Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Bayrisches Bauerngehöft [Illustration]
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 415 - 416 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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415 Karl Schwarz: Die graphischen Künste. 416 DIE GRAPHISCHEN KÜNSTE. Von Karl Schwarz. Das Jahr 1914 ist ein Jubeljahr für die graphischen Künste. In Leipzig hat die Bugra (internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik) ihre Tore geöffnet und bietet in einer noch nie dagewesenen und wohl kaum wieder* kehrenden Vollständigkeit einen Ueberblick über die Entwicklung der Schwarz*weiß*Künste aller Länder und Zeiten. Die Graphik hat sich im Laufe der Zeit die Welt erobert und wird noch weiterhin ihren Siegeszug durch die Länder halten. Als vor ungefähr 500 Jahren der Holzschnitt und der Kupferstich in einzelnen Versuchen, die heute zu dem wertvollsten Besitz der graphischen Kabinette zählen, hervortrat, da ahnten ihre Ver* fertiger sicherlich nicht, welchen neuen Kultur* faktor sie der Menschheit gaben. Es waren einfache Blätter, handwerksmäßige Produkte, Zufallsarbeiten, Kopien von Ziselier* und Holz* arbeiten, die der Handwerker zu seinem eigenen Gebrauch mit Rußfarbe abklatschte, um das Muster der Arbeit zu besitzen, die seine Werk* statt verlassen sollte. Aber gar bald wurde die neue Idee von geistvollen Meistern aufgegriffen, und es entstanden die ersten Meisterwerke der Graphik. Um das Jahr 1500 hatte diese Kunst bereits eine solche Höhe erreicht, daß sie — vor allem in Deutschland — zu den wichtigsten und interessantesten Erscheinungen der bildenden Kunst gehörte. Zur Zeit der Reformation bildeten die graphischen Flugblätter ein wichtiges Propagandamittel. Das Volk, des Lesens noch unkundig, wurde im Bilde für die neuen Ideen begeistert. Dürers Holzschnitte müssen eine ungeheuere Wirkung erzielt haben, sie wurden verschlungen, wie heutzutage die Zeitungen und Extrablätter. Das Volk erkannte in diesen Blättern die Mahnungen und Lehren und vertiefte sich mit seinen durch nichts getrübten, klar sehenden Augen in diese mit kernigen Strichen geschaffenen Zeichnungen. Als die Stürme der Reformation verrauscht waren, trat auch die graphische Kunst wieder mehr in den Hintergrund, sie sprach nicht mehr so eindringlich zur Menge, sondern ver* feinerte sich in ihrem künstlerischen Wesen. Die Radierung, die Tochterkunst des Kupfer* stiches, bot neue Probleme für den Künstler. Rembrandt hat sie zu dem höchsten Gipfel empor* getragen und sein Schaffen ward zum Muster für alle kommenden Generationen bis auf unsere Tage. In allen Ländern regten sich neue Kräfte, alle haben sie ihr Scherflein beigetragen. Deutsch* land aber, das wohl als die Wiege der graphischen Künste bezeichnet werden und das auch die letzte Erfindung auf diesem Gebiete, die Litho* graphie, für sich in Anspruch nehmen kann, eint nun die Völker zu der gewaltigen Ausstellung, Pfeli James Bieberkraut Bayrisches Bauerngehöft (nach einer Radierung) München