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Ost und West · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 271 - 272

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Teilansicht des Heinebrunnens in New York [Abbildungen]
Date
1914-04-01
Page
Seite 271 - 272 (sequence 1)
Language
German
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271 Sigmar Mehring: Ein neues Heinebuch. 272 EIN NEUES I Besprochen von S i Kann eiBuch über Heine noch Neues bringen? Wohl kaum! Doch ist hier der Versuch gemacht worden, den'großen Spötter von seiner bissigsten Seite zu zeigen. Das Buch enthält eine Zusammenstellung der schärfsten Aussprüche, die Heine in Gedichten, Prosaschriften und Briefen über Religion, Politik und Literatur, über Gegner und Freunde, mit der ihm eigenen Rücksichtslosigkeit kundgetan hat. Mancher an sich schon hell aufflammende Geistesblitz ist hier mit Absicht zu grellstem Licht emporgeschraubt. Man könnte zurückschrecken, wenn einen nicht Heines unwiderstehlicher Humor festhielte. Und hat man sich erst an diese Heißluft Heinescher Leidenschaft gewöhnt, dann fühlt man sich wie in einem Schwitzbad von allen unreinen Säften gesunden. Wer sich lange mit Heine beschäftigt, wird beinahe selbst zum Schalk? Das zeigt auch der Verfasser des Buches, nicht nur durch eine Reihe Zitate, die er — der Schalk! — absichtlich falsch auffaßt, um den Sinn der Verse in ihr Gegenteil zu verkehren, sondern auch schon durch den ironischen Titel, mit dem er sein Buch schmückt: Fort mit der Schmach eines öffentlichen Heinedenkmals. t t t Ein letztes Mahnwort an den Hamburger Senat und Frankfurter Magistrat von u. s. w. Teilansicht des Heinebrunnens in New York von Professor Ernst Hertel, Berlin. iEINE-BUCH. g m_a r Mehring. Soll man den Verfasser nennen? Er bezeichnet sich als Mitglied des Reichstages und Dr., und er ist — was man aus dem Titel nicht ohne weiteres erraten wird — Gymnasiallehrer an einem deutschen Gymnasium. Ob er auch Unterricht im Deutschen erteilt? Dann müßte er freilich seinen Schuljungen eine Formel wie: w . . . an den Hamburger Senat und Frankfurter Magistrat" als schlechtes Deutsch anstreichen. Diese Bemerkung wird der Herr Gymnasiallehrer natürlich nur als Scherz auffassen, wie er seinerseits sich gewisse Scherze mit Heine erlaubt. Er führt nämlich eine Reihe von Sätzen aus den Briefen und Schriften des Dichters an, um nachzuweisen, daß Heine kein richtiges Deutsch schreiben könne. Die Komik ist in der Tat überwältigend: Heine, der glänzendste Stilist des neunzehnten Jahrhunderts, der unerreichte Meister einer melodiösen Prosa, wird der gröbsten grammatikalischen Schnitzer überführt! Freilich gelingt es dem aufmerksamen Gymnasiallehrer nur, indem er schelmisch verschweigt, daß die angegebenen Stellen zum Teil aus flüchtig geschriebenen Privatbriefen stammen, zum Teil Druck- und Diktatfehler sind, die namentlich in den letzten zehn Jahren, als Heines Augen ihren Dienst versagten, zufällig durchschlüpften. Der Verfasser versteigt sich aber zu noch boshafteren Witzen. Er bezichtigt Heine des Plagiats, der Unterschlagung, Erpressung, politischen Käuflichkeit und einer Reihe anderer Verbrechen, die — und Teilansicht des Heinebrunnens in New York von Professor Ernst Herter, Berlin.

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