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Ost und West · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 207 - 208

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Jüdische Porträtminiaturisten
Date
1914-03-01
Page
Seite 207 - 208 (sequence 7)
Language
German
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207 Ernst Lemberger: Jüdische Porträtminiaturisten. 208 fortsetzte. Fiorino verheiratete sich in Dresden mit Hanna Elb, einer Schwester des Porträtmalers Karl Elb. Sein Eheglück währte nicht lange. Die junge und schöne Frau starb in der Blüte der Jahre. Fiorino weilte bis 1830 in Dresden, wo er bei Hofe in gutem Ansehen stand. Er soll, wie mir seine Verwandten erzählten, für den Dresdener Hof viele Miniaturen gemalt haben. 1830 kehrte er wieder in seine Vaterstadt zurück. Der Kurfürst hatte ihm an der Akademie eine Professur in Aussicht gestellt. Die politischen Wirren verhinderten jedoch den Kurfürsten, sein Versprechen zu halten. Das ist zu bedauern, denn Fiorinos Lehrtätigkeit an der Akademie hätte für die Entwicklung der Miniaturmalerei in Kassel von Bedeutung werden müssen. Mit ihm wäre ein Künstler zur akademischen Lehrtätigkeit gelangt, dessen eigentliches Gebiet die Miniaturmalerei war. Während seines Kasseler Aufenthaltes im Jahre 1830 betätigte sich Fiorino sehr eifrig in seiner Kunst. Eine ganze Anzahl seiner Arbeiten stammt aus der Zeit. Fiorino kehrte dann wieder nach Dresden zurück. Der Kurfürst scheint dem Künstler sehr gewogen gewesen zu sein. Er ließ ihm während eines großen Teiles seines Aufenthaltes eine Jahrespension zukommen. Das geht aus einem Dokument hervor, dessen Original sich in den Händen des Herrn Alexander Fiorino befindet. Es lautet: Blanquet zur Vollmacht für Herrn Rüben Hesse Goldschmidt seel. Sohn in Cassel, um die mir von Seiner Königlichen Hoheit dem Kurfürsten allergnädigst bewilligte jährliche Un- Unbekannter Meister: Moses Mendelssohn. terstützung von Hundertfünfzig Talern aus der Kurfürstlichen Ober-Rentkammer für meine Rechnung zu erheben und darüber in meinem Namen zu quittiren. Dresden, den 16. Oktober 1820. gez. Jeremias David Alexander Fiorino. Die Richtigkeit der Unterschrift bezeugt Der Kurfürstlich hessische Regierungsrat und Geschäftsträger am Königl. Sächsischen Hofe, gez. Freiherr von Malsburg. Dresden, den 10. Oktober 1820. Fiorino bezeichnete manchmal seine Miniaturen : Fiorino, manchmal mit dem Monogramm: I. D. A. F. (Der Längsbalken des I ist mit dem Längsbalken des D verschmolzen, das H steht im D und der Längsbalken des F fällt mit dem zweiten Längsbalken des H zusammen.) Diese Signatur bewirkte, daß viele Sammler seine Arbeiten für Werke von Daffinger hielten, da man auf den ersten Blick: D A F liest. Seitdem ich dem Künstler in meiner Bildnis-Miniatur in Deutschland" ein Denkmal setzte, zählt der Meister zu den — gefälschtesten Miniaturisten des Kontinents! Man kann wohl annehmen, daß fünf Sechstel aller im Antiquitätenhandel vorkommenden Bilder, die unter seiner Flagge segeln, in Dresden oder München hergestellte Kopien sind. Man lasse sich daher weder durch den hingepinselten Namen, noch durch die hillgemalte Chiffre täuschen. Und allen ihm zugeschriebenen unbezeichneten Arbeiten bringe man erst recht Mißtrauen entgegen! (Schluß folgt.) DIE BEKÄMPFUNG DES HASSES, Von Albert Bach, Die Notwendigkeit der Bekämpfung des Hasses durch die Juden liegt klar vor Augen, sobald man die Ursachen und Wirkungen des Judenhasses kennt. Die Leidensgeschichte der Juden ist eng verknüpft mit dem bestehenden ökonomischen System des Individualismus. Dieses System erzeugt wirtschaftliche Gegensätze: Reichtum und Armut; mithin auch wirtschaftliche Unzufriedenheit. Zu ihrer Ableitung hat man sich seit alter Zeit des Judenhasses bedient. Die Grundlage des Judenhasses besteht in der Tradition von der Kreuzigung Christi. Von Generation zu Generation hört das kleine Kind im Elternhause geringschätzende Worte über die Juden und später in der Schule von der Kreuzigung des Heilands. So wird der Judenhaß ununterbrochen angeregt. Seine Fortentwicklung geschieht hauptsächlich durch den wirtschaftlichen Kampf. Ueberau dort, wo der Jude dem Christen geschäftlich im Wege steht, macht sich der Judenhaß mehr oder weniger fühlbar. Wir sind also gezwungen, in der Ausübung des Berufes den Judenhaß zu fördern, selbst wenn wir noch so gerecht verfahren. Viele Nichtjuden mit natürlicher Weltanschauung sind der gleichen Befangenheit unterworfen, indem sie uns als eine minderwertige Rasse betrachten. NE KULTURMISSION DER JUDEN. Neustadt a. d. Haardt. Nichtjuden, welche die Befangenheit gegen uns restlos verloren haben, bilden eine Seltenheit. Antisemiten findet man deshalb in allen Kreisen. Erziehung, Vererbung und Gewohnheit erschweren es den Christen, unsere gesetzliche Gleichberechtigung zu begreifen. So kommt es, daß die Oberschichten, die uns gesellschaftlich, teils auch wirtschaftlich .boykottieren, beweisen, daß wissenschaftliche Bildung und ästhetische Umgangsformen nicht ausreichen, um die Befangenheit gegen die Juden zu beseitigen. Die judenfeindliche Strömung, gerade in wissenschaftlichen Kreisen, kann man von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken hin beobachten. Ueber die Heftigkeit oder Milde, in der sich der Antisemitismus in den Oberschichten äußert, entscheidet nur die politische, wirtschaftliche und soziale Zweckmäßigkeit. Wir haben demnach mit der bedauerlichen Tatsache zu rechnen, daß der soziale Geist der akademisch gebildeten Nichtjuden, ohne Unterschied der politischen Parteistellung, ein ganz anderer geworden ist als vor fünfzig Jahren. Damals war die soziale Wirkung der gemeinsamen wissenschaftlichen und idealen Bestrebungen mächtiger als die Religionsgrenze.

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