Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 4-5 (April-Mai 1916)
- Article
- Landschaftsbilder aus dem Osten
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 175 - 176 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Landscluiftäbilder aus dem Westen. 176 Fritz Lederer, Schiffe bei Josefow saal des Krakauer Lazarettes entstanden! Auch technisch sind sie bewundernswert, denn selten findet man eine so ausgeglichene Durchführung der an sich komplizierten Aquatintamanier, selten ihre Eigenart zu so wirkungsvollen Effekten gestei* gert. Manchmal wird man an japanische Vorbilder erinnert, da die niederen Bauernhäuser mit ihren großen Giebeldächern an die Holzhütten, die zart verlaufenden und in prickelndem Lichte gesehenen Bergrücken an den Fushiama gemahnen. Und doch hat der Künstler seine eigene Sprache, da die Mäste der abgetakelten Schiffe bei Josefow wie die Lanzen gewappneter Dragoner ornamental in den Himmel ragen, der schier unüberwindliche Weg sich zu dem hochgelegenen Gebirgsorte emporschlängelt, dessen Kirchturm die Rote Kreuz*Flagge trägt, und auf dem anmutigen, von sanften Hügelketten einge* säumten und mit einzelnen Bäumen bestandenen Felde die Schrapnellwölkchen wie leichte Sommerwolken am blauen Himmel erscheinen. Die Hügellandschaft mit den bewaldeten Kuppen, den sich über sanfte Anhöhen dahinschlängelnden Baumreihen und dem kleinen Dörfchen in der Talmulde, aus der ein Zwiebeltürmchen hervor* lugt, mutet wie ein Bild aus dem friedfertigen Süd* deutschland an; und doch stellt es einen der blu* tigsten Kampfplätze Russisch*Polens dar, eine ver* lassene öde Gegend, die jetzt wieder traumverloren und weltvergessen daliegt, nachdem sie Zeuge des furchtbarsten Ringens war. — Wie es dort aus* schaut, wenn man weiter in die Berge vordringt, erzählt uns das Blatt, da die Felsen wie Nadelriffe sich türmen und wie in den Dolomiten scharf ge* schliffen, Totendenkmälern gleich, gen Himmel ragen. Und schließlich gelangen wir zu nächtlicher Stunde an ein zerstörtes Gehöft, aus dessen Ruinen noch einige Flammen züngeln, ersterbend in Schutt und Asche. Gespensterhaft ragen die kahlen Mauern empor; selbst die entlaubten Bäume wirken wie Ruinen. Nur dieses eine Mal hat der Künstler diesen Akkord angeschlagen; hier tritt er als Zeuge des Kampfes auf und läßt uns einen flüchtigen Blick in die rauhe Wirklichkeit des Krieges tun. Mehr aber lieben wir Fritz Lederer da, wo er nur als objektiver Landschafter erscheint. Diese Blätter werden deutlicher als alle Kriegsberichte und anekdotenhaften Erzählungen in dem Beschauer das Gefühl erwecken, was es heißt, in unwirtlichen Gegenden im kalten Winter monatelang ein küm* merliches und an Anstrengungen und Gefahren reiches Leben fristen zu müssen.