie „LToameni spurgati" (stinkenide Menschen) nennen. Man schwieg von der Barbarei und der Verderbtheit der Sitten, der Bestechlichkeit der Beamten, der Korruption des politischen Lebens, der Unwissenheit und der Bedrückung, die auf den Bauern in Rumänien lasten. 'Wie hätte man von der Judenfrage reden dürfen? Das ist mit einem Schlage anders geworden. Noch vor wenigen Monaten, als Diplomaten und sonstige Gelehrte an die Fortdauer der rumänischen Neutralität glaubten, schrieb ein ordentlicher öffentlicher Professor des Staatsrechts an der Grazer Universität, Otto Freiherr von Dungern, nicht etwa einen flüchtigen Zeitungsartikel, sondern eine umfassende, mit Zahlen und Daten reichgespickte Monographie über Rumänien, die einen einzigen Lobhymnus zum Preis dieses Landes, seines Volkes und seines Herrschers bildet. Der Verfasser schwärmt für die Gewandtheit der Rede und des Denkens, die schnell ausgesprochene Ueberzeugung, sowie für das stattliche Aussehen der Rumänen, von der Schönheit und der geschmeidigen Eleganz, der Liebenswürdigkeit und der ge-

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