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Ost und West · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 6. Juni 1914. XIV. Jahrg. DIE JUDENSEELE. Von B. Samuel. leben auf der gleichen Scholle und wirken doch so grundverschieden, selbst wenn sie Glieder einer und derselben Rasse sind." Alles was in den letzten Jahren über die „Blutschuld der Rasse" gesagt worden ist, bildet daher für den Verfasser „entweder graue Theorie oder Mystizismus, der weder bewiesen noch widerlegt werden kann". Er faßt sein Problem rein geisteswissenschaftlich aut. Nur die „idealen" Manifestationen der Rasse will er gelten lassen, nämlich nur die Resultate ihrer Auswirkungen auf jenen Gebieten, die sich psychologisch erfassen und ierforschen lassen. Er gewinnt auf diese Weise sicheren Boden unter den Füßen und geht an den Ausbau seiner Ideen. Es kommt selten vor, daß man die meisten Einzelheiten und rfen größten Teil der Ergebnisse, die ein Buch darbringt, ablehnt und sich dennoch von diesem Buch derart angezogen und gefesselt fühlt, daß man ein paar Mal immer wieder dazu zurückkehrt und immer wieder neue Anregungen darin findet. Das ist bei dem vorliegenden Werke der Fall. Es ist dies gewiß zu einem bedeutenden Teil ein Verdienst der Darstellung, die, trotz mancher Flüchtigkeiten, eine glänzende ist, voll Temperament und Lebhaftigkeit, bilderreich und plastisch. Aber man braucht sich von dem äußeren Gewand nicht bestechen zu lassen und lediglich auf den Gehalt zu achten, und man wird der großen Fülle des mannigfachen Wissens sowie dem heiligen Ernst, mit dem der Verfasser an die Lösung seines Problems herangetreten ist, die vollste Anerkennung zollen. Mit größtem Interesse folgt man seinen scharfsinnigen Deduktionen, seinen originellen Ideen, die häufig langgehegte Urteile von Grund aus umstürzen und überlieferte Meinungen entwurzeln. Allein, von den zahlreichen Widersprüchen, in die der Verfasser verfällt, abgesehen. Gibt es eine „Judenseele" — nämlich eine allen dem Judentum zugehörigen oder aus ihm hervorgegangenen Individuen gemeinsame Summe geistiger Eigenschaften, die so ausgeprägt sind, daß sie diese Individuen von allen anderen unterscheiden und zwischen ihnen einen festen, deutlich in die Erscheinungen des Lebens tretenden Zusammenhang herstellen? Um diese Frage zu beantworten, müßte vorher ein anderes allgemeineres Problem gelöst werden: gibt es überhaupt Kollektivseelen, oder ist die von so vielen Politikern, Agitatoren und Tagesschriftstellern so oft heraufbeschworene „Volksseele" nur ein chimärisches Wesen, in der Enge der Studierstube ausgebrütet, gut genug, um gewissen ephemeren, ganz abseits von Wahrheit und Erkenntnis liegenden Zwecken zu dienen — aber unfähig, das helle und scharfe Sonnenlicht der Forschung zu vertragen? Entschieden bejaht wird die Frage von dem Verfasser des neuesten und — das sei gleich hervorgehoben — bedeutsamsten Werkes über das jüdische Seelenproblem1), Dr. S. M. Melamed. Für ihn ist das Vorhandensein eines spezifischen Rassen- oder Volksgeistes eine absolute Wirklichkeit. Allein, er lehnt ebenso entschieden eine physiologische und biologische Definition des Rassenbegriffes ab, weil alles, was hierüber bisher gesagt worden ist, so unendlich verschwommen und widerspruchsvoll ist, dann aber auch, „weil bisher keine genaue Kenntnis darüber erlangt werden konnte, ob das' rein biologische Element wirklich so bestimmend für den Kulturgeist eines Volkes ist". ,,Wie das Blut auf die seelische Konstitution einer Rasse wirkt, wissen wir nicht. Viele Völker formieren sich unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen, " < 1) Psychologie des jüdischen Geistes. Zur Völker- und Kulturpsychologie. Berlin. Verlag: K.A.Schwetschke&Sohn.

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