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Ost und West · 1916-02-01 · Heft 2-3 (Februar-März 1916) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 2-3 (Februar-März 1916)
Date
1916-02-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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iisFgwtesT: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 2/3. Februar — März 1916. XVI. Jahrg. DIE OSTJUDEN FRAGE. WIE AUS DER OSTJUDENFRAQE EINE WESTJUDENFRAGE WURDE. - DIE ABWEHRMITTEL GEGEN DIE OSTJUDENGEFAHR UND IHRE UNZULÄNG¬ LICHKEIT. - DER WICHTIGSTE LOESUNGSVORSCHLAG. - WIE DIE OST¬ JUDEN SELBST IHRE FRAGE ZU LOESEN GEDENKEN. Ein Gespenst geht um in Deutschland bei hellem Tage. Seit Monaten läßt es den Weltverbesserern und Menschheitsrettern keine Ruhe, und setzt tausend Federn und Zungen in Bewegung. Es ist die „O stjudenfrag e". Im Grunde muß man sich wundern, daß gerade jetzt auf einmal diese Frage im Westen aufgeworfen werden konnte, in einem Moment, da sie im Osten auf dem Punkte stand, zu verschwinden. Im Osten gibt es nämlich zwei Herde, wo die Judenfrage brennend ist und dringend der Lösung bedarf: Polen einerseits und andererseits der übrige, russische Ansiedlungsrayon. In Polen ruhte die Judenfrage seit der Mitte der Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts bis zu dessen Ende vollkommen; Polen und Juden vertrugen sich ausgezeichnet, litten gemeinsam unter dem Joch des Zarismus, das namentlich seit den Sechziger Jahren immer drückender wurde. Immerhin wagte er nicht, die durch den Marquis Alexander Wielopolski 1861 bewirkte völlige Gleichberechtigung der Juden im Königreich Polen ganz aufzuheben; die Freizügigkeit und das ungehinderte Wohnrecht im ganzen Lande blieb bestehen, so daß die seit dreißig Jahren von der russischen Regierung in Rußland geübte Austreibungspraxis in Polen nicht platzgreifen und ein großer Teil der aus Rußland ausgetriebenen Juden sich dort ansiedeln konnte. Das Zusammenpferchen der Juden in den Städten dieses Landes mußte ihre ohnehin gedrückte ökonomische Lage bedeutend verschlimmern, zumal die russische Regierung zwar mit dem Großkapital liebäugelte, aber jedem Versuch zur Hebung des Mittelstandes alle möglichen Hindernisse in den Weg legte oder gar direkt zu dessen Proletarisierung beitrug. So wurde z. B. nach Beendigung des japanischen Krieges die Warschau-Wiener Bahn verstaatlicht (das gehörte mit zu den Vorbereitungen auf den gegenwärtigen Krieg gegen Deutschland), alle polnischen Bahnbeamten und -Angestellte, etwa 40 000 an der Zahl, wurden mit einer Abfindungssumme aufs Pflaster geworfen und durch echtrussische Leute ersetzt. Die Entlassenen, denen kein anderer Ausweg blieb, warfen sich mit ihrem kleinen Kapitälchen auf den Zwischen- und Kleinhandel, auf das Kleingewerbe, in der Meinung, dies sei für die verbrauchten und weltfremden Existenzen ein leicht zugänglicher Erwerb. Die auf diesen Gebieten ohnehin erbitterte Konkurrenz wurde dadurch ungemein verschärft, gewann den Charakter eines Existenzkampfes zwischen zwei verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen. Der Kampf hätte trotzdem nicht die unerbittlichen und unversöhnlichen Formen angenommen, die seit 1913 in dem berüchtigten Boykott gipfelten, wenn nicht noch folgende Momente hinzugekommen wären: Seitdem die russische Expansionspolitik in Ostasien die schwere Niederlage erlitt, wandte sie sich wieder Mitteleuropa zu. Einem Kriege gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn stand jedoch für Rußland die Furcht vor einer bewaffneten Erhebung in Polen als Hindernis im Wege. Es galt als ausgemacht, daß im Falle eines Einmarsches österreichisch-ungarischer oder deutscher Truppen in Polen die Bevölkerung dieses Landes zu den Waffen greifen würde, um das verhaßte Russenjoch abzuschütteln. Dieser Gefahr sollte durch zwei Mittel vorgebeugt werden. Das erste war der sogenannte „Neoslavismus", der die Polen im Namen des Rassenprinzips zum Haß gegen Deutschland und zum Anschluß an Rußland aufforderte. Gleich wie der alte, schon unbrauchbar gewordene Panslavismus sich auf einige Grundgedanken der deutschen Philosophie aufbaute, so stützte sich auch der Neoslavismus auf die in Deutschland besonders von Chamberlain und seinen Anhängern

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