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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 503 - 504

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Das Judentum in der Cölner Werkbundausstellung
Date
1914-07-01
Page
Seite 503 - 504 (sequence 2)
Language
German
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503 Dr. Kroner: Das Judentum in der Cölner Werkbundausstellung. 504 zielbewußt anstrebt. Bestes Material, beste Technik, bester Formenausdruck sollen sonach die maßgebenden Grundlinien der eigenen originellen Kunstrichtung sein. Der deutsche Werkbund will damit ganz besonders deutsche Kraft der Arbeit und deutsche Genialität künstlerischer Gestaltung allen anderen Kulturländern entgegenhalten, und will eine Achtungsgröße erzielen, welche die Marke „made in germany" nicht, wie bis jetzt, vielfach als geographischen Stempel einer Ware, sondern als das Stigma kunstgewerblichen Hochstandes erscheinen läßt. Von diesem Grundgedanken hat sich der Schöpfer des Werkbundes, Herr Hofrat Bruckmann, Heilbronn, bei seiner Gründung vor einigen Jahren leiten lassen, und diesen Gedanken haben alle entwerfenden und gestaltenden Künstler in diesem Bunde zum Programme erhoben. So ist es nur zu verständlich, daß in der Ausstellung alle Gebiete kunstgewerblicher Tätigkeit dieses eine Grundmotiv zum lebendigen Ausdruck bringen und Musterbilder der verschiedenen Kunstobjekte schaffen wollen. Auch die kirchliche Kunst soll diese in sich selbst fühlende und gestaltende Stilrichtung zur Darstellung bringen: so istneben der protestantischen und katholischen Kirche auch die Synagoge dem Gedankenziele der Haupthalle eingereiht. Eigentlich sollte es nicht heißen: „auch die Synagoge", denn zu meiner freudigen Ueberraschung war die Synagoge der einzige vollständig fertige Kirchenraum in der andachtsvoll gestimmten Abteilung, ein stilles Bekenntnis für mich, daß das Judentum in Emsigkeit und Hurtigkeit sein Temperament nicht verleugnet! Der Eintritt zur Synagoge ist in Torform gehalten, mit etwas Anflug an den maurischen Stil, aufgebaut in schönen braunroten Terrakotten. Der Eintretende wird begrüßt von dem auf dem Torbogen angebrachten -r^'z r~7N -n: rrs -n: Der Innenraum! Weihe und Andacht bezeichnen die Stimmung, die mich sofort erfüllte. Ein weiches gedämpftes Licht und eine freundliche, nirgends prunkende Ornamentik! Die Stirnwand der Synagoge, eine etwas romanische Rundung, mit reicher Goldbelegung um das Allerheiligste herum, über dem Allerheiligsten eine Wölbung, die wohl das Originellste dieses Ideal types von Synagoge darstellen soll. Etwas mystisch verschleiert erscheinen hier die beiden Tafeln mit den 10 Worten, und über denselben erhebt sich ein sphärisches Etwas, das, fast futuristischen Charakter tragend, blau gelbe Schattenstreifen auswirft, und, wie ich später von einem Eingeweihten hörte, eine Ausstrahlung und Auslösung des grandiosen Gesetzesgedankens illustrieren soll. Außer dieser geheimnisvollen Künstelei ist alles andere klar und schön angelegt. Ueber der Wölbung befindet sich — damit auch die Richtlinie nicht fehle — eine Orgelandeutung, nach beiden Seiten ausgedehnt, und rechts und linkt davon reihen sich in gleicher Höhe in gefälligem Uebergang die Frauengalerien ein, die nicht wie bisher meisten* einen selbständigen Bau, sondern schön gewölbte und graziös geschwungene Mauerloggien darstellen. Ein Almemor in der Mitte gibt dem Ganzen das zentrale liturgische Motiv. Zwei Leuchter, ein Abbild des Tempelleuchters, und ein Chanukahleuchter, an dem, wie ein Kollege witzig bemerkte, der Schammes, weil er tiel unten angebracht ist, wirklich auch ein Schammes ist, begrüßen den Aufgang zum xVUerheiligsten recht stimmungsvoll. Von geradezu hervorragender Schönheit und künstlerischer Wirkung sind die beiden großen Seitenfenster, in denen die traditionellen Symbolisierungen der 12 Stämme in symmetrischer Weise verteilt sind. Hier spricht der denkende und formende Künstler eine belebende Sprache, und gut hat er es verstanden, den altjüdischen Geist der Versinnbildlichungen mit den ästhetischen Forderungen einer neuen Zeit in harmonischen Einklang zu bringen. Aber wie wenn die Synagoge nicht das ganze Judentum im kunstgewerblichen Sinne repräsentieren könnte, wie wenn noch eine ganze Reihe zeremonieller Symbole den besonderen Kunstgenius des jüdischen Kultus charakterisieren müßten, hat der hier erschöpfende Künstler in zwei großen Glasvitrinen die liturgischen Gegenstände in Zinn und in Silber zur Schau gestellt. Kidduschbecher. Sederschüssel, Gewürz türmchen, Esrogschale (in Silber von Bruck mann, Heilbronn), kurz alles, was zu den; Kultschmucke des Judentums gehört, fand hier seine Aufstellung, und, wie wir sagen müssen, auch aus nehmend geschmackvolle Darstellung. Wer ist nun der Künstler, der dies so meisterlich alles geschaffen? Es ist ein Württemberger, Herr Adlei jetzt Lehrer an der Kunstgewerbeschule zu Hamburg- Seine Wiege stand, wie ich hörte, in Laupheim, um allmählich hat er sich durch Fleiß und Talent zur Höh eines Kunstgewerblers ersten Ranges emporgearbeitet Kunstgewerbliche Firmen bedienen sich seiner al künstlerischen Beirates, und kunstgewerbliche Kurs« ■ so der in Nürnberg, suchen ihn als Lehrer der Techni und der Form. Diese Kurse sind sogar schon typisc für die Stilrichtung geworden, mit „Adlerkurs" b< zeichnet man jetzt die bestimmte von Adler ausgehend Stilrichtung. So manches Erzeugnis der Kunst in de Cölner Ausstellung trägt zur näheren Kennzeichnun die Aufschrift „Adlerkurs". So können wir mit doppelte ■ Freude den Anteil des Judentums an der Werkbun< - ausstellung verzeichnen. Möchte der „Adlerschwung" eles Geistes und der Kunst das Judentum stets in d< vordersten Keine aller Kulturen stehen sehen.

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