Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Die Schulen der Alliance in den Jahren 1913 - 1914
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 387 - 388 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2584047-2584052-2596620--15600-2596676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3S7 Die Schulen der Alliance in den Jahren 1911—1913. 38$ fast unbekannten Toilettenlittel, Wasser und Seife, ausgiebigere Anwendung finden. Mit großer Befriedigung darf ich Ihnen melden, daß meine Empfehlungen getreulich befolgt worden sind. Bei der Kontrolle am nächsten Tage waren alle sehr stolz, ihren wohlgekämmten Kopf und ihr sauberes Gesicht, Hals und Arme zu zeigen. Einige Mädchen haben uns trotzdem viel zu schaffen gemacht, sie fürchteten sich zu sehr vor dem Wasser! Aber ein paar tiberzeugende Worte, verbunden mit einer Strafandrohung, halfen schließlich, die Wasserscheu zu überwinden. Schon wenige Tage nach der Eröffnung hatten wir die Schülerinnen an Schürzen gewöhnt. Die wohlgewaschenen und gekämmten Mädelchen mit ihren niedlichen Schürzen über den Kleidern sahen allerliebst aus. Die kleine Gemeinde von El-Ksar legt sich die schwersten Opfer für den Unterhalt unserer Schule auf. Leider ist sie sehr arm. Die reichen Familien, so schreibt Direktor Benarova, sind nach den Ereignissen von Casablanca von hier fortgezogen und nach Laraclie und Tanger übersiedelt. Keine einzige reiche Familie ist hier geblieben und drei Vierte] der Gemeinde ist in großem Elend. Ich bewundere die Notabein, daß sie sich bei ihrer geringen Zahl so große Opfer für die Schulen und die Gemeindeeinrichtungen auferlegen. Bei der Zählung,, die ich' im April vornahm, habe ich Häuser von sechs Zimmern gesehen, in denen 40 bis 45 Personen wohnten, Männer, Frauen und Kinder — das macht einen Durchschnitt von sieben Personen für jedes Zimmer. Dazu muß noch bemerkt werden, daß die Stuben keine Fenster haben und daß häufig Hühner und Kücken in denselben Räumen herumlaufen. Daran können Sie den traurigen Zustand ermessen, in dem ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung von El-Ksar sich befindet. Hille. Hille ist eine kleine Stadt im Innern von Irak. Wenn man die interessanten Beobachtungen liest, die Direktor Abrevaya über die Bevölkerung von Hille macht, wird man den Einfluß der Umgebung auf die geistige Entwicklung des einzelnen wohl begreifen können. Er schreibt: Wer bisher nur die Juden von Bagdad urtd Bassorah gekannt hat, wird den ganz verschiedenen Charakter der hiesigen Bevölkerung mit großem Interesse studieren. Wenn man in Bagdad in die Schulklasse kommt, wird man von dem geweckten Geist der Kinder, von ihrer zum Auffassen und Lernen stets bereiten Intelligenz und von ihren, villeicht etwas zu klaren Begriffen des Nützlichen und Praktischen zugleich überrascht und entzückt. Die kränkliche Konstitution der Kinder in Bassorah macht sie zum Lernen weniger geeignet, beeinträchtigt aber ihre Intelligenz durchaus nicht. Sie sind in ihren Aeußerungen wohl noch spontaner als ihre Altersgenossen in Bagdad, denn diese haben schon viel mehr gesehen: Fremde, Kriegs- und Handelsschiffe und deren Einrichtungen usw. Die hiesigen Kinder haben noch gar nichts gesellen, und folglich ist ihr Wissensgebiet ein sehr beschränktes. Die meisten Kinder haben mit 14 Jahren noch keine Pumpe, kein Boot, keinen Tee gesehen, und es gibt sogar Kinder, die sich nicht erinnern, je Milch getrunken zu haben. Sie haben keine Beobachtungsgabe und einen beklagenswerten Mangel ian Neugierde. Ihr arabischer Wortschatz ist äußerst gering und die Sprache ganz unrichtig, so daß oft die Abbildung eines Gegenstandes oder sein arabischer Name ihren schläfrigen Sinnen keinen Gedanken und keine Erinnerung abgewinnen kann* I s p a h a n. Die folgenden Zeilenaus dem Bericht des Direktors Brasseur beweisen die Wirkung der Allianceschulen auf die Mohammedaner in Persien. Unsere Schule wird jetzt von 40 mohammedanischen Schülern, 30 Knaben und 10 Mädchen, besucht. Bei der vom Mittelpunkt der Stadt ziemlich weit entlegenen Schule und dem immer noch sehr lebendigen Vorurteil von der „Unreinheit" der Juden ist diese Schülerzahl eine sehr beträchtliche. Wir machen keinen Unterschied zwischen unseren israelitischen und mohammedanischen Schülern, ganz gleich, welches Schulgeld die einen oder die anderen zahlen, und lassen keinerlei Trennung zwischen den mohammedanischen und den israelitischen Schulgenossen aufkommen. Da wir zwei neue Hilfslehrer angestellt und den englischen Sprachunterricht eingeführt haben, SALEM ALEIKUM SALEM GOLD (GoldmundstcO Zttnwsfutföe! CIGARETTEN Prei$N9 3s4 5 6S1Q 3i4 5 6S10Pfg-.ci.Sfck Orienf.tabaku.CigareÄen£abnk^fL^___■ \ f^r,.*, I ,YeradÄe,Jnh..HugoZiefeDre5dßn 11^1 % II |f 1 " Hofl.S.M.d.KßnigS vonSachsenu. JLJt U.«9JMXVJL