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Ost und West · 1914-08-01 · Heft 8 (August 1914) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Tfs&wfiesr. ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 8. August 1914. XIV. Jahrg. EINE EHRENPFLICHT DES GEBILDETEN JUDENTUMS. Von Dr. Felix Perl es, Königsberg i. Pr. Als Leopold Zunz im Jahre 1823 eine „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums'' herausgab, hielt er es für nötig, an die Spitze des ersten Heftes einen programmatischen Aufsatz von J. Wolff (Wohlwill) „üeber den Begriff einer Wissenschaft des Judentums'6 zu stellen. Denn dieser Begriff war damals noch etwas so Neues und Unbekanntes, daß er tatsächlich einer Definition bedurfte. Daß Z u n z damals für seinen großen Gedanken kein Verständnis fand, und der erste Band der Zeitschrift auch der einzige blieb, ist für den Kenner der damaligen Verhältnisse leicht erklärlich. Weit befremdlicher aber ist die Tatsache, daß loch heute, nach mehr als drei Menschenaltern, lachdem die Wissenschaft des Judentums — vor allem durch die Werke von Zunz — nicht mehr ein Problem, sondern eine sehr reale Wirklichkeit ist, auch in den Kreisen unserer Gebildeten noch keine Klarheit über ihren Begriff herrscht. Die einen glauben, die Wissenschaft des Judentums (oder wie meistens inkorrekt gesagt vird, „die jüdische Wissenschaft'') sei eine Wissenschaft von Juden für Juden, die die Aufgabe habe, etwa nach 'Muster der ^katholischen Wissenschaft die jüdische Weltanschauung zu rechtfertigen, die religiöse Ueberlieferung gegen die Kritik zu schützen und jeden Angriff auf das Judentum, mag er sich gegen seine Vergangenheit oder gegen seine Gegenwart, gegen seine Lehre oder seine Betätigung im Leben richten, mit logischen oder geschichtlichen Gründen abzuweisen. Die Vertreter dieser Anschauung meinen also, die Wissenschaft des Judentums sei nichts weiter als Apologetik, und diese Meinung ist wunderbarerweise sowohl in gelehrten Kreisen verbreitet, die von jeder Apologetik sich abgestoßen fühlen und darum auch die Wissenschaft des Judentums, die sie lediglich auf die Apologetik beschränkt glauben, mit Mißtrauen oder unverhohlener Mißachtung ansehen, als auch in solchen Kreisen, die alles Heil von der Apologetik erwarten und kein Verständnis für höhere Aufgaben der Wissenschaft besitzen. Andere wieder wissen zwar, daß keine, wenn auch sachlich noch so berechtigte Tendenz in einer Wissenschaft den Ton angeben dürfe, doch sie befinden sich in einem Irrtum über den Gegenstand der Wissenschaft des Judentums. Da man bei „Judentum" nach dem Sprachgebrauch zunächst nur an die jüdische Religion denkt, verstehen sie unter Wissenschaft des Judentums lediglich eine Darstellung der jüdischen Lehre und ihrer Ausprägungen in Kultus und Ritus, oder deutlicher gesprochen, eine jüdische Theologie. Dieser Irrtum ist allerdings verzeihlich, insofern, als verschiedene Pflegestätten dieser Wissenschaft, so das Jüdisch- Theologische Seminar in Breslau, die Israelitisch- TheoLogische Lehranstalt in Wien und das Jewish Theological Seminary of America in New York, durch ihre Bezeichnung diesem Irrtum Vorschub leisten. Hat doch selbst Abraham Geiger, der neben Zunz die wissenschaftliche Erforschung des Judentums in methodischer Beziehung am meisten gefördert hat, seine Wissenschaft mit Vorliebe als „jüdische Theologie" bezeichnet. Die eigentliche Theologie ist jedoch nur eine, und auffallenderweise die bisher am wenigsten angebaute Disziplin im Gesamtorganismus der Wissenschaft des Judentums, oder, wie es richtiger heißen müßte, der Wissenschaft vom Judentum. Diese Wissenschaft umfaßt nämlich ein unendlich weiteres Gebiet, und ihren Gegenstand bildet nicht nur die jüdische Religion, sondern ebenso die Sprache (oder vielmehr die Sprachen), die äußere und innere Geschichte, die Literatur und Kultur der Juden

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